Der „Homegrow Pro“ im Interview. Mit seinen Tipps gelingt jeder Grow.

Der Cannabis Anbau für den eigenen Konsum wird immer beliebter. Mittlerweile werden Videos und Artikel zu dem Thema Cannabisanbau milliardenfach gelesen und gesehen. In immer mehr Ländern wird der Cannabisanbau legal, sei es für den privaten oder kommerziellen Aspekt. Weltweit wird Cannabis wieder in die alltägliche Kultur integriert. Gerade wir Deutschen sind botanische Koryphäen vom Schrebergarten, botanischen Gärten, Gartenbau, Forschung oder dem heimischen, noch illegalen Cannabisanbau. Die Techniken und das gesamte Knowhow im Cannabisanbau ist wahrliche Pionierarbeit. Cannabis anzubauen ist nicht schwer, doch wer eine erstklassige Cannabissorte wie aus dem Bilderbuch ernten möchte, muss ein paar Tipps & Tricks beachten. Deswegen habe ich mir einen der bekanntesten Grower der Neuzeit rausgesucht und ihm einige Fragen gestellt. Und zwar dem: „Homegrow Pro“. Heute kauft sich kaum noch jemand Fachbücher. Im Jahr 2019 zieht man sich seinen Wissenshunger aus dem WWW. Gerade Instagram ist als „Growerplattform“ neben YouTube momentan die Benchmark, wenn es um´s growen geht. Die Grow-Foren sterben immer weiter aus. Der Grower von heute will vielmehr seine botanischen Künste auf sozialen Plattformen der Menge präsentieren. Und klar, der Austausch untereinander spielt hier eine sehr zentrale Rolle. Wir reden hier von einer Millionen starken Growcommunity around the globe.

Der Homegrow Pro ist ein sympathischer Mann aus Denver (Colorado) der mit seinen Growvideos virale Hits ins WWW setzt. Wer sich für einfach umsetzbare Tipps, Tricks und vor allem ansehnliche Bilder und Videos zum Cannabis Anbau interessiert, der kommt an dem Homegrow Pro nur schwer vorbei. Zumal er auch jeden der es möchte selbst zu einem Homegrow Pro anleitet, virale Growvideos inklusive. Ich wünsche viel Spaß beim Interview.

Starten wir mit einer „leichten“ Frage. Vor wie vielen Jahren und aus welchen Beweggründen hast du Cannabis angebaut?

Ich habe mal nachgesehen. Ende Juni 2015 habe ich meinen ersten Post zum Thema in einem Forum abgesetzt und war zu dem Zeitpunkt kurz vor dem Start meines ersten „Runs“. Meine erste Pflanze war eine Amnesia Haze Autoflower von Royal Queen Seeds, welche ich in einem Spacebucket angebaut habe. Ich habe damals in einer WG gewohnt und wir hatten damals einen Hausdealer. Der Typ hat uns auf Kombo wöchentlich für $120 Blüten da gelassen und einfach immer aufgestockt, was wir verbraucht hatten.

Ich dachte mir, dass das auch günstiger gehen muss, vor allem weil die Qualität sehr zu wünschen übrig ließ. Ein Freund brachte mich dann auf die Websiten der Seedbanks und zum Subreddit über Spacebuckets, und sagte mir, dass es dort eine Community gibt, die in einer winzigen Klimagesteuerten-Einheit (Eigentlich nur ein Stack aus Eimern) eine einzelne Pflanze angebaut werden kann, die bis zu 50 Gramm in 2-3 Monaten abwerfen kann.

Du bist der Homegrow Pro. Du hast eine große Affinität zum Low Stress Training, wie man deinem Instagram Account entnehmen kann. Welche Vorteile bietet dir diese Anbaumethode? Immerhin nimmt diese Methode oft mehr Zeit in Anspruch.

