Das Jugendschutz Paradoxon im Zusammenhang mit Cannabis

Die letzte Hürde für eine Cannabis Legalisierung sind heute nur noch der Jugendschutz und unsere gesellschaftliche Beschränktheit. Heute möchte ich zum ersten Mal auf das Thema Jugendschutz und dessen Begleiterscheinungen eingehen und meine persönliche Meinung dazu niederschreiben.

Immer wieder wird das Argument genutzt, dass Cannabis für junge Menschen unter 21 Jahren schädlich sein kann. In Studien wurde auch nachgewiesen, dass ein regelmäßiger Cannabis-Konsum von Menschen unter 21 Jahren dem Gehirn schaden kann, aber nicht muss. Dies ist eine Erkenntnis, die sich auf die Allgemeinheit bezieht, im Einzelfall sieht das selbstredend immer etwas anders aus. Pauschal kann man beim Thema Cannabis nämlich nichts behaupten. Unsere aktuelle (noch) Drogenbeauftragte Marlene Mortler, die dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, nimmt gerne die Beispiele der eventuellen Gehirnschäden, aber vertritt auch die Meinung, dass Cannabis hochgradig abhängig macht. Eine körperliche Abhängigkeit ist ausgeschlossen, aber eine psychische ist durchaus möglich – bei labilen Menschen.

Nun haben wir die Argumente gegen Cannabis:

Abhängigkeit und Gehirnschäden bei Jugendlichen. In Deutschland sollte auch erwähnt werden, dass Cannabis kulturbedingt mit Tabak konsumiert wird. Dies ist aber noch ein extra Themenbereich, den ich schon des Öfteren in anderen Artikeln behandelt habe.

Jetzt möchte ich mal ein naheliegendes Praxisbeispiel schildern: Vor ein paar Tagen, war ich mit Lorenz für Videoaufnahmen in Berlin unterwegs, unter anderem im Görlitzer Park. Im Görlitzer Park prallen die Welten unserer Gesellschaft aufeinander und zeigen sehr deutlich auf, warum das Jugendschutz-Argument nicht greift. Im Görlitzer Park sind am Mittag Kindergarten-Kinder unterwegs, illegale Einwanderer sowie Touristen und Einwohner. Viele der dort anzutreffenden Gestalten sind Drogendealer, die hauptsächlich Cannabis verkaufen. Die Drogendealer stehen dabei keine 50 Meter von dem Spielplatz entfernt. Hier haben die kleinen Kinder schon den ersten Kontakt mit Drogendealern und nehmen dies in ihrem Unterbewusstsein auf und sehen dies als selbstverständlich an. Für Lorenz als Görli-Neuling war dieser Anblick erschreckend, denn natürlich existiert dieser Zustand nicht in allen Städten Deutschlands in dieser obskuren Konstellation.

Unsere jungen Mitbürger begreifen sehr viel mehr, als man denkt.

*Alkohol ist eher uncool, der Joint dagegen ziemlich angesagt. Das ist zumindest die Sichtweise vieler Berliner Jugendlicher, wie aus einer neuen Studie hervorgeht. Im Rahmen einer Präventionsveranstaltung wurden dafür 1436 Schüler der siebten bis zwölften Klasse von acht Schulen aus den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Steglitz-Zehlendorf befragt. Der Fokus richtete sich dabei vor allem auf Alkohol, Tabak und Cannabis. Dabei zeigt sich, dass in Berlin der Anteil der Cannabis-Konsumenten deutlich höher liegt als anderswo. Während in Berlin nach der neuen Studie 18,4 Prozent der Befragten schon mal Cannabis konsumiert haben, sind es nach der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2015 bundesweit nur knapp zehn Prozent. Am meisten verbreitet ist dennoch Alkohol.

*Quelle: https://www.morgenpost.de/

Lorenz und ich saßen auf einer Bank und haben das Geschehen im Görlitzer Park beobachtet. Zwischendurch wollte uns der mutmaßliche ansässige Drogenboss abstechen und ein kleines Gespräch mit Jugendlichen auf der Nebenbank ergab, dass sie Cannabis und Alkohol eher verabscheuen, eben wegen dieser asozialen Menschen, die dort ihr Unwesen treiben. Und ja, das Klischee stimmt dahingehend, dass Straßen-Dealer auch an Jugendliche verkaufen. Man hört es immer wieder, aber die Gewichtung dieses Problems hat nach den ganzen Jahren schon an Bedeutung und Kraft verloren. Es wird nun als kaum lösbares Problem wahrgenommen

Auch die Polizei ist vor Ort. Nicht immer, aber immer mal wieder. Nur was sollen die paar Polizisten gegen die dutzenden Drogendealer machen? Richtig, sie können mal einen kontrollieren, aber das war es dann auch schon. Ihre Präsenz ändert dennoch nichts daran, dass die Drogendealer neben den Kindern dealen. Die Wirklichkeit ist wahnwitzig: Während wir am ersten Drehtag keinen einzigen Dealer gesehen haben, dafür aber zwei Kleintransporter der Polizei mitten auf dem Rasen des Parks rangiert sind, war der Park am zweiten Park total übervölkert von Dealern. Während am ersten Tag drei junge Mädchen und ein Dealer aus einem der Polizeiautos entlassen wurden, erhielten wir am zweiten Tag mitten am Tag und in der Nähe der erwähnten Kleinkinder Gewaltandrohungen. Da war dann natürlich keine Polizei in der Nähe.

