- Grow Guide °1: Die Umgebung für Deinen Grow
- 1.1. Indoor Growing
- Ertrags-Steigerung durch Kontrolle der Umgebungsbedingungen
- Indoor-Gewächshaus
- Welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist für den Indoor-Cannabis-Anbau perfekt?
- Abluft-Anlagen als essentielle Grundlage für jeden Indoor-Grow
- Im Geruch liegt die unsichtbare Gefahr beim Indoor-Cannabis-Anbau
- Ist ein Indoor-Grow zu laut für die Mietwohnung?
- Pflanzen brauchen frische Luft!
- Welche Hülle für den Indoor-Grow?
- Indoor Grow: Unterm Strich
- 1.2. Outdoor Growing: Cannabis-Anbau im Garten, Wald oder auf dem Feld
- Der Outdoor-Anbau harmoniert perfekt mit biologischer Pflanzenernährung
- Draußen gibt es jede Menge Nützlinge
- Pilze erhöhen die Schwierigkeits-Stufe beim Outdoor-Grow
- Outdoor mit Immunhelfern: Geheimtipp Brennnessel-Jauche für den Cannabis-Anbau
- Outdoor-Grows sind auch auf dem Balkon möglich. Aber Achtung!
- Outdoor-Grow: Unterm Strich
Grow Guide °1: Die Umgebung für Deinen Grow
Es gibt die Möglichkeit, sowohl Indoor, also in den eigenen vier Wänden, als auch Outdoor, also im Garten, Privatwald, Feld oder dem eigenen Weinberg Cannabis anzubauen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass es im zuständigen Staat legal ist und gegebenenfalls behördlich angemeldet.
1.1. Indoor Growing
Wer rund ums Jahr seine eigenen Blüten anbauen will, kommt um eine Anbau-Anlage in den eigenen vier Wänden oder dem Hobbyraum nach Wahl gar nicht herum. Der Indoor-Anbau ist dabei jedoch die deutlich teurere Alternative, da man die draußen kostenlos scheinende Sonne mit einer stromhungrigen Lampe für den Pflanzenanbau ersetzt. Doch mit dem Innen-Anbau erkauft man sich gewissermaßen auch die volle Kontrolle über seine Pflanzen, da man die essentiellen Bedürfnisse der Pflanze besser kontrollieren und befriedigen kann. Diese sind:
- Licht
- Wasser
- CO2
- Nährstoffe
- Sauerstoff
- Luftfeuchtigkeit und Temperatur
Ertrags-Steigerung durch Kontrolle der Umgebungsbedingungen
Im Indoor-Bereich kann man Regenereignisse auf 0 reduzieren, was Cannabis dankend annimmt. Wasser mag Hanf im Idealfall nur an den Wurzeln, abspülen kann man seine Pflanzen jedoch in Notfällen trotzdem von oben bis unten, zum Beispiel bei Schädlingsbefall. Auch den CO2-Gehalt kann man nur Indoor erhöhen. Im Gegensatz zu uns Menschen ziehen Pflanzen einen bedeutsamen Teil ihrer Energie aus Kohlenstoffdioxid, was gerade einmal 0,04% unserer Luft ausmacht. Eine Steigerung der CO2-Konzentration verhilft C4-Pflanzen wie Cannabis zu erhöhtem Wachstum. Klarer Vorteil Indoor Bereich. Im Indoor-Bereich kann durch gezielte Bewässerung zudem die Nährstoff- und Sauerstoff-Versorgung des Bodens um die Wurzeln optimiert werden. Das Licht kann im Indoor-Bereich deutlich besser auf die Pflanzenbedürfnisse eingestellt werden, da es im Growraum keine Wolken, pflanzenfremde Schatten und Jahreszeiten gibt. Denn die Tageslänge bestimmt, ob eine Pflanze im Moment blüht, oder noch weiter im Wachstum ist, also an Seitenästen und Höhe zunimmt.
Indoor-Gewächshaus
Um Dir Inspirationen für den Aufbau eines Indoor-Grow-Ambientes zu beschaffen, kann ich einschlägige Foren wie Grower.ch und growdiaries.com empfehlen. Dort findet man zahlreiche Inspirationen für versteckte und perfekt eingespielte Indoor-Grow-Setups. Vom unauffälligen 0,3m2 System im Einbauschrank mit 12V-PC-Lüftern bis hin zu Räumen von hunderten Quadratmetern, wo schon der Luftentfeuchter so viel Strom verbraucht wie die meisten Home-Grows insgesamt, findet man alles in den Weiten des Internets. Ein paar Inspirationen, wo so ein Indoor-Grow stattfinden kann:
- Gästezimmer
- Abstellkammer
- Garage
- Kleiderschrank
- Grow-Zelt
- Gäste-WC
- Unterm Bett
- Dachboden
Angebaut werden kann Cannabis unter Kunstlicht eigentlich in jeder erdenklichen Umgebung, es müssen lediglich die Kern-Bedingungen fürs Wachstum eingehalten werden. Dazu gehört von den oben genannten sechs Punkten besonders die Einhaltung einer den Pflanzen angenehmen Temperatur und relativen Luftfeuchtigkeit in der Umgebungsluft.
Welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist für den Indoor-Cannabis-Anbau perfekt?
Da viele Grower sich nicht auf ein Anbau-Abteil allein beschränken, sondern für Wachstums- und Blütephase jeweils speziell abgestimmte Räume (oder Zelte) zur Verfügung haben, sind die Luft-Werte interessant einzeln zu betrachten:
- Wachstum: 60%- 100% rel. Luftfeuchtigkeit. 20 – 30 °C.
- Blüte: 45% – 65% rel. Luftfeuchtigkeit. 18 – 28 °C.
Detailliert wird dieses Thema in den Kapiteln der Wachstums- und Blütephase beleuchtet. Knapp sei an der Stelle jedoch zusammengefasst, dass es kleine, junge Pflanzen tendenziell wärmer und feuchter mögen. Besonders frisch geschnittene Stecklinge müssen in ihren ersten Tagen bei hoher Luftfeuchtigkeit einen sehr großen Teil ihres Wasserbedarfs aus der Luft aufnehmen. Das ist nötig, da bei Stecklingen noch kein wasserziehendes Wurzelwerk vorhanden ist. Deshalb ist in diesem Entwicklungs-Schritt eine hohe Luftfeuchtigkeit essentiell.
Große Pflanzen jedoch können in einer trockenen Luft mehr Wasser aus dem Boden saugen und schneller wachsen. Große Pflanzen, besonders in der Blüte sind bei hohen Temperaturen anfällig für Schimmel, was häufig das vorzeitige Ende eines Durchgangs bedeutet.
Viele Grower haben eine kleine Box bzw. ein kleines Abteil für die Wachstumsphase. Denn die kleinen Pflanzen in der Wachstums-Phase benötigen noch kaum Platz und die Abluftanlage muss nicht so groß dimensioniert werden, weil die Pflanzen mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit gut umgehen können. Das Licht muss ebenfalls nicht viel Power haben, viele Wachstums-Zelte im Home-Grow-Sektor kommen mit 100 Watt oder weniger Lichtleistung aus. Die Trennung von Wachstum- und Blüte-Pflanzen, trotz des geringen Platzbedarfs der Pflanzen in der Wachstumsphase, hat einen einzigen gewichtigen Grund: Cannabis-Pflanzen sind erst bei ca. 18h Licht am Tag in der Wachstumsphase, was hormonelle Gründe hat. Ebenso hormonell bedingt ist die Blütephase, jedoch bei nur 12 Stunden Licht am Tag. In der Natur spiegelt sich das in den Jahreszeiten genauso wieder, denn wenn die Tage lang und die Nächte kurz sind, wachsen die Cannabis-Pflanzen ohne eine einzige Blüte -> Wachstums-Phase. Erst im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, bilden sie Blüten aus. Eine strikte Trennung der Lichtzyklen ist im Indoor-Anbau deshalb essentiell, denn nur so kann man die Kontrolle über sein Anbau-Vorhaben behalten und den Blühzeitpunkt selbst festlegen. Mit einem extra Mutterzelt / Wachstumszelt hat man zudem die Möglichkeit, Mutterpflanzen in der Wachstumsphase zu halten
Abluft-Anlagen als essentielle Grundlage für jeden Indoor-Grow
Beim Aufbau einer Indoor-Anlage sollte auf jeden Fall immer eine Abluft-Anlage bedacht werden. Denn die Lampen im Zelt produzieren Hitze, die nach außen geleitet werden sollte. Ab 40°C besteht die Gefahr des nicht wiederrufbaren Zelltods der Pflanzen.