LST ist tatsächlich ein Zeitfresser. Aber seit meinen Anfangstagen habe ich nur auf Microgrow-basis angebaut, und zwar mit deutlich schwächerem Licht als die weitverbreiteten NDL Lampen. Ich war wohl immer auf Effizienz aus. Low Stress Training kommt da sehr entgegen! 1. Licht hat die Eigenschaft, dass die Intensität proportional mit dem Quadrat zur Distanz von der Lichtquelle abnimmt. Der Sweetspot einer Lichtquelle, in denen optimale Ausleuchtung herrscht ist bei LEDs eine zwischen 10cm und 35cm breiter Bereich unterhalb der Lichtquelle. Für gute LEDs (hochqualitative COBS oder LED Module) wären das ungefähr 35cm bis 70cm unterhalb der Lichtquelle. Dort sollten sich alle Buds nach Möglichkeit befinden damit Sie optimal gedeihen. Mit LST schaffe ich es den Bereich perfekt auszufüllen ohne „Ausreißer“ wie z.B. einen dezidierten Mainbud zu erzeugen. Das ist der Tradeoff dabei. Mehr Ertrag, dafür kein Monsterbud und viele kleine, sondern eine uniforme Menge an mittelgroßen Buds, die dafür alle gleich gereift sind.

  1. Microgrows haben wenig Spielraum nach oben. Mein erster Bucket war 60cm hoch, mein zweiter Growroom in meinem Kleiderschrank war 150cm hoch. Will man da sinnvollerweise noch einen Aktivkohlefilter unterbringen und noch Spielraum für eine variable Höhe für das Licht hat (z.B. für stark-streckende Sativa Sorten) dann muss man die Pflanze auf Bonsaihöhe halten. Das ist auch kein Problem: Ich muss dafür weniger in den unteren Pflanzenregionen wegschneiden (lollypoppen)
  2. Das alles lässt sich natürlich auch in kürzerer Zeit mit einem ScrOG-Netz bewerkstelligen. Das habe ich auch mal probiert, aber ab einem bestimmten Punkt hat man, zumindest bei meinem Growroom, wenig Chancen die hinteren Pflanzen noch zu erreichen. Das hat mir damals, als ich noch mehrere Pflanzen angebaut habe, nicht gepasst.
    Und noch ein kleiner Disclaimer: Wer wirklich effizient und viel in kurzer Zeit ernten will, nutzt am besten die Sea Of Green Methode!

Auf was sollten gerade Anfänger achten? Hast du gute Tipps, was die Kosten, Zeit und Fehler angeht?

Das ist eine sehr gute Frage! Ich habe in meinen Jahren sogut wie jeden Fehler gemacht, oder zumindest gesehen. Ich habe Fragen in Foren gestellt wie „Wie viel Platz brauchen eigentlich die Wurzeln?“, bis ich gelernt habe, dass die Wurzeln sich einfach den Platz nehmen, den Sie zur Verfügung haben. Ich hatte es bis damals nicht mal geschafft einen Kaktus am Leben zu erhalten und entsprechend naiv waren meine Fragen.

Mein Tipp für Anfänger: Nehmt euch für euren ersten Run einen Guide, nicht mehrere. Trainiert am besten gar nicht oder nur minimal, damit ihr eine Ahnung bekommt wie die Pflanze funktioniert und wie ihre Struktur aussieht. Gerade das Internet ist voll mit Broscience und Bauernregeln. Fragt euch bei allen Methoden, die euch spanisch vorkommen: Würde das die Natur draußen auch so machen? Oder ihr sucht nach einem natürlichen Äquivalent der Methode. Ansonsten sollte man „Overcaring“ vermeiden. Manche Neugrower interpretieren in eine 1mm² große Verfärbung eine schwere Phosphor-ZinkDefizienz und fangen an einen armen, zwei Wochen alten Sämling mit Chemiedünger zuzupumpen. Weed ist zwar kein Unkraut, aber es wächst wie eines und generell ist es zäh und wird mit ziemlich viel Unsinn fertig, den man ihm antut.

