Fotostrecke: Zu Besuch auf einer kalifornischen Weed-Farm

Ein Highlight im Leben eines jeden Cannabis Affiniatos sollte definitiv der Besuch einer Cannabis-Farm darstellen. Egal, ob man zu Hause selbst anbaut oder sich eher der Konsumenten-Fraktion zurechnet: Taucht man einmal in solch ein grünes Reich ein, wird man sich in beiden Fällen wie im siebten Himmel fühlen. Während der reine Konsument sich schon allein ob der vielen Pflanzen glücklich wie im deutschen Mischwald fühlen wird, kann der Heimgärtner von Welt auf eingesetzte Technologien, Nährstoffe und Gewächshaus-Management abnerden.

Manch einer wird vielleicht sogar enttäuscht sein über zu rudimentären Technik-Einsatz. Beispielsweise wird man auf der durchschnittlichen Cannabis-Farm in Kalifornien Lampen vermissen – dafür gibt es dort schließlich die Sonne. Doch Bilder sagen an der Stelle wohl mehr als Tausend Worte – deshalb viel Spaß mit unserer nicht enden wollenden Fotostrecke von Paul’s Farm, der Cannafornia Farm bei Salinas in Mittelkalifornien.

Fangen wir mit einem Überblick der Cannabis-Farm an

Vogelperspektive: Links befinden sich neue Gewächshäuser im Aufbau, etwas weiter rechts die Wassertanks. In der Bildmitte kann man das stilechte Farmhaus erspähen, ganz rechts sind die Gewächshäuser für die Wachstumsphase auszumachen.
Mehr als bildfüllend breitet sich unverkennbar die riesige Dachfläche des Blüte-Gewächshauses aus, rechts die Fundamente der neuen Anlagen. Wohlgemerkt: Cannaforniafarms begann erst 2018 mit dem Aufbau dieser Farm!

Am Anfang des etwa dreimonatigen Schaffungsprozesses edler Blüten stehen unzählige Stecklinge noch unzähligerer Strains und Sorten.

Meterlang ziehen sich Regale voller Stecklingswächshäuser durch das Dach des klischee-entsprungenen Farmhauses. Hier wachsen unter leichter Beleuchtung unschätzbare Werte zu etwa zehn Zentimeter hohen „Clones“ heran, wie die Amerikaner ihre Stecklinge treffend bezeichnen.

Unzählige solcher Stecklings-Boxen befinden sich auf dem Dachboden des Farmhauses.
Man bedient sich bewährter Mittel der Pflanzenzucht, hier zu sehen Anzuchtblöcke aus Steinwolle. Darin machen es sich später Stecklinge in ihren kleinen Stecklingsboxen gemütlich.
Die Stecklings-Sammlung von Cannafornia-Farms ist wahrscheinlich nicht mit Geld aufzuwiegen. So viele Sorten kennt wahrscheinlich nicht einmal Leafly.com! Schön zu sehen ist im Bild, wie das gesamte System auf die kleinen Steinwoll-Blöcke optimiert ist.
Cannabis Stecklinge Regal
Nur ein Bruchteil der Regale mit Stecklingen.

Hat sich der Gärtner auf eine Sorte festgelegt, geht es weiter im Veggie-Gewächshaus der Weed-Farm.

Hier wachsen die Stecklinge langsam aber sicher zu wurzelreicheren, Seitentriebe ausbildenden Pflanzen heran. Unter Zugabe von optimalerweise 18 Stunden Licht pro Tageszyklus bilden die juvenilen Pflanzen beabsichtigterweise noch keine Blüten aus und können ihre gesamte Energie für Triebe, Blätter und Höhenwachstum einsetzen. In Kalifornien wachsen die Kleinen natürlich mit viel Sonnenlicht, besonders im Winter muss jedoch mit Kunstlicht ausgeholfen werden, um die 18 Lichtstunden zu erreichen. Würde man dies nicht sicherstellen, bilden die Pflanzen schon viel eher Blüten aus und weniger Seitentriebe. Der Ertrag ist jedoch um einiges höher, wenn man der Pflanze unter 18 täglichen Sonnenstunden zunächst ein adäquates Höhen- und Seitenwachstum spendiert – schließlich bekommen wir so exponentiell mehr Blattachseln, in denen sich später bei Umstellung auf den Blütezyklus saftige Blüten niederlassen werden. Aber erstmal Vorhang auf für die „Veggie-Phase“, wie die Wachstumsphase nicht nur auf amerikanischen Farmen umgangssprachlich genannt wird.

