Das perfekte Setting: Ein Besuch bei Ikea

Kennt ihr das, ihr kifft und kifft bei euch zu Hause in der Bude, Tag für Tag, und schwelgt angeregt in den Erinnerungen guter, alter Zeiten, in denen jeder Joint euch einen Lachflash und das High eures Lebens garantierte? Kennt ihr das Gefühl, wenn euch diese Erinnerungen nicht mehr in der Gegenwart heimsuchen? Wenn ihr einfach nicht mehr so richtig high werdet?

Ich kenne das Gefühl – aus Erzählungen eines Freundes natürlich. Da ist dieser Freund, der jeden Tag sein Grämmchen wegbufft und dabei gar nicht mehr high wird. Was habe ich also mit diesem Freund gemacht?

Ich bin mit ihm in ein blaues Möbelhaus gefahren, dessen Name aus vier gelben Buchstaben besteht. Scheiß drauf, wir waren bei: Ikea. IKEA! (Und nein, der Artikel ist leider nicht von den Schweden bezahlt :D).

Ikea: Das unmögliche Möbelhaus. (Werbeslogan 1974)

Kannst du niemandem erzählen, aber nichts ist entspannter als ein angeHIGHterter Besuch im Möbelhaus. Naja, ein Smoke-in im Ikea wäre noch schöner, aber für solche Mätzchen müssen wir uns wahrscheinlich noch ein paar Jahre gedulden. Jedenfalls sind wir zu Dritt zum Ikea gefahren und haben erstmal einen gebufft. N.Y.C Sour Diesel, also sogar was richtig Feines. Und nur für den Fall, dass ich das Möbelhaus in den nächsten Zeilen noch einmal beim Namen nenne, wär es doch nur fair, auch zu den restlichen Faktoren des Tages die Markennamen zu nennen. Also: Filter waren von Purize und das Pape von OCB (Und nein, OCB finanziert uns genauso wenig wie den Front National). Die Mischung mit N.Y.C. Sour Diesel war lecker.

Nach dem buffen ging es dann endlich in Richtung Haupteingang. Dort lachte uns schon ein Einkaufwagen an und wir freuten uns über den willkommenen Fund, nach dem wir sonst wohl nie gesucht hätten. Die Freude hielt solange an, bis wir durch den Eingang in die warm klimatisierte Eingangshalle mit Smalland, Fahrstuhl und besonders hippen Ausstellungsstücken eintraten. Denn schnell fiel mir auf, dass wir weit und breit die Einzigen mit einem Einkaufswagen waren. High wie ich war, schossen mir hunderte Gedanken durch den Kopf. Gibt es bei IKEA überhaupt Einkaufswägen, oder geht hier nichts über die weltbekannten Plaste-Trage-Taschen, aus denen findige Designer sogar Schuhe und BHs genäht haben?

Nach kurzer Konsultation der hilfsbereit zur Stelle stehenden Info-Dame waren wir dann aber schlauer und wurden mit dem Hinweis, dass wir doch bitte den Fahrstuhl nehmen sollten, in die endlosen Weiten des Möbelhauses entlassen. Yeah! Gleich mal die Betten antesten gehen. Keine Ahnung, ob die Betten in jedem Ikea gleich am Anfang stehen, aber zumindest in Dresden scheinen die Planer der Überzeugung gewesen zu sein, dass manche Familien schon am Eingang eine nette, stressentlastende Abwechslung gebrauchen könnten.

Vielleicht haben die Planer aber auch einfach nur gebufft. (Ziemlich sicher)

Weiter geht es dann mehr oder minder spannend durch Küchen, Wohnzimmer und Bäder. Während unsere Dreiergruppe eher semi-ernst nach neuen Einrichtungsgegenständen sucht, sind wir umgeben von Endzwanzigern mit dem ersten ernstzunehmenden Wohnungs-Einrichtungs-Budget und jungen Familien, die sich mittlerweile wahrscheinlich sehnlichst nach so etwas wie einem Wohnungs-Einrichtungs-Budget sehnen. So geht es aber auch uns: Tatsächlich wollen auch wir uns zu Dritt eine Wohnung einrichten, sehen die abgehobenen Preise von Ikea aber nicht als Endgegner, sondern vielmehr als Chance für die örtliche eBay-Kleinanzeigen-Community. Auf Grund des doch recht hohen Stresslevels der um uns herumschwirrenden Menschen schätze ich, dass nicht jeder so losgelöst durch den Ikea schlendert, wie wir. Umso besser.

