Die Mischung macht die Würze: Kombiniert mehrere Strains im Joint

Seit ungefähr einem halben Jahrhundert streben Cannabis-Züchter weltweit nach ultimativen Sorten. Es wird gekreuzt und besamt was das Zeug hält. Ziel: Neue, erfrischende Geschmäcker erschaffen, mehr Potenz in die Blüten züchten und noch grazilere Harzköpfchen und Trichome für die Makrofotografen. Komplexe Geschmäcker und Aromen werden kreiert, einzelne Blüten enthalten 2019 zahlreiche kombinierte Geschmacksnuancen, die zu immer neuen Variationen führen.

Dabei muss ein extravaganter, exklusiver Geschmack längst nicht von den sogenannten „Elite-Genetiken“ abhängen. Ein kleiner Blick zu unseren Freunden aus der Gastronomie zeigt schließlich klar und deutlich: Auch wenn die Qualität der Einzelzutaten natürlich nie gut genug sein kann, erreicht man mit geläufigen, traditionellen Zutaten durch Kombination und Veredelung dieser millionenfach viele gaumenerfreuende Gerichte. Dabei ist eine erste Veredelung schon die Herstellung von Mehl aus Getreide, beim Cannabis ist eine rudimentäre Veredelung das Fermentieren und Trocknen der frischen Blüten nach der Ernte.

Doch in beiden Welten geht es noch weit komplexer zu: Aus dem Mehl entstehen neue Gerichte, durch Zugabe von Wärme, Olivenöl und Salz beispielsweise erhält man eine vorzügliche Focaccia. Beim Cannabis-Genuss verhält es sich ähnlich: Die getrockneten Blüten unterschiedlicher Sorten bilden mit ihren individuellen Geschmacksrichtungen die Ausgangsstoffe für komplexere Produkte wie bspw. Cannabis-Konzentrate/ Dabs und die verschiedensten Variationen von Haschisch. Auch Cannabis-Butter, Cannabis-Reis, Cannabis-Eis und so ziemlich alle anderen Leckereien auf dieser Erde kann man mit Wirkstoffen der Cannabis-Pflanze anreichern. THC-Reiswaffeln, CBD-Eistee oder sogar Terpen-Kerzen haben mich schon beglücken können.

Die Veredelung und Mischung von Cannabis hat weltweit eine Jahrtausende alte Tradition

Die Mischung und Verfeinerung von Cannabis-Produkten ist nichts Ungewöhnliches. Seit Jahrhunderten stellen verschiedene Völker beispielsweise Cannabis-Konzentrate her. Die Nepalesen reiben das Harz der Cannabis-Pflanze als Charras in konzentrierte Form, die Marokkaner setzen traditionell eher auf Siebung – Dry Sift Hasch oder Ice-o-Lator. Die Amerikaner benutzen Butangas-Extraktoren oder elektrische Hitzepressen für ihre hochwirksamen THC-Konzentrate. Tinkturen werden auch weltweit hergestellt, überdurchschnittlich beliebt sind sie bei Cannabis-Patienten auf Grund der Einfachheit des Konsums. Oft werden in solchen Produkten mehrere Strains gemeinsam verarbeitet.

Besonders auf die Spitze getrieben wird das Veredeln von Cannabiserzeugnissen durch Mischen bei der Herstellung von THC-Destillaten und THC-E-Liquids für die E-Zigarette oder den Vape-Pen. Dabei werden die geschmacksgebenden Terpene meist in einem ersten Schritt aus einem Extrakt gelöst, um dann in einem zweiten Schritt wieder zugegeben zu werden. Für besonders intensive Aromen werden häufig auch zusätzliche Terpene, gewonnen aus anderen Pflanzen, bei denen gewisse Terpene in größerer Menge als in Cannabis enthalten sind, den E-Liquids zugesetzt.

Im Gegensatz zu Cannabis stehen viele Kräuter und Früchte für bestimmte Inhaltsstoffe, durch die sie charakterisiert werden. Solche Inhaltsstoffe sind unter anderem die Terpene – auch bei Cannabis spielen sie eine wichtige Rolle. Doch durch die zahlreichen Kreuzungen und Sorten kann nicht eine Wirkweise von Cannabis festgelegt werden – denn wie Cannabis wirkt, liegt zu einem großen Teil an den konkret enthaltenen Terpenen der spezifischen Sorte.