Zum Thema kosten: Man kann auf dem Balkon mit einem Bagseed und Erde für quasi $0 anbauen und sich im Herbst über eine fette Ernte freuen. Oder man investiert $2000 in ein 2m² setup und geht gleich aufs Kilo. Wie bei jedem Hobby gilt auch hier: Je mehr Geld man rein wirft, desto mehr kann man erwarten. Meine Grundregel für Setups: Gib mindestens 50% für Licht aus. Der Rest finanziert sich dann über die Einsparung beim Dealer. Mit einem highyielder und monocrop kann man für etwa 80ct/Gramm produzieren (Setupkosten ausgenommen), da amortisieren sich Investitionen in der Regel nach 1-2 Runs. (Nachzulesen hier: http://homegrow-pro.com/cost-grow-operation/)

Zum Thema Zeit: Ein Run dauert je nach Sorte, Photoperiod oder Autoflower, Seed oder Clone, Indoor oder Outdoor zwischen 2 und 6 Monaten. Aufwendig ist ein Grow eigentlich nicht. Ich schaue zwei mal am Tag über meine Kameras rein und checke einmal die Erde nach Feuchtigkeit. Ab und zu sollte man die Blätter nach Schädlingen absuchen. Mein aktueller Single-Plant-Run in einem 100l Container hat zudem einige einstündige Trainingsessions erfordert. Aber an sich schaut man sich seine Ladies weitaus öfter an, als man muss.

Welcher „Strain“ hat dich bisher am meisten zum Anbauen überzeugt?

In Bezug auf Geschmack Girl Scout Cookies von The Cali Connection, oder Kosher Tangie Kush von Amsterdam Genetics. Dazu muss ich sagen, dass ich vom Seed anbaue. Das heißt mit einem echten „Keeper“ hatte ich es noch nicht zu tun. Da soll es noch ganz andere Level an geschmacklicher Ausprägung geben.
Geschmack ist ja auch subjektiv. Ich präferiere fruchtig, limonige Sorten, aber es kann auch gerne mal ein Skunk oder Cheese sein.

Ansonsten fand ich Royal Queen Seeds Critical richtig gut. Ertragsmonster mit wunderschöner, voluminöser Budstruktur sieht halt einfach gut aus.
Wer mich kennt wird auch wissen, dass ich kein richtiger Stoner bin und bei weitem nicht jeden Tag konsumiere. Ich habe durchaus auch Gefallen an einer schönen Pflanze, auch wenn Sie am Ende keine Terpenexplosion im Dabrig erzeugt.

Deine Zeitraffer Videos auf Instagram sind virale Hits und beginnen direkt beim Samen. Ein Klon bringt weniger „Überraschungen“ mit sich. Wieso dann Seed to Flower? Wegen den schöneren Bildern?

Ganz einfach: Ich kenne wenig Leute die wirkliche Keepermoms zuhause stehen haben. Ich habe mich einfach nicht groß darum gekümmert fürchte ich. Wenn ich mal mehr Platz habe, wird sich da auch einiges ändern.

Beim Dünger gehen die Meinungen sehr auseinander. Bist du ein Freund von mineralischem Dünger oder organischem Dünger?

Stick to your guns ist hier das Thema. Ich habe zwar chemischen Dünger da, aber war immer und werde wohl auch immer auf der organischen Schiene bleiben. Ich kenne die Diskussionen bin aber der Meinung, dass da nur Leute was zu sagen haben, die auch das Produkt konsumieren. Also in erster Linie ich. Was ich wichtig fände, wäre eine Information auf den entsprechenden Verpackungen über Blütezeit, verwendetes Substrat und Düngerzusammensetzung. Aber solange man nur „Weed ausm Park“ bei euch bekommt wird das schwer. Steht das eigentlich auf den Schachteln für medizinisches Cannabis?