Jede dieser Pflanzen wird einmal vielen Menschen ein Lächeln auf die Gesichter zaubern. Die auf diesem Bild dargestellten Pflanzen stehen noch in kleinen Pflanztöpfen und gewöhnen sich gerade an das gut durchlüftete Wachstums-Gewächshaus.
Auch und besonders die Kleinsten werden bei Cannafornia besonders umsorgt: Im „Smaland“ wachsen die ca. 30 Zentimeter hohen Cannabis-Pflanzen dicht an dicht. Die Pflanzen entwickeln sich prächtig, unter anderem festzumachen an den kurzen Internodien, wie der Gärtner von Welt die Abstände zwischen zwei Verzweigungen an der Sprossachse bezeichnet. Wir erinnern uns: Viele Verzweigungen = viele Blüten. Ansonsten zeigen die Pflanzen zu 95% ein gesundes Grün, was für eine beinahe optimale Ernährung, Belichtung und Bewässerung spricht.
Kleiner Exkurs in die Gewächshaustechnik: Dem fortgeschritten Gärtner wird sofort der Motor auffallen, welcher über eine Achse und Zahnkränze die Dachbefensterung zu Lüftungszwecken öffnen kann. Durch Lüften kann man dem „Treibhauseffekt“ entgegenwirken und die relative Luftfeuchte und die Temperatur im Gewächshaus regulieren.
Daniel hat sich freiwillig zur Qualitätskontrolle gemeldet. In seiner Rolle als Cannafornia-Stilikone fühlt er sich sichtlich wohl. Man kann gut erkennen, dass die Pflanzen bei Erreichen einer gewissen Größe in größere Töpfe gesetzt werden. Im konkreten Beispiel werden sogar sogenannte Smart-Pots eingesetzt, die für eine optimale Belüftung der Wurzeln sorgen und somit Wurzelfäule vorbeugen. Auf der Erde wird zusätzlicher Dünger eingebracht, um die in Kürze folgende Blüte-Phase zu unterstützen.
Cannabis Farm Workers
Extra aus Mexiko wurde fachkundiges Personal eingeflogen, um neue Vegetationsflächen für einen frischen Durchgang zu konzeptionieren und fachgerecht vorzubereiten. Im Bild ist nach wie vor eines der Wachstums-Gewächshäuser zu sehen.
Umluft ist alles. Na gut, nicht alles – aber wer kräftige Pflanzen züchten möchte, die nicht durch überdurchschnittliches Spargeln auffallen, sollte ausreichend viele Umluft-Ventilatoren in seiner Growbox oder im Gewächshaus installieren. Wind sorgt für kräftige Sprossachsen und sorgt teilweise sogar für verholzte Stämme!
Daniel und ich mussten uns überdurchschnittlich oft ducken – so wie hier, als es von Wachstums-Gewächshaus 1 in Wachstums-Gewächshaus 2 ging.

Jetzt kommen wir endlich zum Blüte-Haus der Cannabis-Farm!

Nach etwa einem Monat kommen die Cannabis-Pflanzen vom Wachstumshaus ins Blütehaus. Doch warum können die Pflanzen nicht einfach in ihrem Wachstums-Haus zu Ende wachsen? Das liegt daran, dass der Zyklus einer Pflanze in diesen riesigen Maßstäben unter Einbezug von Personalkosten, Grundstückskosten und Ertrag am wirtschaftlichsten gehalten wird, wenn die Wachstumsphase ca. einen Monat beträgt und die Blütephase ca. 2 Monate. Man muss zum Beispiel bedenken, dass die Pflanze in der Blütephase ihre Höhe verdoppelt. Das führt im Endeffekt dazu, dass mindestens doppelt so viel Fläche für die Blütephase wie für die Wachstumsphase benötigt wird. Pflanzen im Wachstum nehmen schließlich zu Beginn ihres Wuchses deutlich weniger Grundfläche ein als in der Blüte. Das gleicht sich jedoch dadurch aus, dass die ein oder andere Pflanze männlich ist und gar nicht erst ins Blütehaus transportiert wird.

Cannabis Pflanzen Transport
Zu Beginn der Blüte werden die vorgewachsenen Pflanzen ziemlich traditionell auf einem Han(d/f)-Wagen vom Veggie-Haus ins Blüte-Haus transportiert.
Luftaufnahme im Blüte-Gewächshaus.
Auf Tischen aus Drahtgitter gesellen sich Schläuche zur Tröpfchenbewässerung zu unzähligen Pflanztöpfen mit Cannabis-Pflanzen in der anfänglichen Blütephase. Die Tische werden zur effizienten Wartung verwendet, da so kein Platz für Gänge eingeplant werden muss. Wenn Arbeiten anfallen,  kann man die Tische mittels der im Tischrahmen befindlichen Rollen variabel verschieben – ähnlich wie in riesigen Archivräumen. Außerdem stellen Tische eine angenehme Arbeitshöhe sicher.

Budporn.