Außerdem verdunstet aus dem Boden und über die Blätter jede Menge Wasser, wodurch die Luftfeuchtigkeit in der Kammer steigt. Eine Abluft-Anlage führt Feuchtigkeit und Wärme nach außen ab. Der Abluft-Ventilator sollte so dimensioniert sein, dass er die entstehende Wärme der Lampen abführen kann. Die Abluft-Leistung wird im Growshop in m3/h angegeben. Als Faustregel gilt, das 40-fache des Grow-Raum-Volumens für die Abluft zu berechnen. Für ein 1,20m x 2,40m x 2m Grow-Zelt mit 5,76 m3 müsste die Abluft also 230m3/h betragen. Dazu zählt man einen Puffer für Luftschläuche und Biegungen bei der weiteren Luftführung. Dazu kommt ein Aufschlag von 35% für einen optionalen Aktivkohlefilter. Zudem ist es bei Anlagen, die möglichst geräuscharm laufen sollen, empfehlenswert, den Lüfter mindestens ums Doppelte zu überdimensionieren. Und das schreibe ich ganz ohne Lobbygedanken, denn es ist einfach überzeugend, wie viel leiser ein großer Abluft-Ventilator ist, wenn er nur auf halber Leistung läuft. Für das Zelt mit 5,76m3 wäre somit ein Lüfter ab 500m3/h empfehlenswert.
Die ganze Abluft-Sache wird durch Klima-Steuergeräte abgerundet, die die sogenannten EC-Lüfter nur dann anschalten, wenn die gewünschten Temperatur- und Feuchtigkeitswerte über den gewünschten Werten liegen. Überdimensionierte EC-Lüfter laufen in dem Fall leise gedimmt auf halber Drehzahl. Manche Grower schwören darauf, ihre Abluft massiv zu überdimensionieren, um in heißen Sommern die Temperaturen im akzeptablen Bereich zu halten. Dabei wird ein hoher Unterdruck im Zelt erzeugt, der die Zeltwände nach innen drückt. Diese Strategie eignet sich besonders für den Anbau mit NDL-Grow-Lampen, da diese sehr viel Wärme erzeugen.
Im Geruch liegt die unsichtbare Gefahr beim Indoor-Cannabis-Anbau
Da in vielen Gebieten trotz Legalisierung nicht mit auffälligen Gerüchen im Wohnblock geprahlt werden sollte, macht sich jeder Home-Grower spätestens ab der vierten Blütewoche ernsthafte Gedanken, wie die auffälligen Geruchsausdünstungen ihrer wunderschönen Pflanzen einzudämmen sind. Abhilfe schafft da ein klug im Voraus geplanter Aktivkohlefilter, der etwas größer als der Abluft-Ventilator dimensioniert sein sollte.
Ist ein Indoor-Grow zu laut für die Mietwohnung?
Mit einem Aktivkohlefilter lassen sich somit schon mal die auffälligen Gerüche ableiten. Doch auch mit Geräuschen ist nicht zu spaßen, vor allem von ständig oder in Intervallen laufenden Ventilatoren. Zu jeder Jahreszeit. Deshalb gibt es spezielle schallgedämpfte Abluftventilatoren. Doch nicht nur die Ventilatoren sind ein Lärm-Erzeuger. Auch die Luftschläuche danach erzeugen mit dem Luftstrom ein ziemlich lautes Geräusch. Hierfür gibt es zum einen schallgedämmte Schläuche, aber auch spezielle Schalldämpfer, die am Ausgang des Luftstroms montiert werden können. Es empfiehlt sich zudem stets, sämtliche bewegte Teile wie z.B. Umluft-Ventilatoren entkoppelt im Grow-Raum oder -Zelt zu montieren. Zum Beispiel mit Hilfe eines Fahrradschlauches am Decken-Gestänge des Grow-Zeltes. Denn „Trittschall“ oder eben die Schwingungen eines Lüfters können sich über das Gestänge auf mehrere Etagen eines Hauses bewegen. Besonders auf die schnurrenden Umluft-Ventilatoren sollte hierbei acht gegeben werden, diese können weitaus lauter als die Abluft-Ventilatoren sein.
Pflanzen brauchen frische Luft!
Nicht nur wir Menschen, auch Pflanzen brauchen frische Luft. Deshalb ist neben der Abluft auch eine Zuluft des Growraumes oder -Zeltes erforderlich. Dies kann in der Regel mit einem einfachen Lufteinlass gelöst werden, durch welchen die frische Luft bedingt durch den Sog des Abluft-Ventilators hineinströmen kann. Wichtig ist nur, dass auch der Raum, in den die Luft abgeblasen wird, regelmäßig gelüftet wird. Denn die Pflanzen brauchen frisches CO2, welches sie in einem geschlossenen Raum rasch verbrauchen. Bei Anlagen über 2m2 empfiehlt sich eine aktive Zuluft mittels Lüfter. Zur besten Sicherstellung von frischer Luft wird die Abluft, und in ganz ehrgeizigen Fällen auch die Zuluft, direkt mit der Außenwelt verbunden. Dazu eignen sich spezielle Konstruktionen an Fenstern, Lüftungsschächten und Kamin-Schornsteinen. Wie immer: Nichts illegales machen und alle Änderungen an gemieteter Bausubstanz mit dem Vermieter absprechen.