Die Situation der Dealer-Szene sieht in anderen Städten auch nicht anders aus. Überall das Gleiche, nur eben andere Spielplätze.

Mal angenommen, man würde Cannabis und andere Drogen legalisieren (Cannabis ist ja nicht die einzige Droge) und kontrolliert verkaufen, sei es in Apotheken oder sonst wo, könnte man den Straßen-Dealern und den Hintermännern einfach die Daseinsberechtigung entziehen. Damit wären die Berührungspunkte für Jugendliche und Kinder mit Drogen nicht mehr gegeben. Aber unsere Regierung behauptet immer noch, dass der jetzige Zustand besser für Kinder und Jugendliche sei.

Meiner persönlichen Meinung nach, sollte im Zuge einer Legalisierung der Konsum von Drogen auch nicht mehr in der Öffentlichkeit gestattet sein. Nur weil zum Beispiel die Drogendealer nicht mehr im Park stehen, würde dies ja nicht bedeuten, dass die Menschen nicht mehr im Park saufen oder kiffen würden. Man sollte hierfür einfach geeignete Clubs, Parks oder Bars einrichten. Drogen sind nicht für die Öffentlichkeit, sondern einzig für den jeweiligen Rausch der einzelnen Menschen gedacht.

Ich  fand besoffene Menschen in der Öffentlichkeit schon immer sehr „befremdlich“. Kiffer eher nicht, aber hier darf Cannabis keine Ausnahme bekommen. Ich selbst mag es auch im Park zu kiffen, würde aber für das Wohl der Gemeinschaft gerne darauf verzichten.
Eine Legalisierung würde, ohne Frage, so einige Probleme mit dem Jugendschutz klären. Ich kenne auch keine Dealer, die einem Jugendlichen Vodka verkaufen, da er ja legal ist und im Supermarkt gekauft werden kann. Auch wenn zu viele Menschen unter 18 Jahren saufen, ist dies meiner Meinung nach aber mehr auf andere Faktoren zurückzuführen und soll in diesem Artikel nicht thematisiert werden. Für die eigentliche Lösung dieser vielen Probleme, die durch legale Drogen vorhanden sind, gibt es ja sowieso die Drogenbeauftragte.

Im Zusammenhang mit meinen Überlegungen sollte an der Stelle unbedingt noch erwähnt werden, was die Dealer letzten Endes eigentlich verkaufen. Die Qualität der Drogen ist unheimlich schlecht, gestrecktes Haze ist an der Tagesordnung. Dummes Beispiel, aber wenn ich mir als Drogenbeauftragte realistisch die Frage stellen würde, ob es mir lieber ist, dass Jugendliche gestreckte Drogen kaufen, oder doch lieber Drogen, die „sauber“ sind im Zuge einer Legalisierung, würde ich mich lieber für eine Legalisierung einsetzen, sodass im Notfall doch besser sauberes Cannabis konsumiert wird, von dem keiner sterben kann.

Kommen wir zu der Abhängigkeit und den Gehirnschäden von Jugendlichen, die Cannabis konsumieren könnten.

Machen wir uns nichts vor, wenn Cannabis legal ist, werden auch Jugendliche immer noch an Cannabis kommen. Dass die Zahlen der Jugendlichen runter gehen werden, denke ich eher nicht, am Anfang werden sie vermutlich sogar eher steigen. Für junge Menschen ist kiffen auch einfach cool, ist nun mal so, aus meiner Sicht. Dennoch wird ab diesem Moment der Legalisierung endlich kein gestrecktes Gras mehr konsumiert, weil der Markt sich in allen Belangen in Richtung Vernunft entwickelt. Und das ist in meinen Augen ein mega Fortschritt. Die Jugendlichen kommen nicht mehr mit dem kriminellen Milieu in Berührung, denn es wird verschwinden. Das wäre ein ungemeiner Fortschritt für unsere Gesellschaft. Und hey, wenn ein 17 Jähriger eine Tüte raucht, muss man ihn danach sicherlich nicht mit einer Mistforke füttern. Das wird am Ende nicht passieren. Die Luft in Stuttgart ist gefährlicher als eine Tüte Gras.

Mir ist durchaus bewusst, dass meine Meinung nur ein paar tausend Menschen teilen. Ich weiß auch nicht, ob ich richtig (wer definiert das eigentlich?) mit meiner Einschätzung liege. Dennoch erlaube ich mir behaupten zu können, dass etwas getan werden muss! Es geht so nicht weiter. Es kann nicht sein, dass wegen Cannabis Menschen ins Gefängnis gehen, was immer noch passiert und weiter passieren wird. Auch wegen Eigenbedarf.

Der jetzige Zustand, verschlimmert vieles und unsere Gesellschaft driftet unweigerlich auseinander. Das kann man natürlich so akzeptieren, oder sich dafür einsetzen und darüber sprechen. Man muss auch offen und ehrlich in den Schulen und Kindergärten über Cannabis sprechen, wenn Bedarf besteht. Und diese Aufgaben sollte nicht die Polizei übernehmen, oder unsere Regierung. Das ist eine Aufgabe für unsere Gesellschaft, da Drogen zu einer funktionierenden Gesellschaft einfach dazugehören.

Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Jahren weiter geht und ob die Inkompetenz unserer Regierung weiter zunimmt, oder sich zum Besseren wendet.

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.