Meinung: „Das ist nicht mehr meine Cannabiskultur“

Schaut euch dieses Video an. Am besten die gesamten 26:39 Minuten.
Dieser Text wird für euch ein ganzes Stück mehr Sinn ergeben, wenn ihr das Video gesehen habt. Baut euch kurz einen, zündet einen Kopf an und dann nehmt euch die knappe halbe Stunde eurer Lebenszeit für dieses Video.

Nun, da ihr es alle gesehen habt, denkt ihr vermutlich: Was soll daran besonders sein?Ja, die sind in Amsterdam, soll ich jetzt neidisch werden?Die kiffen, was für eine  gigantische Überraschung, will man mich jetzt zum Nichtkiffer bekehren?

…jeder braucht eine Purkeule von 3g in der Hand, wir müssen uns totrauchen!“ ist keine Kultur, das ist Ballermannkiffen.

Also gut, so dumm sind meine Leser sicher nicht, Kiffen macht schließlich mittlerweile wissenschaftlich anerkannt nicht blöd. Also, vermutlich hat die Mehrzahl von euch schon kapiert worum es hier gehen soll: Die Herren im Video übertreiben es doch etwas. Leider müssen hier ein paar sicherlich freundliche Kanadier für die Einführung in  einen generellen Trend herhalten, der  mir persönlich Sorgen macht. Bei den Kanadiern ist es eher das Konsumverhalten, als die Menge, was mich stört. „Schmeißt alles zusammen und jeder braucht eine Purkeule von 3g in der Hand, wir müssen uns totrauchen!“ ist keine Kultur, das ist Ballermannkiffen.

Natürlich hätte ich ebenfalls die zahlreichen „Dabbing-Weltrekord“ Videos, in denen teilweise 30g oder mehr kostbarer Extrakte vernichtet werden, nennen können.

Die Message bleibt jedoch die selbe: Es geht um die teilweise etwas aus den Fugen geratenen Cannabispraktiken des Kontinents, den zur Zeit Trump und Trudeau regieren (und Trudeau endlich den wichtigen Schritt der Legalisierung gegangen ist).

Um mal einen populistischen Spruch zu bemühen: Das ist nicht mehr meine Cannabiskultur. Es gibt unzählige weitere Beispiele: Man denke mal auch an die „Stars of Death“ Edibles der Firma „Anarchy Edibles“. Kleine Fruchtgummisternchen mit bis zu 200mg THC (Das Ãquivalent zu 1g sehr gutem Weed gegessen) und größere Riegel anderer Firmen mit bis zu 1g reinem THC. Es muss also Abnehmer für Edibles geben, die so viel THC enthalten wie z.B 5g gutes Amnesia Haze.

$70 edible


Jeder, der sich etwas mit dem Thema Cannabis oral auskennt weiß, wie abartig viel das ist. Wax, Shatter und harte Edibles sind für viele (besonders US)Kiffer zur Normalität geworden. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu kann ich euch nicht bieten, die Legalisierung in den USA ist einfach noch nicht lange genug her. Diskutiert wird es schon häufiger, z.B. im Grasscity-Forum und bei reddit. Das alles sind natürlich Einzelmeinungen, aber ein klarer Tenor ist für mich schon zu erkennen: Dabbing schraubt die Toleranz schon erheblich nach oben. Das alles erklärt vielleicht auch die Toleranz der Kanadier , kiffen war dort schon vor der bald stattfindenden Legalisierung lange kein Problem mehr und die US-Kultur färbte sichtbar ab. Die Gruppe im Video ballert sich einfach nur noch sinnlos mit lächerlichen Mengen so zu wie es eben geht.

Wo bleibt da der Genuss? Sieht so die uns bevorstehende Cannabis Kultur aus?

Ob es jetzt aufgrund der hohen Toleranz oder aufgrund einer generell anderen Cannabiskultur ist: So wollen wir uns doch nicht präsentieren! Klar kiffe ich auch mehr, wenn ich in Amsterdam bin, nur eben nicht so. Cannabis ungleich Trichtersaufen! Das Bild vom Kiffer, der sich einfach nur wegschießt wie ein Junkie, ist meiner Meinung nach in den USA viel zu dominant. Wenn jemand sich dafür feiert, 30g zu dabben, das entspricht über 100g saftiger Blüten, dann hat das für mich eher eher etwas von Bierkönig und Megapark (Discos auf der Lieblingsinsel der Deutschen) als von gemütlichem Cannabiskonsum.

Ich will hier nicht den (grünen) Teufel an die Wand malen. Dabbing ist nicht an sich schlecht, Edibles sind etwas Tolles  und deren milligrammgenaue Dosierung ein Segen für alle. Es kommt eben wie bei jeder Droge auf die Dosis an und mit Cannabis gibt es eben keine „echte Überdosis“.Nur ist die Legalisierung meiner Meinung nach sowieso unausweichlich und wir sollten uns gemeinsam überlegen, welche Cannabiskultur wir wollen. Diese im Video gezeigte ist es zumindest für mich nicht.

Gastautor

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    2 Gedanken zu „Meinung: „Das ist nicht mehr meine Cannabiskultur“

    • Juni 22, 2018 um 7:44 am
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      Ich hasse solche Vergleiche eigentlich… aber:

      Flasche Jack Ex: https://www.youtube.com/watch?v=1LBXA3PUvhQ
      Flasche Wodka Ex: https://www.youtube.com/watch?v=nB5jBHLngcs
      1 Maß Bier Ex: https://www.youtube.com/watch?v=SsI6lkinSvg
      2L Bier in 5 Sekunden: https://www.youtube.com/watch?v=arT2Na_3x-E
      6 Bier in 10 Sekunden: https://www.youtube.com/watch?v=yUJi3FGM0MU

      Es wird immer Deppen auf dieser Welt geben die es auf die Spitze treiben.
      Und man solte anhand dessen keine Regeln aufstellen für den vernünftigen Rest.

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    • Juni 22, 2018 um 11:24 pm
      Permalink

      Das sehe ich genauso.
      Ich bin nur das, was man Gelegenheitskiffer nennt, aber eben darin sehe ich mein Genießen. Es gibt Phasen, da kiffe ich sehr lange nicht, um dann für eine gewisse Zeit immer mal wieder mit anderen zusammen einen Joint zu rauchen.
      Für mich hat der Konsum etwas gemütliches, etwas besinnliches und auch irgendwie etwas nobles.
      Mein Ziel ist es nicht, so „druff“ wie möglich zu sein, sondern mich zu entspannen, eine angenehme Zeit zu haben und mich einfach mal für eine kurze Zeit von der Welt zu trennen; in einem mehr oder weniger kontrollierten Flug durch die Zeit.
      Danke für diesen Artikel. Ich hoffe, dass die breite Masse eine ähnlich (gesunde) Einstellung dazu hat.

      Antwort

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