Welche Hülle für den Indoor-Grow?
Ob Zelt, Trockenbau-Raum oder Gäste-WC: Angebaut werden kann überall, wo die Wände kein Wasser aufsaugen und eine halbwegs trockene Luft herrscht. Substanziell eignet sich am besten ein gefliester Raum, gerade wenn es um die Prävention von Albträumen wie Wasserschäden etc. geht. Wände lassen sich mit Dampffolie abkleben und somit ganze Räume versiegeln. Das Sortiment aus dem Trockenbau hilft hier gut weiter. Ansonsten sind Grow-Zelte auch 2021 noch eine sehr anwenderfreundliche und preiswerte Grundlage für den heimischen Cannabis-Anbau. Sie lassen sich leicht montieren und demontieren, man kann mit ihnen also sogar umziehen. Grow-Zelte besitzen meist spezielle Mylar-Beschichtungen, welche das auf die Wände treffende Licht der Pflanzenlampe optimal auf die Pflanzen reflektieren. Zudem darf man nicht vergessen, dass Grow-Zelte die nötigen Befestigungs-Stellen für Abluft-Ventilatoren und Aktivkohle-Filter besitzen. Sie tragen 40kg und mehr, je nach Modell. Zudem sind in die Wände von Grow-Zelten spezielle Öffnungen eingearbeitet, über die Abluftschläuche und Zuluft geführt werden können. Die Modularität und Einfachheit von Grow-Zelten machen sie sowohl im privaten, als auch im kommerziellen Sektor nach wie vor attraktiv. Mit Dampffolie und Co. Kann man jedoch auch den Kleiderschrank, die Küchenschublade oder den Bettkasten zum Grow-Raum umfunktionieren! Wichtig ist nur, dass in der Licht-Aus-Phase in der Kammer perfekte Dunkelheit herrscht, selbst wenn nebenan noch der Fernseher läuft.
Indoor Grow: Unterm Strich
Unterm Strich ist die Entscheidung für einen Indoor-Grow eine sehr bewusst zu treffende Entscheidung. Gerade in Ballungsräumen empfiehlt sich eine 100% professionelle Arbeitsweise, die in der Nachbarschaft zu keinerlei Auffälligkeiten zwecks Geruch oder Geräuschen führt. Die hohen Anfangsinvestitionen und die möglichen Ernte-Qualitäten aus dem Indoor-Anbau sollten Grund genug für solch eine saubere Arbeitsweise sein. Und das gute daran: Die Pflanzen werden es Dir danken, wenn Du beim Projekt Grow sauber, hygienisch und sorgfältig agierst. Denn Krankheiten und Schädlinge kommen in den Indoor-Grow meist schneller rein als raus, Sauberkeit ist also eine wichtige Tugend für den erfolgreichen Eigenanbau im Innenbereich.
1.2. Outdoor Growing: Cannabis-Anbau im Garten, Wald oder auf dem Feld
Eine deutlich schneller und mit weniger Aufwand vorzubereitende Variante des Cannabis-Anbaus ist ein Outdoor-Grow. Im Gegensatz zum Indoor-Grow muss man deutlich weniger Materialien beschaffen oder bauliche Maßnahmen durchführen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es an einem Outdoor-Standort einfacher wäre, eine erfolgreiche Ernte einzufahren. Was man sich an Aufwand in der Vorbereitung spart, muss man meist doppelt- und dreifach in die Wartung des Outdoor-Grows investieren. Besonders wenn Wasserknappheit herrscht, weil die Sommer jedes Jahr unberechenbarer werden, oder weil am Ort der Wahl plötzlich die berüchtigte Hanfspinner-Raupe beginnt, sich munter fortzupflanzen.
Die Risiken beim Outdoor-Grow unterscheiden sich je nach Standort stark von denen eines Indoor-Anbaus. Besonders in waldigen Gebieten sind Nachbarn eher weniger die Gefahr. Man sollte jedoch forstbetriebliche Bereiche und Wanderwege meiden. Hat man einen sicheren Standort ausgewählt, klingelt als nächstes der Punkt mit der Wasserknappheit. Erst im Sommer zeigt sich, wie wasserführend der Boden wirklich ist, der im Frühjahr noch so saftig grün mit Wiese bedeckt war. Man sollte also sicher sein, dass die auserkorene Stelle nah an wasserführenden Bodenschichten liegt, bspw. an einer Flussaue oder einem trockengelegten Sumpf. Im Zusammenhang mit wasserführenden Orten sollte man jedoch direkt weiter denken – und zwar an Wildtiere.
Outdoor-Grow: Cannabis-Anbau sicher vor Wildtieren?
