CBD und Terpene – Ein Erfahrungsbericht

Mit CBD-Gras habe ich mich noch nicht so richtig anfreunden können. Ich meine, was soll das? Das ist ja dann der wohlbekannte Knaster, Faserhanfblüten für Leute, die sich zu schade für Tabak sind, aber Purtüten nicht bezahlen können. Das geht mit dem CBD-Zeugs auch wieder nicht, denn die kosten auf einmal so viel wie richtiges Gras. Nun ja, wenn das Produkt gut ist, sind die Kosten dann schon irgendwie gerechtfertigt. Der Aufwand für wohlig duftende Hanfblüten bleibt ähnlich hoch, egal ob sie nun breit machen oder eben nicht. Was aber an den modernen CBD-Produkten das allerwichtigste ist: Was nix kostet, das kann auch nix. Ein Beutel Knaster für Trinkgeld wird immer komisches Hippieglück bleiben, aus dem nach Patchouli stinkenden Kramladen-Headshop mit dem dauerbreiten Verkäufer. So kommen wir nicht weiter in dieser Gesellschaft. Hochwertige Hanfblüten müssen nämlich in der Mitte des Konsumlebens ankommen. Der Hanf muss eben Pflege-Wellness-Gedöns in Kartönchen mit Goldinlays im Aktionskorb mitten im Eingang vom Drogeriemarkt werden.

Da wollen wir zwar nicht direkt hin, aber da müssen wir durch auf dem Weg nach da, wo wir eigentlich hin wollen.

Das Ziel ist das, wovor Mama Mortler immer so eindringlich warnt, der Hanf als Lifestyle-Produkt, der bedenken- und gedankenlos gekauft und verkonsumiert wird. Kifferromantik mit Räucherstäbchen und höherem Bewusstsein ist nämlich leider nicht Massentauglich. Und in Deutschland werden die netten Lösungen wie Social Club oder Coffee-Shops wohl eher nicht funktionieren. Hanf ohne sozialmarktwirtschaftliche Absicherung wäre wie Parken im Parkverbot ohne abgesegnetes Sondererlaubnisschild. Irgendwann kommt ein gelangweilter Rentnerarsch und klagt sich dagegen bis vor das BVG, einfach nur weil er’s kann. Wir müssen also die Apotheken und Drogeriemärkte mitverdienen lassen.

Und CBD kann uns den Weg dahin ebnen. Erst wenn im letzten Spießerhaushalt Hanfprodukte eine Selbstverständlichkeit geworden sind, werden eben diese Leute merken, dass man unser nettes, heimisches Unkraut nicht zu verbieten braucht.

Bis das soweit ist, müssen wir ab und an CBD in die Pfeife stopfen und hier positiv besprechen. Was aber macht der Hanftester, wenn mal so ein richtiges Arschkarten-Hasch auf dem Schreibtisch gelandet ist, ein aschgraues Pollenpulver ohne Seele, das nach gar nichts schmeckt und eher traurig macht? Ich verpetze nicht gern Hersteller schlechter Produkte. Öffentlich geredet werden sollte ausschließlich über gutes.

Aber bei dieser Gelegenheit können wir ein anderes Produkt aus der modernen Kräuterhexenküche gleich mit testen, nämlich Terpene. Zufällig fliegen noch ein paar Fläschchen Cali Terpenes in der Redaktion herum. Also mal schnell ein Tröpfchen Sour Diesel ins Pollendöschen und abwarten, ob das die Situation verbessert. In der Zwischenzeit können wir uns ein paar Gedanken über Terpene machen.

Das sind die Duftstoffe der Pflanzen und Terpene ist tatsächlich der Präzisere Begriff für das, was uns die Werbeindustrie früher als ätherische Öle unter die Nase gerieben hat. Ätherische Öle nun bestehen ganz überwiegend aus Terpenen, welche für das Aroma und zu einem nicht unwesentlichen Teil auch für die bezaubernde Heilwirkung verantwortlich sind. Terpene selbst sind wiederum ein verallgemeinernder Oberbegriff für einen riesigen Strauß voll höchst unterschiedlicher Einzelsubstanzen.

Die Kombination der Terpene ist unter anderem dafür verantwortlich, dass fast jede Cannabis-Pflanze anders riecht und auch anders wirkt. Das ist ja auch der Grund, warum einfache Nachkommen den Kunden, die sich nicht mehr an ihren Biounterricht erinnern, als neue Sorte verkauft werden können. Terpene kommen übrigens in fast allen Pflanzen vor. Aus diesem Grund kann Cali-Terpenes auch Mischungen aus pflanzlichen Terpenen herstellen, die denen von bestimmten Cannabissorten ähneln, aber aus anderen Pflanzen gewonnen wurden und somit absolut legal sind.

Wer braucht Terpene?

Alle, die ein pflanzenähnliches Produkt herstellen wollen. Eigentlich sind sie dazu gedacht, um die Flüssigkeit in Vape Pens wie echtes, frisches Gras riechen und schmecken zu lassen. Terpene sind für die Cannabis-Industrie das, was die aromatisierten Sägespäne im Erdbeerjogurt sind. Was der Lebensmittelindustrie billig, kommt dem Pharmahersteller grade recht. Egal ob die Cannabinoide aus Faserhanf gemolken oder vollkommen ohne Pflanzen im Reaktor selbstgebastelt wurden, am Ende schmeckt’s dem Kiffer und heilt den Patienten. Die heutige Chemie kann alles herstellen die Frage ist nur, ob und für wen es sich lohnt. Wenn die alten Alchemisten noch daran scheiterten, Blei in Gold zu verwandeln, können wir heutzutage den allerletzten Scheiß in virtuelles Geld verwandeln.

