Cannabistinktur äußerlich gegen Muskelverspannung

Mit meinen mittlerweile 40 Jahren habe auch ich die ersten kleinen Leiden und Zipperlein. Bei mir ist es nun eine verspannte Schulter, die allmählich unangenehm schmerzhaft wird.

Woher die kommt, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Läufer sagen, ich atme falsch. Andere wiederum meinen, jeder Mensch hätte leicht unterschiedlich lange Beine, woraus eine Fehlhaltung resultiert. Ich vermute, dass ich immer lässig meinen Rucksack einseitig über der Schulter trage, könnte zum Problem beitragen. Als ich mal als gesunder Mittzwanziger längere Zeit mit einer Kamera am dünnen Riemen über der Schulter spazieren ging, hatte ich nach einer Weile einen stechenden Schmerz in dem Bereich. Das ging aber schnell weg und ich dachte nicht mehr darüber nach.

Jahre Später dann kam aus heiterem Himmel ein Schmerz wie eine Eisenklammer. Ich konnte mich für ein paar Tage kaum bewegen. Die telefonische Ferndiagnose eines verwandten Orthopäden lautete Verspannung, durch Kälte und Stress verursacht. Tatsächlich war es Winter und im Bürojob lief es grade überhaupt nicht rund. Nach einer Woche war auch das aber vorbei und schnell vergessen.

Jetzt nach Weihnachten war es dann mal wieder so weit: Intensive Auseinandersetzung mit der Familie, ein Kleinkind, das gern getragen wird, dazu ein Sportstudio, das über die Feiertage geschlossen hat und der Schmerz war zurück. Bewegen konnte ich mich zwar noch, aber tagsüber nervte der Dauerschmerz. Abends in Ruhe dann fand ich kaum Schlaf und wachte viel zu früh wieder auf. Da musste ich langsam was tun.

Stress lässt die Muskulatur verkrampfen.

Gelegentlich strahlt der Schmerz in verschiedene Gebiete des aus dem Anatomiunterrichten so beliebten Plexus Brachialis. Bei mir hauptsächlich im tiefen Unterarm, radialseitig und manchmal an der Seite des Brustkorbes. Da würden mir also der Nervus Pectoralis und Radialis einfallen. Da der strahlende Schmerz auch um das Schulterblatt und den Hals hinauf wandert, quetschen wahrscheinlich einige verhärtete Muskeln das ganze Nervengeflecht zusammen. Diese Selbstdiagnose reicht mir erst mal. Denn erstens gehen Männer nicht zum Arzt und zweitens nicht wegen sowas, schließlich würde, drittens, der Arzt etwas aus dem Lehrbuch von K wie Kalkschulter bis S wie Scapularsyndrom auf den gelben Zettel schreiben, ein entkrampfendes Schmerzmittel verordnen, mit Glück eine Massage und je nach Zeitpunkt im Quartal vielleicht einen chirurgischen Eingriff.

Aufschneiden lasse ich mich nicht und Schmerzmittel habe ich selber. Ich nutze mein Befinden für ein cannabinoides Selbstexperiment. Und zwar trage ich alkoholische Cannabistinktur direkt auf die Betroffene Stelle auf.

In letzter Zeit konsumiere ich vielleicht wöchentlich oder seltener im Vaporizer, nur auf niedriger Temperatur. Die Reste bewahre ich auf, denn daraus lassen sich noch wirksame Esswaren herstellen. Besonders die Alkoholtinktur habe ich lieb gewonnen. Die macht eine schnelle, sehr klare und dabei lang andauernde Wirkung. Dazu bedecke ich decarboxylierten Hanf mit mindestens 40%igem Trinkalkohol, lagere das eine Woche in der Tiefkühltruhe und schüttele es möglichst mehrmals täglich.

Nun hörte ich, dass man Cannabistinktur auch schmerzende Gelenke und Muskel einreiben kann.

Angeblich ist das ein altes Hausmittel aus dem Alpenraum. Das las ich in alten Hanfbibeln, wie es sie in den 1990ern in alternativen Buchläden zu kaufen gab. Das war nicht wirklich belegt und auch nicht genau beschrieben. Bestätigen konnten mir den Gebrauch aber Freunde, die noch mit älteren Bauern in Bayern geredet haben, welche sowohl von der Knasterpfeife als auch von der stets griffbereiten Schnapsflasche mit eingelegten Hanfblüten berichteten. Diese war tatsächlich zur äußerlichen Behandlung schmerzender Körperteile gedacht. Der informative Artikel von Maximilian Plenert in der In.fused Nummer 4 bestätigte, dass es grundsätzlich funktioniert, Cannabis über die Haut aufzunehmen.

Ich fand heraus, dass es Schmerzen bekämpft und sogar ein wenig high macht. Nicht auszuschließen bei der Cannabistinktur ist allerdings auch Alkoholwirkung. Dabei wird zwar eine nur geringe Menge Alkohol verwendet, die kann aber stark wirken, weil die Wirkstoffe bei Aufnahme über die Haut direkt ins Nervensystem gelangen, ohne vorher von der Leber abgebaut zu werden.