Wenn man beispielsweise an einer versteckten Quelle anbaut, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass umherlaufendes Wild die Pflanzen direkt nach dem Trinken aufnascht. Rehe, Wildschweine, Hasen – besonders Jungpflanzen sind betroffen. Es hat seine Gründe, dass Grower in Humboldt County meist drastische und umweltzerstörerische Einschnitte an ihren Grow-Arealen vornehmen. Stacheldraht gegen Wild, meilenlange Wasserpumpen, um auch noch die letzten Schlücke Wasser aus dem Redwood Creek zu schlürfen. Alles für die Pflanzen, alles für das perfekte „organic outdoor“ angebaute Gras. Bio kann so verklärt romantisch sein, wenn neben dem vor sich hin fermentierenden Hühnermist direkt die geladene Pumpgun liegt.
Deshalb von unserer Seite an der Stelle die Bitte: Wenn ihr euch schon mit wilden Tieren anlegen wollt, dann spart euch wenigstens Ärgereien mit Nachbarn und Behörden und baut nur in legalen Ländern auf privatem Grund und Boden an. Das kommt der Seele des Endproduktes direkt zu Gute!
Die Sonne ist das perfekte Pflanzen-Licht – nur der Schalter fehlt
Die Cannabis-Pflanze hat sich über Millionen Jahre an das Spektrum und die Intensität des Sonnenlichtes gewöhnt. Der gesamte physiologische Bau von Pflanzen ist auf Sonnenlicht ausgelegt, die Photosynthese wurde auf die Sonne hin perfektioniert.
Besonders in südlichen Ländern wie Spanien oder Italien kann die Cannabis-Pflanze das steil einfallende, warme Licht optimal in dicke Blüten umwandeln. Dagegen erschweren lange und diffuse Tage das Pflanzenwachstum im Norden über dem 50. Breitengrad. Lange Sommertage verhindern die Blüte-Einleitung und durch einen schnell und drastisch einbrechenden Herbst wird die späte, sonnenarme Endblüte auch noch von Schimmel bedroht. Doch Abhilfe schaffen an der Stelle Autoflowering-Sorten, die immer ca. einen Monat nach Keimung mit der Blüte beginnen und rechtzeitig vor den Zeiten der nassen, kalten Luft fertigblühen. Wichtig zu erwähnen sei an der Stelle noch, dass Pflanzen ab 40 Grad Zelltod sterben, weshalb ein erfolgreicher Outdoor-Anbau in südlichen Regionen wie Alicante und südlicher stets durch Hitzewellen bedroht ist. Klimaanlagen wie das Mittelmeer oder der Atlantik verschaffen im Süden vor allem auf Inseln wie den Kanaren oder Balearen ein hervorragendes „Ocean Grown“ Klima, wie es unsere Vorbilder in Oregon, Washington State und Nord-Kalifornien seit Jahrzehnten lehren.
Wichtig bei der frischluftorientierten Standortwahl ist immer, dass das Sonnenlicht auch auf der Pflanze ankommt. Schatten durch Gebäudeteile, Bäume, höhere Sträucher minimieren die möglichen Erträge mit jeder Stunde Sonnenausfall. Besonders in wolkenreichen Gebieten gilt es, die wenige vorkommende Sonne optimal zu nutzen. Schattige Standort ergeben jedoch Sinn, wenn Wasserknappheit herrscht und die Erwartungen an die Erträge gering sind. Es gibt wie immer kein richtig und falsch bei der individuellen Entscheidung für das maßgeschneiderte Anbauvorhaben. Wie so oft, sollte eine maßgeschneiderte Methodik für den spezifischen Ort geschaffen werden.
Der Outdoor-Anbau harmoniert perfekt mit biologischer Pflanzenernährung
Viele Outdoor-Gärtner besitzen eine kleine Parzelle Land, am besten schon in dritter Generation, und wenden auf ihrem Land jedes Jahr jede Menge Mist von eigenen Tieren oder jenen aus dem Dorf. Es muss ja nicht viel sein, alles in Maßen, aber wenn der Mist auch schon seit drei Generationen gewendet wird, ist er mehr Wert als Gold. Werterhalt ist hier die Devise. Wert biologischen Lebens. Denn wenn man einem Boden Zeit gibt, sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen, dankt er es einem mit einer perfekten Boden-Struktur und Nährstoffverfügbarkeit. Beim Zerfall von Grün-Abfällen oder Mist zu Humus sind jede Menge Mikro-Organismen beteiligt, die den Abfall in pflanzenverwertbare Moleküle umwandeln.