Denn offensichtlich kehren gestresste Menschen nicht in das auf halber Strecke liegende Ikea-Restaurant ein. Ein grober Fehler, wie sich bei Betreten des „Food Courts“ herausstellt. Denn wo sonst gibt es ein ‚Iss-so-viel-Kaiserschmarrn-mit-Kirsch-und-Vanillesoße-wie-du-auf-einen-Teller-bekommst-für-2,90€‘? Ich betone noch einmal: 2,90€! So viel, wie du auf einen Teller bekommst. Getoppt wird dieses Munchies-betäubende Angebot dann nur noch von den Bio-Nudeln mit Bio-Tomatensoße für 1€. Wieder so viel, wie du auf den Teller bekommst. Was schließen wir daraus? Wenn am Monatsende mal wieder nur Geld für Weed übrig ist, ab zu Ikea und für 1€ mit Bio-Nudeln sattessen. Wer jetzt noch nicht überzeugt ist: Es handelt sich um Motivnudeln.

Und dann gibt es noch das Getränk für 1€. (Absturz)

So oft nachfüllbar, bis der erste der ‚Reisegruppe Ikea‘ zum Aufbruch bläst, bis alle Getränkeautomaten alle sind oder bis du die Ikea-Limos nicht mehr riechen kannst.
Ganz im Stil des leichten Lebens haben wir natürlich bei dem Angebot wieder zugegriffen. Und ein einziges Mal pro Nase nachgefüllt. Ob mit oder ohne Getränk – das IKEA-Restaurant ist das absolut zu favorisierende Ausflugsziel eines jeden Ikea-Urlaubers.

Was danach kam, war die von jedem vorherigen Ikea-Besuch schon bekannte Suchaktion nach dem Ausgang an einer ganz bestimmten Stelle des Marktes. Wobei, eigentlich ist das eher ein Fall von verklärter Realität. Man denkt: „Nach gefühlten 5km durch eine Möbellandschaft laufend, könnte doch jetzt auch einfach mal eine Abkürzung zum Ausgang eingebaut sein. Wie bei K-Markt und Konsorten auch“. Also übersieht man den ganz klein geschriebenen „Ausgang“ unter der Richtungsangabe für die Kassen und das SB-Möbelhaus auf selbstbetrügerische Weise. Die Ernüchterung tritt erst ein, wenn die fehlende Abkürzung mit Sicherheit mit Abwesenheit glänzt.

Nach der SB-Möbelhalle konnte der hauseigene Hot-Dog-Stand jedoch alles wieder wettmachen und uns, nochmal frisch gestärkt, auf den Nach-Hause-Weg schicken. Der Hot-Dog hat uns nämlich im Ikea-Restaurant eindeutig gefehlt – aber immerhin konnte er uns am Ende noch mit einem Happy End beglücken.

Gekauft haben wir nichts (Ebay-Kleinanzeigen regelt) und sind trotzdem mit einem positiven Gefühl aus dem Möbelhaus gegangen. Immerhin wissen wir jetzt, wo wir in Zukunft gegen Monatsende essen gehen werden.

In seiner Grasgeflüster-Kolumne stellt euch unser Autor Lorenz regelmäßig Anekdoten und Geschichten aus dem oft unterhaltsamen Leben eines modernen Kiffers vor. Ihr findet alle Grasgeflüster-Beiträge gesammelt auf dieser Seite: [Klick mich].

Lorenz

Lieblingsfarbe Grün - Farbe der Hoffnung, Farbe meiner politischen Heimat und Farbe meines Lieblingskrauts. Weitere Buzzwords meines Lebens sind Fotografie, Reisen und die Liebe zum geschriebenen Wort. 1997 wurde ich im tiefsten Osten geboren und bin trotzdem (oder gerade deswegen?) ein linksgrünversiffter Gutmensch geworden. Nach 1,5 interessanten Jahren dualer Studiertätigkeit im Fach Wirtschaftsinformatik widme ich mich mich im Moment ganz im Sinne meiner Bloggertätigkeit einem Bachelor in Gartenbau.

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