Die Behandlung funktionierte gut, aber auch getrunken oder vaporisiert bewirkt der Hanf Linderung und Entspannung der schmerzenden Stellen. Bei äußerlicher Anwendung ist die Rauschwirkung aber sehr mild, nach kurzer Gewöhnung kaum mehr spürbar. Einreibung ist also unbedingt empfehlenswert für gezielte Schmerzbehandlung ohne Einschränkung durch Rausch. In Ruhe wirkt die Einreibung gegen akute Schmerzen sehr viel besser, als in Bewegung.

Hier das Protokoll meiner Selbstmedikation. Bei jeder Behandlung verwende ich ein Menge, die für mich getrunken für eine milde, aber mehrere Stunden spürbare Wirkung reichen würde.

  • Tag 1: Schmerz verschwindet nicht, wird aber nach Auftragen gedämpft und erträglich. Ich finde ohne Probleme eine angenehme Einschlafposition. Am nächsten Tag spüre ich im Muskel noch eine Art Tiefenwirkung. Bekifft war ich ohnehin, denn ich habe mir direkt noch ein Schlückchen genehmigt.
  • Tag  2: Derselbe positive Effekt auf die Symptome. Bemerke nach spätestens 30 Minuten, allein die Einreibung berauscht. Aber sehr mild und anregend, aphrodisierend. Der Rausch geht spürbar von der behandelten Schulter aus, so wie ich beim Rauchen den Kehlkopf als Quelle empfinde und beim Essen den Magen. Übliche Mattigkeit am nächsten Morgen bestätigt, dass ich mir das nicht bloß eingebildet habe.
  • Tag 3: Gegen 16:30 aufgetragen. Die leichte Bekifftheit flutet nach 20 Minuten an, der Schmerz bleibt, wird aber erträglich, wiederum entfällt das Suchen nach Ausgleichspositionen. Gegen 18 Uhr ein Vodka getrunken. Vorm Einschlafen, gegen 22.00 merke ich, der Schmerz ist tatsächlich weg, ganz tief in den Körper zu seiner Quelle gedrückt. Erholsamer, traumreicher Schlaf
  • Tag 4: Morgens Sport, Belastung verbessert den Schmerz, falsche Bewegungen verschlechtern ihn. Am Nachmittag Tinktur aufgetragen, in Bewegung praktisch keine Schmerzlinderung. Abends noch Kraut vaporisiert, angenehm geschlafen.
  • Tag 5: Cannabistinktur am Abend aufgetragen. Erwünschter Effekt, kaum Rausch, nahezu vollständige Schmerzlinderung.
  • Tag 6: Behandlung vor dem Zubettgehen. Fast sofort setzten starke Kopfschmerzen ein. Die sind wahrscheinlich auf eine nahende Erkältung zurückzuführen, ich assoziiere sie aber mit der Tinktur. Schlafe ohne Beschwerden in der Schulter, am nächsten Morgen bleiben erträgliche Kopfschmerzen, habe das Gefühl, dass die Schulter allmählich besser wird.
  • Tag 7: Keine äußere Behandlung, dafür Abends vor einem Termin einen halben Mundvoll Tinktur, teils sublingual, teils geschluckt. Beschwerdefreier Schlaf.
  • Tag 8: Abends Anwendung. Gewünschter Effekt.
  • Tag 9: Keine Behandlung. Problem bleibt, ist aber in jeder Hinsicht erträglicher

PS: Das wunderschöne Titelbild hat uns Green Gardens zur Verfügung gestellt.

Alice Wunder

Ich bin gebürtiger Rheinländer, Journalist und Lebenskünstler. Als Alice Wunder (männlich, verheiratet) schreibe ich eigentlich nur für meinen Blog meinedrogenpolitik.wordpress.com Dort versuche ich, seit Anfang 2015 Geisteszustände zu erforschen. Und natürlich soll das verehrte Publikum gut unterhalten werden. Eigentlich wollte ich mal einen Artikel über Cannabis-Rausch schreiben und habe Daniel kontaktiert. Daraus wurde aber nichts, denn er hat mich gleich angeheuert, ab und zu bei Cannabis-Rausch mitzumachen. Denn ich verfüge über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung mit Cannabiskonsum. In meiner Jugend, in den 1990er Jahren bei Köln hat mir das Kraut mein Abitur gerettet. Denn oft war eine Kaffeefahrt ins nahe Maastricht während einer Freistunde die einzige Motivation, überhaupt in der Schule zu erscheinen. Dann aber war ich sehr angepasst, friedlich und entspannt im Unterricht körperlich anwesend und wurde für dieses Engagement mit guten Noten belohnt. Die Kehrseite der Medaille sind wenig lebenspraktische Fähigkeiten, dafür viel Liebe zur Literatur, welche ich gern in eigenen Texten auslebe.

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