Klassische biologische Dünger wie Hornspäne oder Mist werden im Gegensatz zu mineralischen Düngern erst nach einer gewissen Zeit im Boden pflanzenverfügbar. Je mehr Mikro-Organismen und wertvolle Enzyme im Boden sind, desto mehr wichtige oxidative und reduktive = Ionenbildende Prozesse können durchgeführt werden. Deshalb ist es beim Bio-Anbau stets ratsam, seinen Boden, wenn man welchen hat, wie ein Heiligtum zu behandeln. Boden braucht Reife, wie ein guter Wein – und im übrigen auch gutes Weed. 1 Jahr gelagert ist perfekt. Doch zurück zum Thema. Biologische Dünger gibt es im Fachhandel zu kaufen, wobei anzumerken sei, dass er wirklich immer sehr organisch riecht, ein bisschen wie auf’m Dorf, wenn gerade wieder Jauche ausgefahren wurde. Das liegt in der Natur der Sache und in den wertvollen Mikroorganismen. Organische Dünger sind sehr effizient und einfach in der Handhabung, da ein funktionierender Boden pH-Wert-Schwankungen und Nährstoff-Spitzen puffern und ausgleichen kann. Was sich erstmal technisch anhört heißt nur, dass man beim Gießen und Düngen beim Bio-Anbau auf Erde nicht so viel falsch machen kann.
Draußen gibt es jede Menge Nützlinge
Im Indoor-Bereich sind Schädlinge oft ein Problem, und das sind sie im Outdoor-Bereich auch, aber es gibt einen entscheidenden Vorteil: Während sich im Innen-Bereich eher selten von alleine Nützlinge ausbreiten, also Insekten, die Schad-Insekten fressen, sieht man dieses Phänomen im Außen-Bereich häufig. Je nach Intaktheit des weiteren Ökosystems sind Schädlinge im Außenbereich oft kein Problem. Kämpfen auch andere Pflanzen im Umkreis mit bestimmten Schad-Insekten, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich gegen diese Art auch ein Räuber, also natürlicher Feind entwickelt. So wie der Marienkäfer gegen Blattläuse. Ob es in einem bestimmten Gebiet mehr Nützlinge oder Schädlinge gibt, liegt an kleinsten Schwankungen im Ökosystem. Zum Beispiel kann es sich nachteilig auswirken, wenn Mono-Kulturen ein Öko-System beherrschen. Biologische Vielfalt ist viel Wert, wenn man als Gärtner möchte, dass die nützlichen Insekten sich in der Nähe der Pflanzen gemütlich machen. In diversen, intakten Ökosystemen kommt es durch das natürliche Vorkommen von Schädlingen zwar trotzdem zu anteiligen Ernte-Einbußen, aber diese halten sich in Grenzen, weil diese Schädlings-Populationen von ebenso vorkommenden Nützlichen gefressen und dezimiert werden. In Ökosystemen mit hoher Monokultur-Dichte kann es hingegen vorkommen, dass Nützlinge nicht vorhanden sind bzw. Schädlinge sich eine Zeit lang ausbreiten, bis Nützlinge, angelockt durch die Schädlings-Population, an den Ort kommen.
Albtraum Hanfspinner-Raupe
Ich selbst hatte auf Mallorca die Hanfspinner-Raupe in meinen Pflanzen sitzen und musste jeden Tag aufs neue in Augenschein nehmen, wie mir Headbud für Headbud von der pflanzeneigenen Wasserversorgung gekappt wurde. Nur mit kontinuierlicher Anstrengung von 5h pro Tag über zwei Wochen hinweg Raupen von den Pflanzen lesend, konnte ich der Gefahr halbwegs Herr werden. Hochgerechnet 2700 Raupen habe ich in der Vollblüte aus den Blüteständen gesammelt und an einen fernen Ort versetzt. Diese kleine Anekdote nur zur Verdeutlichung, wie es an Orten aussieht, wo ganz viele auf die Idee kommen, draußen Gras anzubauen. Dort verbreiten sich die auf Hanf spezialisierten Schädlinge wie die Hanfspinner-Raupe rasant und führen zu dem anfangs erwähnten Punkt: Den initialen Aufwand, den man sich beim Outdoor-Grow im Gegensatz zum Indoor-Grow spart, muss man bei Problemen nach hinten raus oft doppelt und dreifach ableisten. Sei es das tägliche Folie über die Pflanzen spannen auf Grund zu hoher Feuchtigkeit, sei es die massive Anstrengung, die Wasserversorgung bei unerwarteter Dürre aufrechtzuerhalten oder eben das Wegsammeln von Schädlingen. Da ist es tröstend, dass zumindest im Fall der Schädlinge das Risiko draußen geringer ist, da es auch mehr Nützlinge gibt, die sich auch bei den Blattläusen auf den eigenen Pflanzen dankend bedienen. Zum Beispiel Marienkäfer. Auf Mallorca hatte ich auch schon eine Gottesanbeterin auf einem „Sonnensegel“ (Blatt) in 1,80m Höhe gesichtet. Nützlinge sind echt schön anzusehen.