Wenn ihr wissen wollt, welche Terpene vornehmlich in Cannabis-Sorten vorkommen, wie sie wirken und in welchen Gewächsen sie noch zu finden sind: Hier entlang. Ansonsten geht es jetzt weiter mit einem Exkurs in ausgewählte Konfliktzonen der ganzen Terpen- und Strain-Thematik, um alle weiteren Schlussfolgerungen untermauern zu können. Nahtlos daran werde ich mit meinen Misch-Empfehlungen für Joints fortfahren.

Die Problematik mit komplexen Strains und unterschätzten Klassikern

Das individuelle Aroma bzw. den individuellen Aromamix einer Cannabis-Sorte bestimmt das Terpen-Profil dieser Sorte. Terpene sind sekundäre Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze, welche auch in anderen Pflanzen vorkommen. Sie zeichnen sich durch medizinische Wirksamkeit aus und sind dafür bekannt, die Effekte von Cannabinoiden wie THC und CBD zu modulieren, also in bestimmte Bahnen zu lenken. Terpene sind darüber hinaus für die geschmacklichen Unterschiede verschiedener Sorten verantwortlich.

Ob eine Cannabis-Sorte dich in die Couch drückt oder dich motiviert ans Werk gehen lässt, hängt maßgeblich vom Terpen- und Cannabinoid-Mix einer Sorte ab. Je nachdem, in welchem Verhältnis die einzelnen Inhaltsstoffe zueinander vorkommen, wirkt eine Sorte entweder wie die Vorstellung einer Sativa-Sorte, einer Indica-Sorte, oder irgendwas dazwischen. Oder wir haben eine zweistufige Beobachtung vorliegen, bei der nach 2 Stunden aktiver Sativa-Wirkung plötzlich die Müdigkeit zuschlägt und die sedierende Wirkung einer Indica ihr Werk im Körper vollbringt.

Clone-Only-Strains sind relativ stabile Sorten

All die unterschiedlichen Effekte verschiedener Cannabis-Sorten hängen von den enthaltenen Terpenen einer Cannabis-Sorte ab. Und an der Stelle kommen wir zu einem Unterschied von Elite-Genetiken, welche nur als Stecklinge vorliegen und klassischen Sorten, deren Verbreitung auf Samen basiert. Bei stecklingsbasierten Sorten wie der Zkittlez assoziiere ich immer genau einen Geschmack, den ich so bisher bei jeder Zkittlez erleben konnte, die ich probiert habe, aber in anderen Sorten so bisher noch nicht schmecken konnte. Falls Fragen aufkommen: ich rede nicht von der Süßigkeit, sondern der Cannabis-Sorte, die ich auch in [diesem Artikel] schon ausführlich besprochen hatte und darin auch auf die Besonderheiten in Bezug auf den Import amerikanischer Stecklinge ins Detail gegangen bin. Ein unterschätztes Thema, welches Sens-Media-Gesicht Growers Life ein paar Wochen später auch in einem seiner Videos vorstellte, indem er Illo Seeds besuchte, den deutschen Elite-Genetiker für amerikanische Clone-Only Sorten aus meinem Artikel, dessen Zkittlez genauso schmeckt wie jene in San Francisco zwei Wochen vorher.

Verzeiht mir den kleinen Umweg – als Hauptaussage sollte hängenbleiben, dass Sorten wie Zkittlez, Wedding Cake oder Gorilla Glue in einer idealen Welt von genau ein und derselben Pflanze abstammen und deshalb, stressbedingte Mutationen bei der Stecklingsbildung mal außeracht gelassen, immer gleich schmecken. Ich verschlimmbessere vorsichthalber auf sehr ähnlich, denn wie die Blüten einer Sorte sich ausbilden hängt schließlich auch an anderen Wachstumsfaktoren wie Düngemitteln, Beleuchtung etc.

Cannabis-Sorten aus Samen versprechen naturgemäß nur selten, was der Hersteller verspricht.