Was sind die effektivsten Möglichkeiten, um eine Cannabispflanze zu „manipulieren“ um so bessere Resultate zu erzielen?

Topping und Spreading ist das wichtigste. Licht im Zelt stellt im Gegensatz zur Sonne einen großen Unterschied dar: Während man Outdoor mit quasi parallelem Licht anbaut, das im Verlauf des Tages von allen Seiten auf die Pflanze fällt, kommt das Licht im Zelt von oben. Darauf muss man eingehen finde ich, wenn man den Ertrag maximieren will. Alle Buds, die was werden sollen, müssen von direktem Licht getroffen werden, deshalb ist auch Entlaubung (Defoliation) bei mir immer ein Thema. Das sind eigentlich die beiden Fundamente: Alles in direktem Licht und auf einer Höhe. Wie du das anstellst, ist deine Sache.

Ist es auch für Neueinsteiger theoretisch möglich Cannabis für die medizinische Anwendungen anzubauen?

Ja, es ist eine Pflanze wie jede andere. Gib ihr eine gute Umgebung und vor allem viel Liebe, aber lass sie ansonsten einfach machen. Moderne Strains danken es dir mit astreinem Produkt. Man sollte in seinem Leben drei Hobbies haben: Eins was Geld bringt (oder spart), eins was kreative Arbeit erfordert und eins was dich in Form bringt / hält. Gras anbauen deckt locker die zwei ersten Punkte ab. Das wichtigste ist: Es einfach mal anzufangen. Wenn ihr euer erstes Licht und die Seeds in den Händen haltet gibt es kein zurück mehr.

Du selbst hast eine Webseite mit vielen Informationen und hast eine hohe Medienaffinität. Welche Ziele hast du für die nächsten Jahren was deine Medienprojekte angeht?

Ich würde gerne einen Onlinekurs für Groweinsteiger anbieten und meine Reichweite weiter ausbauen. Anbau von Gras wird mit zunehmender Legalisierung immer mehr normalisiert und gefragter, nicht nur bei Patienten. Ich will den Menschen zeigen, dass es Spaß macht und extrem ergiebig sein kann. Ich werde wohl auch mit YouTube anfangen. Da all das aber neben meiner beruflichen Tätigkeit läuft, wird es wohl noch ein wenig dauern, aber mein Erfolg auf Instagram ist schon mal eine ordentliche Grundlage.

Kommen wir zur letzten Frage. Welche Frage wird dir zum Thema Growing am häufigsten gestellt?

„Hallo ich bin ein neuer Grower, worauf muss ich alles achten?“ Eine verständliche Frage, die ich in der Regel damit beantworte die Leute in meinen DiscordChannel einzuladen und sich da auszutauschen. Es gibt keine zufriedenstellende Antwort darauf und man lernt am meisten, wenn man es einfach probiert und aus seinen Fehlern lernt. Am Einfachsten haben es diejenigen, die schon mal eine Tomate oder Gurke angepflanzt und geerntet haben.

Besten Dank für dieses Interview. Falls nach diesem Interview noch Fragen offen sind, dann einfach den Homegrow Pro auf Instagram oder im DiscordChannel antippen und direkt anschreiben. Ansonsten auch gerne unten in die Kommentare.

Homegrow Pro: Instagram

Homegrow Pro: Website

Homegrow Pro: YouTube

Daniel

In erster Linie bin ich ein Mensch, der das Spiel "Leben" mit voller Punktzahl abschließen möchte. Ich bin eine Mischung aus Hippie und Outlaw. 2017 habe ich Cannabis Rausch gegründet, um aus der Sicht des Cannabiskonsumenten zu berichten. Ich liebe Mode, Autos, Reisen und natürlich meine grüne Göttin. Ich lasse mich vom Leben treiben und schaue was es mir zu bieten hat. PS: Folgt mir bei Instagram. Einfach auf den ICON drücken.

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