Insektizide im Outdoor-Bereich einzusetzen, erscheint aus vielen Gesichtspunkten gesehen unethisch, aber auch diese Möglichkeit besteht im Outdoor-Bereich immer. Es sollte bei der Anwendung nur darauf geachtet werden, dass die Mittelchen während der Blüte-Phase nicht mehr eingesetzt werden, da sie für den Konsumenten der Blüten potentiell gefährlich sind. Es gibt auch biologische Insektizide wie den Bacillus Thuringensis – wenn ihr den irgendwo bekommt, sterben die Raupen immerhin einen mehrtägigen, langsamen Tod. Bis dahin knabbern sie fröhlich weiter an Stängeln und Headbuds. Empfehlenswert ist Outdoor auch immer das Beipflanzen von Abwehrpflanzen, also Arten, welche Schad-Insekten durch speziellen Geruch oder Farben fernhalten.
Pilze erhöhen die Schwierigkeits-Stufe beim Outdoor-Grow
Pilze wie Botrytis, Echter Mehltau, Fusarium oder Kartoffel-Mehltau sind draußen fast immer vorhanden, zumindest in der näheren Umgebung der Pflanzen. Gefahr für Befall besteht je nach Pilzart ab und bis zu einer bestimmten Temperatur. Zudem muss die Luftfeuchtigkeit für einen Pilzbefall hoch sein. Die Temperaturen müssen meist um die 20 °C betragen. An küstennahen Standorten und auf Inseln im hat man im Herbst trotz klarer, regenloser Nächte jeden Morgen klatschnasse Blätter. Denn wenn die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist, was am Meer oft der Fall ist, und abkühlt, was nachts der Fall ist, dann kann die kältere Luft nicht mehr so viel Wasser(dampf) tragen und das überschüssige Wasser fällt als Morgentau auf die Pflanzen herab. Bei dichten Blüteständen sorgt das Tauwasser dafür, dass gerade in buschigen Pflanz-Bereichen die Luftfeuchtigkeit hoch ist und nicht zirkuliert. Akute Schimmelgefahr. Von Mehltau ganz zu schweigen, denn Pflanzen an tropisch-feuchten Standorten sind nahezu prädestiniert dazu, Mehltau zu bekommen. Das ist eine weiße Schicht auf den Blättern, die aussieht wie Mehlstaub. Ein anderes Symptom für Pilzbefall ist bspw. der Rost, also wenn die Blätter brüchige, rost-braune Flecken bekommen. Auch eine Erfahrung, die ich auf Mallorca machen musste.
Doch was problematisch klingt, kann im Outdoor-Bereich wieder durch Lösungswege angegangen werden. Es gibt biologische Pilze, die als Antagonisten, also Gegner für schädlichen Pilzbefall agieren. Trichoderma Harzianum ist der Name eines solchen Pilzes, den man im gut sortierten Grow-Shop finden sollte. Gut vorbereitete Grower mischen Trichoderma Harzianum unter ihre Erde bzw. ihr Substrat.
Outdoor mit Immunhelfern: Geheimtipp Brennnessel-Jauche für den Cannabis-Anbau
Im Outdoor-Bereich ist die Pflanzengesundheit das A und O. Während intaktes Bodenleben und biologische Pflanzenernährung bereits für die optimale Versorgung mit Nährstoffen sorgen, können die Abwehrkräft der Pflanze mit Brennnesseljauche noch gestärkt werden. Man legt dazu einfach Brennnesseln in einem luftdicht verschlossenen Eimer mit Wasser für mehrere Tage ein. Anschließend gibt man die Brennnesseljauche verdünnt mit ins Gießwasser oder sprüht sie auf die Blattoberfläche. Denn auch Blätter können Nährstoffe und Immunbooster aufnehmen, besonders über ihre Unterseiten, wo die sogenannten „Spaltöffnungen“ oder auch „Stomata“ genannt, Eintrittspforten für Flüssigkeiten und Gase bieten. Somit kommt der stärkende Brennnessel-Saft quasi direkt ins „Blut“ der Pflanzen.
Outdoor-Grows sind auch auf dem Balkon möglich. Aber Achtung!
Der sonnige Balkon erscheint verlockend für einen gewagten Grow-Versuch. Schnell sind Samen gekauft und der Grow-Shop abgeklappert und nicht viel später beschweren sich die Nachbarn über den bestialischen Gestank. Doch fangen wir von vorn an.