Eine deutlich größere geschmackliche Varianz als bei solchen Elite-Genetiken besteht in der Verwendung von Sorten, welche hauptsächlich als Samen vertrieben werden. Ein Paradebeispiel ist die Super Silver Haze oder die Super Lemon Haze von Greenhouse Seeds. Super Sorten, die schon einige Preise abgeräumt haben. Manko: Diese Sorten kommen vorrangig als Samen in die Indoor- und Outdoor-Plantagen dieser Welt, wobei die Natur eine genetische Lotterie vorgesehen hat. Jeder Samen entwickelt sich der Vererbungslehre nach anders als seine Geschwister, die Wahrscheinlichkeit zweier genetisch identischer Samen geht gegen Null. Wer da tiefer einsteigen möchte: hier entlang zum [Genetik-Crashkurs].

Ungünstiger Weise ist die Ausbildung spezieller Terpene stark von dem genetischen Code einer Sorte abhängig. Dazu ist zu sagen, dass Cannabis wohl die Pflanzenart ist, von welcher weltweit die meisten polyhybriden Züchtungen existieren. In den letzten fünfzig Jahren wurde die Cannabis-Sortenvielfalt mit allen Mitteln hochgetrieben, ehrgeizige Züchter übertrumpfen sich bis heute mit erstaunlichen Ergebnissen. Damit einher geht natürlich eine sehr große genetische Varianz innerhalb der gleichen Art. Damit unterliegt auch die Vielfalt an unterschiedlichen Terpenen in unterschiedlichen Cannabis-Sorten dieser Streuung. In Untersuchungen amerikanischer Dispensary’s und holländischer Coffeeshops wurde sogar wissenschaftlich festgestellt, dass Blüten mit gleicher Sorten-Kennzeichnung in unterschiedlichen Geschäften völlig andere Genetiken aufweisen und damit auch andere Terpene und Wirkweisen. Wer in dieses Thema genauer hineinlesen möchte, findet [in diesem Artikel] Erleuchtung.

Der europäische Konsument indes, welcher sich ein paar Samen hochzieht oder jemanden kennt, der Blüten verkauft, die einer aus Samen gezogen hat, ist der eigentliche Verlierer. Durch das Samengeschäft lässt sich keine pauschale Aussage darüber treffen, wie eine „Sorte“ wirkt. Ich habe mir schon einige heimliche Grow-Projekte angeschaut und jedes Mal war der Eindruck der gleiche: In einem Aufwuchs-Zelt, wo nur Pflanzen der angeblich gleichen Sorte wachsen, finden sich mehr oder weniger unterschiedliche Phänotypen wieder. Heißt: 10 Pflanzen, die alle aus Samen der gleichen Sorte entwachsen, sehen jeweils anders aus, riechen anders, schmecken anders.

Aus Samen gezogene Cannabis-Pflanzen entwickeln sich mehr oder weniger willkürlich und unkontrolliert

Neulich war ich einen solchen heimlichen Grow besichtigen und der Gärtner hatte ein eins-zwanzig mal eins-zwanzig Meter großes Zelt mit zahlreichen Pflanzen aus Samen der Sorte „Ayahuasca Purple“ von Barney’s Farm. Im Zelt fand sich eine weitreichende Vielfalt unterschiedlicher Phänotypen: Manche der prächtigen Blüten rochen nach Haselnuss, manche nach Papaya, andere nach Mango. Manche Blüten waren auch wirklich sehr lila, andere indes weniger. Manche Pflanzen hatten mehr Popcorn-Blüten, andere Pflanzen vorrangig schöne, feste und kompakte Exemplare. Die Vielfalt war immens – ich bin mir sicher, der Gärtner wird beim Testen der einzelnen Exemplare von unterschiedlichsten Wirkweisen profitieren können. Und das, obwohl doch alle Pflanzen mit Ayahuasca Purple gekennzeichnet sind.

ayahuasca purple Calyx
Violetter Phänotyp der besprochenen Ayahuasca Purple.

Wir sehen, das Samengeschäft lässt uns viele interessante Blüten entstehen. Jedoch kann man sich schwer darauf verlassen, dass eine Pflanze sich so entwickelt wie im Internet beschrieben. Meist existieren ein paar Phänotypen, die für eine über Samen vertriebene Sorte bekannt sind. Aber mal anders gefragt: Wie viel Vertrauen sollte man der Kennzeichnung von Produkten überhaupt schenken, die halb oder ganz in illegalen Märkten drinhängen? Es gibt einige unseriöse Samenbanken, welche Samen mit falschen Sortenbezeichnungen bewerben.