Das klingt jetzt wieder wie ein Verriss, aber zu meinem Erstaunen wirken die Terpene wirklich. Anders, als gedacht, aber stärker als erwartet.

Das behandelte Pulver riecht jetzt tatsächlich wie ein pflanzliches Produkt. Nicht wie eine Pflanze die ich kenne, aber immerhin frisch. Das mag daran liegen, dass ich aus der Hand nicht richtig dosieren kann. Bei Terpenen gilt, weniger ist mehr. Die Hersteller empfehlen höchstens einen Tropfen auf 1 Gramm Konzentrat, also den Wirkstoff von 5 bis 10 Gramm Gras. Soviel hab ich nur noch selten da und wenn, ist es lecker genug, dass es nicht mit Terpenen angereichert werden muss.

Der Geschmack der terpenisierten Pollen ist demzufolge auch noch nicht überwältigend, aber schon wesentlich besser. Das beste aber: Das Aroma trägt zu Wirkung bei. Die komische Nüchternheit des unbehandelten CBD wird von deutlich besserer Laune begleitet. Die Mundwinkel gehen nach oben, wie wir das von Hanfprodukten erwarten.

Zur Herstellung wird zunächst die jeweilige Cannabis-Sorte präzise analysiert. Dann werden genau die ermittelten Terpene gemischt, diese stammen aus Bio-zertifizierten Pflanzen, aber ausdrücklich nicht aus Cannabis. Deshalb sind Cali-Terpenes damit völlig legal und 100% authentisch. Die Cali-Terpenes gibt es zum Beispiel bei dabben.de

Wir Kiffer haben es schon immer gewusst, der Duft von einem brennende Tannenwald, der uns beim ersten Zug den Verstand raubt, ist wesentlich an der Wirkung beteiligt. Das nennt man heutzutage den Entourage-Effekt. Der ist kein Placebo, aber sehr schwer zu ermitteln. Es geht um eine Masse von Stoffen in geringsten Konzentrationen, die in ihrer Kombination ein paar wenige Hauptwirkstoffe beeinflussen. Dass das passiert, ist wohl erwiesen, wie das passieren soll, ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Nicht unmöglich, aber in der Forschung Stoff für ganz viele Doktorarbeiten. Und Grund genug, für Pharmazeuten, die Hände über dem Kopfzusammenzuschlagen. Denn es gibt bei Terpenkombinationen eben keine linearen Wirkmechanismen eines isolierten Stoffes, welche ein PTA auswendig lernen und mit wichtiger Miene dem Kunden weitererzählen kann.

Als reiner Freizeitkiffer stelle ich fest: Mit Terpenen beträufelter CBD-Pollen ist richtig nett. Wenn man denn gern kifft, ohne breit zu werden.

Wirklich mögen tu ich das freilich nicht. Weder CBD-Hanf noch das Trennen und neu Mixen von Pflanzeninhaltsstoffen. Aber das ist nun mal die Realität, als moderne Gesellschaft decken wir unseren Bedarf nicht vom Bauernhof sondern mittels Landwirtschaftlicher Produkte aus professioneller Agrarindustrie. Der Bauernhof ist nur Werbekulisse, Pflanzen und Tiere werden nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten in gleichbleibende Qualität und ausreichender Masse produziert. Die Zusammenstellungen aus dem Labor funktionieren dabei und wirken genauso, wie sie sollen. Klar, mein Herz hängt an meiner Balkonpflanze. Aber genauso viel Spaß macht es, Wirkstoffe zu extrahieren, auch ich konsumiere inzwischen am liebsten gereinigtes Harz. Und wenn es das hier eines Tages in der Drogerie gibt werde ich es kaufen, auch wenn das dann ein halbsynthetisches Produkt aus Faserhanf, angereichert mit Terpenen aus Brennesseln oder sonstwelchen Unkräutern sein wird. Wird langsam Zeit, dass die Zukunft endlich anfängt.

Alice Wunder

Ich bin gebürtiger Rheinländer, Journalist und Lebenskünstler. Als Alice Wunder (männlich, verheiratet) schreibe ich eigentlich nur für meinen Blog meinedrogenpolitik.wordpress.com Dort versuche ich, seit Anfang 2015 Geisteszustände zu erforschen. Und natürlich soll das verehrte Publikum gut unterhalten werden. Eigentlich wollte ich mal einen Artikel über Cannabis-Rausch schreiben und habe Daniel kontaktiert. Daraus wurde aber nichts, denn er hat mich gleich angeheuert, ab und zu bei Cannabis-Rausch mitzumachen. Denn ich verfüge über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung mit Cannabiskonsum. In meiner Jugend, in den 1990er Jahren bei Köln hat mir das Kraut mein Abitur gerettet. Denn oft war eine Kaffeefahrt ins nahe Maastricht während einer Freistunde die einzige Motivation, überhaupt in der Schule zu erscheinen. Dann aber war ich sehr angepasst, friedlich und entspannt im Unterricht körperlich anwesend und wurde für dieses Engagement mit guten Noten belohnt. Die Kehrseite der Medaille sind wenig lebenspraktische Fähigkeiten, dafür viel Liebe zur Literatur, welche ich gern in eigenen Texten auslebe.

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