Cannabis ist eine Pflanze – je nach Ehrgeiz beim Beschneiden wächst die Pflanze mal höher, mal niedriger. Wo Licht ist, ist auch Schatten – wo Pflanzen überdurchschnittlich groß werden, klauen sie anderen Pflanzen zeitgleich Licht, weshalb diese unterdurchschnittlich klein bleiben. Die hier gezeigten Exemplare wachsen besonders üppig.
Im Detail zeigen sich die Blüten besonders fotogen.
Wenn wir schon von Blüten reden, sollten wir auch über Wasser sprechen: In Kalifornien herrscht ja bekanntermaßen Wasserknappheit. Knappheit trifft es gut, Mangel wäre übertrieben. Noch reicht das Wasser des Colorado-Rivers aus, um die ganzjährige kalifornische Landwirtschaft und verschiedene Städte wie Salt Lake City, Las Vegas oder Los Angeles zu versorgen. Um das Wasser vom Colorado River in ganz Kalifornien zu verteilen, existieren zahlreiche (unabgedeckte) Kanäle und riesige Infrastruktur-Projekte wie das Kalifornien-Aquädukt. Da sich in den Weg des „staatlichen Wasserprojektes“ zahlreiche Erhebungen empor heben, muss pro Jahr Energie im Wert von 200 MIO USD eingesetzt werden, um Pumpen usw. zu betreiben. Im Bild sind die Wasservorräte der Cannafornia Farm in Salinas zu sehen.
Doch das soll es an der Stelle auch schon gewesen sein mit dem kleinen Exkurs in die Wasser-Problematik. Hier noch einmal eine prächtige Pflanze mit gar nicht mal sooo dicken Blüten.

Und wie geht es nach der Ernte weiter mit den Pflanzen?

Nach der Ernte werden die Pflanzen zunächst ziemlich grob zerkleinert, also nur von den Sonnensegeln befreit, und in voller Länge zum Trocknen aufgehangen. Das geschieht ganz umstandslos mittels Kleiderbügeln. Nach einer gewissen Zeit im durchlüfteten Raum auf den Kleiderbügeln und dem ein oder anderen Zwischenschritt landen die Pflanzen dann bei den TrimmerInnen, welche die Blüten genau so zerkleinern, wie wir es am liebsten haben [LINK]. Anschließend wird noch eine knallgrüne Plastikschachtel etikettiert und der Weg zum Distributor kann beginnen.

In liebevoller Handarbeit werden die geernteten Pflanzen grob beschnitten auf Wäschebügeln zum Trocknen aufgehangen.
In Reih und Glied auf der Wäschestange aufgereiht trocknen Reserve OG und Chemdawg um die Wette.
An der Trim-Station kümmern sich diese Mitarbeiterinnen darum, dass die Blüten im Verkauf absolut pornös aussehen.
Etiketten und Dosen, in denen die wertvollen Blüten ganz am Ende des Prozesses verpackt werden.

So. Und jetzt die wichtigste Frage: Wie schmeckt das Weed von der Cannafornia Farm?

Wir bekamen zwei Packungen Raspberry Cookies als Gastgeschenk. Eine Sorte mit seichten 10% THC, leckerem Himbeergeschmack und angenehmen Sativa-High. Nichts besonderes im Vergleich, aber auch nicht die schlechtesten Blüten unserer Reise. Man schmeckt heraus, dass mit mineralischem Dünger ernährt wurde. Jedoch nur leicht, denn auch bei Cannafornia Farms werden die Pflanzen vor der Ernte noch einmal ein paar Tage nur mit Wasser gespült. Trotzdem, organisch/Bio ist hier nicht gearbeitet worden. Ansonsten dominieren tatsächlich Himbeer- und Keksnoten, wobei ich persönlich als erklärter Cake-Sorten-Fan sofort zufrieden mit Geruch und Geschmack war. Mein spanisches Bio-Weed spielt trotzdem in einer anderen Liga. Was Cannafornia Farms jedoch kann: Die richtige Größe der Blüten. Schön klein, hier zahlt man nicht für Stengel. Schön kompakt, perfekt für einen Blunt und ohne Grinder.

buds klein raspberry cookies
Lecker Raspberry Cookies!
Zum Abschluss müssen wir euch noch unbedingt unsere netten Führerinnen auf der Farm vorstellen. Die rechte Dame wird gerade zur Leitungsfigur eingearbeitet.
So. Und an der Stelle sind wir leider auch schon am Ende unserer kleinen Exkursion auf die Weedfarm angelangt. Wie ihr sehen könnt, ist Großgrundbesitzer Daniel in Eile zu einem Business-Termin mit Besitzer Paul King in LA und düst gleich mit seinem Cabrio davon. Ich hoffe, ihr habt den angloamerikanischen Eindruck genießen können und folgt uns fleißig auf Instagram unter @Cannabis_rausch_de und meinem Fotokanal @lofotomanie. Bei Fragen seid bitte nicht schüchtern und nutzt die Kommentarfunktion. Lob und Kritik sind auch gern gesehen.

Disclaimer: Macht das bitte nicht zu Hause in Deutschland nach: Bis der Anbau von Cannabis erlaubt ist, geht auf die Straße und nehmt euer Demonstrationsrecht wahr.

Lorenz

Lieblingsfarbe Grün - Farbe der Hoffnung, Farbe meiner politischen Heimat und Farbe meines Lieblingskrauts. Weitere Buzzwords meines Lebens sind Fotografie, Reisen und die Liebe zum geschriebenen Wort. 1997 wurde ich im tiefsten Osten geboren und bin trotzdem (oder gerade deswegen?) ein linksgrünversiffter Gutmensch geworden. Nach 1,5 interessanten Jahren dualer Studiertätigkeit im Fach Wirtschaftsinformatik widme ich mich mich im Moment ganz im Sinne meiner Bloggertätigkeit einem Bachelor in Gartenbau.

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