Und im Clone-Only „Elite-Genetik“-Geschäft sieht es nicht besser aus: Auch hier schwächelt das System.

Als Zkittlez gekennzeichnete Cannabis-Blüten, vor allem auf dem Schwarzmarkt, könnten von überall herkommen. Die Gefahr besteht immer, die Schuld ist an der Stelle einem nicht-funktionalen System am Rande der Legali- oder Illegalität in die Schuhe zu schieben. Denn viele Unternehmer in der Cannabis-Szene, auch in scheinbar legalen Bundesstaaten, agieren umständehalber trotzdem wie 95% aller kalifornischen Cannabis-Anbauer am Staat vorbei weiterhin auf dem Schwarzmarkt – oder bekommen ihre Produkte über Hintertürchen an den legalen Markt verkauft. An der Stelle können sich dann auch schnell Kennzeichnungsfehler zu Ungunsten des Verbrauchers einschleichen. Auf einem scheinbar legalen, regulierten Markt.

Ein großes Problem ist, dass es bis auf den Stammbaum einer Sorte keine Richtlinien und Zertifikate für den Charakter einer Sorte gibt. In einer Sour Diesel könnte alles stecken. Zudem kommt hinzu, dass die Labormessungen von Terpen- und Cannabinoid-Gehältern wohl auch nicht sehr sorgfältig vorgenommen werden: Wie diesem Artikel der Hightimes zu entnehmen ist, weichen Messergebnisse von ein- und derselben Cannabis-Probe stark voneinander ab: Manche Labore wollen über 30% THC gemessen haben, andere dagegen gerade einmal 20%. Eine Abweichung von über 30%!

All diese Überlegungen zeigen: Bevor man Blüten nicht geschmeckt hat, kann man schwer einschätzen, wie sie schmecken oder wirken werden. Deshalb plädiere ich schon seit diesem Artikel für die „Batch-Kategorisierung nach Terpenen“.

Warum also nicht von der Illusion befreien, geschmackliche und wirkungstechnische Erwartungshaltungen erfüllt zu bekommen? Nicht, dass es nicht möglich wäre, das zu bekommen, was man erwartet, aber in Sachen Cannabis in Deutschland ist solch ein Luxus einer ganz kleinen Gruppe vorbehalten. So ehrlich müssen wir miteinander sein.

Vereint die hanfigen Geschmäcker dieser Welt!

Viel reizvoller als eine Wirkung, die von einem oder zwei Terpenen und viel THC herrührt, wie bei den meisten heute verfügbaren Cannabis-Sorten zu beobachten, ist meiner Meinung nach jedoch sowieso die Kombination vieler Terpene und Inhaltsstoffe in einem Produkt – wahlweise einem Joint, einem e-Liquid oder einer Leckerei zum Essen.

Bei Verwendung „nur“ einer Sorte wird man auch nur ein sehr begrenztes Terpen-Spektrum erhalten, wie gesagt ein oder zwei Terpene pro Sorte, die dominieren. Auf dem deutschen Schwarzmarkt wird man dabei jedoch nicht wissen, welche Terpene man jetzt genau genießt.

Mehrere Sorten jedoch erhöhen die Chance, seltene Terpene oder andere der sechs am häufigsten in Cannabis vorkommenden Terpene zu konsumieren und somit eine breiter gefächerte oder nie gekannte Wirkung zu erhalten. Zu bedenken ist jedoch, dass sich manche Terpene und Cannabinoide untereinander und gegenseitig in ihrer Wirkung hemmen können. So wird durch CBD beispielsweise die psychotische Wirkung von THC abgemildert. Aber auch diese Hemmungen führen zu interessanten Ergebnissen in der Wirkweise, man sollte diesen Aspekt auf keinen Fall verteufeln.