Der Outdoor-Balkon-Anbau ist eine realistische Möglichkeit, sich seinen Eigenbedarf an medizinischem Cannabis anzubauen. Besonders west- oder südseitig exponierte Balkone versprechen einen hohen täglichen Lichteinfall und somit hohe zu erwartende Erträge. Der Anbau kann im Topf erfolgen, mit Erde oder Kokos-Substrat. Hydroponische Anlagen werden nicht empfohlen, denn besonders im Sommer wird die Nährlösung sehr warm und man müsste einen energieaufwendigen Kühlkreislauf einrichten. Bei zu warmer Nährlösung kommt es schnell zu Wurzelfäule mit folgendem Pilzbefall – deshalb rate ich persönlich Einsteigern von einem Outdoor-Hydro-Grow ab. Mit Erde und automatischer Tropf-Bewässerung kann indes alles gut gehen und auf vorsichtige Empfehlung hin ausprobiert werden.
Beim Balkon-Grow sind drei Dinge elementar zu beachten:
- Wuchshöhe
- Geruchsemissionen
- Lage im Haus
Erst einmal ist entscheidend, die Wuchshöhe nicht über die Brüstung oder den Sichtschutz ragen zu lassen. Sichtschutz ist essentiell, denn auch in legalisierten Gebieten herrschen gesellschaftliche Stigmata gegenüber Cannabis-Gärtnern und man möchte in urbanen Nachbarschaften nicht mit dem unberechneten Faktor X konfrontiert werden. Die Wuchshöhe lässt sich mit niedrig wachsenden Indica-Sorten wie der Lowrider realisieren, am besten in Autoflowering-Ausführung. Photoperiodische Sorten kann man herunterbinden oder den Haupttrieb mit einem sogenannten Topping-Schnitt kürzen. So kann man buschigere Pflanzen kultivieren.
Der nächste Punkt betrifft den Geruch: Manche Sorten riechen sehr intensiv. Manche riechen typisch nach Hanf, „skunkig“ oder „harzig“. Das ruft Nachbarn auf den Plan. Es empfiehlt sich also, gering riechende Sorten anzubauen. ODER Sorten, die sehr fruchtig riechen. Der Duft von Zitrus-Sorten könnte schließlich auch von einem Zitronen-Baum kommen ;).
Die Lage im Haus ist auch entscheidend, denn sie bestimmt, wohin eventuell auftretende Düfte vom Balkon aufsteigen. Wenn der Balkon so gelegen ist, dass der Wind die Düfte ohne einen weiteren Balkon zu touchieren abtransportiert, ist alles im Lot. Dafür eignet sich die oberste Etage perfekt.
Outdoor-Grow: Unterm Strich
Ein Outdoor-Grow eignet sich perfekt für private, abgelegene Standorte. Grundstücke mit biologisch aktivem Boden ohne Nachbarn sind optimal. Alles andere auf eigene Gefahr und mit entsprechenden Pflanzen, welche den Geruch verschleiern. Outdoor-Grower sind der gnadenlosen Gewalt der Natur ausgeliefert und sollten für eine optimale Ernte Lösungen gegen zu hohe Luftfeuchtigkeit, Schad-Insekten, Pilz-Krankheiten und Schimmel entwickeln. Außerdem sollten Bewässerung und Pflanzenernährung natürlich nie außer acht gelassen werden, was an abenteuerlichen Standorten zu ungeahnten Herausforderungen führen kann. Für all diese Aufwände belohnt die Kraft der Sonne im Gegenzug mit einmaligen Terpen-Profilen und die jährliche Stromrechnung deutet auf keinerlei Anbau-Geschehen hin.
Bildquellen: Titelbild: vapesndabs.com Indoor: noexcusesradio auf Pixabay, Outdoor: Terre Di Cannabis auf Pixabay Licht: Wally Crawfish auf Pixabay
HIER geht es zu Teil 2 unseres Grow Guides: Die Auswahl des richtigen Pflanzenlichtes (falls indoor)
HIER geht es zum Hauptmenü unseres Grow Guides mit allen weiteren 8 Kapiteln.
Disclaimer: Dieser Grow-Guide richtet sich an all unsere Leser im legalisierten Ausland, wo der Anbau von Cannabis zu Hause bereits erlaubt ist. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Anbau von Cannabis in vielen Ländern nach wie vor illegal ist und rufen zum Beachten der lokalen Gesetze auf. Wenn Du mit der Politik und Gesetzgebung Deines Landes unzufrieden bist, demonstriere dagegen. In vielen Ländern sind Gesetze änderbar und nicht statisch.
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