Vorsicht vor überraschend starken Wirkweisen

Bei dem beschriebenen Vorgehen gibt es allerdings ein Problem: Die eintretende Wirkung kann einen so sehr überraschen bzw. im wahrsten Sinne des Wortes umhauen, dass man eventuell nicht mehr in allen Lebensbereichen entspannt sein kann. Man kennt das auch von neuen Sorten, die man in falschen Situationen konsumiert: Wer beispielsweise vor einer Präsentation einen Joint raucht und dann von einem rasenden Puls und überschüssiger Energie als Folge einer neuen Sativa-Sorte überrascht wird, wird sich nachfolgend wahrscheinlich mit Vorwürfen konfrontieren, warum er oder sie die Sorte nicht vorher getestet habe. Dies kann bei einer Sorte passieren, die neu für einen ist, aber auch bei einer Mischung von Sorten, die für sich gesehen total passend wirkten.

Da Cannabis für die meisten deutschen Konsumenten jedoch eine sogenannte Genuss-Droge ist, sollte der Konsum ohnehin in gesicherter Atmosphäre mit Wohlfühlcharakter stattfinden. Man unterschätzt schnell, wie unerwartet einen die Wirkung einer noch nie probierten Charge vor vollendete Tatsachen stellen kann.

Mischen ist perfekt für fortgeschrittene Connaisseure, welche ihre Beziehung zu Cannabis auf eine neue Ebene heben wollen

Die vorhergehenden Gedankengänge legen nahe, dass das Mischen verschiedener Strains, Terpene und Cannabinoide ziemlich unberechenbar ist. Kreuz- und andere Wechselwirkungen können sehr heftig ausfallen, teilweise auch kaum wahrnehmbar. Eine Grundlage fürs Mischen verschiedener Strains sollte also eine gewisse Vorerfahrung mit Cannabis bilden. Ein paar Sorten sollte man für sich genommen schon getestet haben, am besten auch Sorten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Wirkweisen. Es sollte ein Bewusstsein für die verschiedenen Wirkweisen entstehen – Daniel hat zu diesem Thema bereits einen schönen Artikel geschrieben: [Stoned oder High – Ergib dich dem Rausch].

Eine Erfahrungsstufe weiter oben ist dem deutschen Cannabis-Konsumenten zwar kaum zuzumuten, jedoch Gold wert: Das Wissen über die einzelnen Terpene, ihre Geschmäcker, einzelnen Wirkweisen und Wechselwirkungen mit anderen Cannabinoiden und Terpenen. An der Stelle möchte ich noch einmal kurz auf unseren Übersichtsartikel zu Terpenen aufmerksam machen. Denn wie beim Kochen ist es hilfreich, vorm Mischen ein ungefähres Verständnis davon zu haben, wie die einzelnen Zutaten im gemeinsamen Rauch oder Dampf zusammen harmonieren.

Das Mischen an sich sollte jedoch keine trockene Wissenschaft sein, sondern vielmehr die Entdeckung des Unbekannten, Verborgenen, Unberechenbaren

In Deutschland kann man nicht viel auf Sortenbezeichnungen geben. Die Gründe dürften mittlerweile mehr als klar sein. Darum stellt meist schon das Testen einer neuen Sorte eine Reise ins Unbekannte dar. Im Gegensatz zu alkoholischen Getränken oder Arzneimitteln kauft man auf dem Schwarzmarkt jedes Mal die Katze im Sack. Baut man seine Kräuter jedoch selbst zu Hause an, hat man nach erfolgreicher Ernte ein paar unterschiedliche Phänotypen oder Sorten auf Lager. Irgendwann kennt man dann die einzelnen Eigenschaften des Vorrats – und vorbei ist die stete Überraschung in Sachen Geschmack und Wirkung.

Die nächsten Monate des Konsums bis zur nächsten Ernte kann jetzt zwei verschiedene Formen annehmen: Entweder es wird jede Sorte für sich konsumiert, oder man vervielfacht das Angebot an verschiedenen Geschmäckern und Wirkweisen der einzelnen Phänotypen und/ oder Sorten. Bei zweiter Möglichkeit erhöhen sich die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten eklatant: Aus vier Grundzutaten entstehen beispielsweise 24 Varianten der Kombination! Aus fünf Grundzutaten entstehen bereits 120 Kombinationsmöglichkeiten, wer sechs Sorten oder Phänotypen zu Hause lagert kann sogar schon 720 Joints jeweils unterschiedlich befüllen! Und dabei ist noch nicht mit einbezogen, dass man ja auch die einzelnen Mischverhältnisse noch variieren kann.

Bei all diesen Möglichkeiten gepaart mit der Kennzeichnungsproblematik wird klar, warum das Mischen nicht selten der Ausweg von eingetretenen Pfaden des Konsums darstellen kann. Besonders beim Vaporisieren kann man die Nuancen verschiedener Mischungen sehr gut schmecken, aber auch im Dab Rig. Schließlich kann man nicht nur Blüten mischen, sondern auch Konzentrate wie Rosin, BHO oder Haschisch. Da diese Produkte für sich gesehen ja auch von bestimmten Sorten abstammen, weisen auch sie unterschiedliche Terpen- und Cannabinoid-Mischungen auf.

Joints mit Blüten, Haschisch und Konzentraten

Wer in den sozialen Medien unter dem Haschtag Cannabis unterwegs ist, kennt sie sicher: Bilder noch unverschlossener Joints mit Blüten unterschiedlicher Farben und Colleur, darauf ein bisschen Kief wie Puderzucker verstreut, darauf noch eine leckere Haschisch-Rolle und außen rum noch die ein oder andere Spur BHO oder Rosin. Fertig ist der augenschmeichelnde Mix.

Für die Wirkung sei allerdings angemerkt, dass es ihr egal ist, ob sie durch Hasch, Konzentrat oder Blüten angeregt wird: Alle Cannabis-Produkte entfalten ihre Wirkung und teilweise ihren Geschmack durch Terpene und Cannabinoide, welche in allen Cannabis-Produkten vorkommen. Warum beim Geschmack nur teilweise? Jeder, der schon mal Hasch probiert hat, kennt den einzigartigen nadligen Geschmack, den viele Haschisch-Naschereien miteinander teilen. Da in Konzentraten wie Hasch, Rosin und BHO der Anteil an dem unwirksamen Chlorophyll im Gegensatz zu Blüten sehr gering ist, kommt bei diesen Produkten der pure Geschmack der Terpene besonders intensiv zum Vorschein. Das unterscheidet den Geschmack von Konzentraten im Gegensatz zu Blüten teilweise stark. Die Wirkung jedoch wird davon nicht tangiert, da Chlorophyll und anderes grünes Pflanzenmaterial keine eigene Wirkung erzeugt.

Fazit: Mehrere Cannabis Strains miteinander zu kombinieren ist absolut sinnvoll.

Wo ich vor einer Weile noch erwartet habe, dass eine einzige Sorte mich mit komplexen Geschmäckern und Wirkweisen umhauen können muss, sehe ich die Welt 2019 ein wenig differenzierter: Natürlich ist es großartig, eine einzige Sorte mit hoher Komplexität zu konsumieren. Jedoch sind solche Sorten in Deutschland nur schwer zu finden und auch sonst liegen einige der besprochenen Probleme oft vor.

Was spricht also dagegen, mehrere Sorten, die für sich gut gepflanzt wurden und ansprechende Aromen ausstrahlen, zu komplexen Werken psychoaktiver Geschmackswelten zu kombinieren? Für mich spricht wenig dagegen – denn ob ich in meinem Joint bereits durch eine einzige, sehr teure Sorte einen ansprechenden Geschmack erreiche oder mit zwei für sich gesehen niedrigkomplexen Strains dieses Ergebnis erziele ist mir persönlich egal. Wenn ich dann noch sparen kann – perfekt.

Die volle Stärke spielt die Mischung von Blüten mit Haschisch und anderen Cannabis-Konzentraten aus. Denn Haschisch beispielsweise kann jeden Joint durch sein unverwechselbares Wald-Aroma stark aufwerten. Und eine Spur Rosin außen am Joint hat auch noch niemanden den Joint sofort weitergeben lassen.

Lorenz

Lieblingsfarbe Grün - Farbe der Hoffnung, Farbe meiner politischen Heimat und Farbe meines Lieblingskrauts. Weitere Buzzwords meines Lebens sind Fotografie, Reisen und die Liebe zum geschriebenen Wort. 1997 wurde ich im tiefsten Osten geboren und bin trotzdem (oder gerade deswegen?) ein linksgrünversiffter Gutmensch geworden. Nach 1,5 interessanten Jahren dualer Studiertätigkeit im Fach Wirtschaftsinformatik widme ich mich mich im Moment ganz im Sinne meiner Bloggertätigkeit einem Bachelor in Gartenbau.

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