Grasgeflüster: Kiffen im Zoo – das perfekte Setting?

Setting, Setting, Setting. Die geistige und körperliche Verfassung bestimmt das High oft viel stärker, als die konsumierte Grassorte- bzw. Menge. Diese Einsicht habe ich mit der Zeit bekommen. Zum Beispiel hatte ich große Erwartungen an mein erstes Gorilla Glue Hasch, wobei ich zum Tag des Tathergangs an meinen Erwartungen minimal gescheitert bin. Genauso erging es mir bei meinem ersten Purple Haze, welches mich ebenso nicht im erwarteten Maße von den Socken reißen konnte. Mag sein, dass holländische Coffeeshops diesbezüglich auch nicht immer die Triple-A-Qualität haben, die man sich erhofft. Oder dass das Gorilla Glue Hasch in Wirklichkeit gar kein Gorilla Glue Hasch war. Aber davon möchte ich ungern ausgehen, gerade weil ich besagtes Gorilla Glue Hasch im 1eHulp geraucht habe – einem meiner Lieblings-Coffeeshops in der holländischen Hauptstadt.

Dem gegenüber stehen unzählige gemütliche, wie auch amüsante Abende in vertrauter Runde, an denen die konsumierte Menge relativ gering war und das Gras allenfalls Standard. Doch im Gegensatz zu den großen Trips ins unbekannte Holland, fanden und finden solche Abende meist in vertrauter Umgebung statt. Da fühlt sich der ganze Körper pudelwohl. Ein libertäres fest für Körper und Geist. In solchen Runden hat man keinen Druck, keine gesellschaftlichen Konventionen, an die es sich zu halten gilt, und meistens genug zu essen für jeden Fressflash. Alternativ die Nummer des Lieblingspizzaservices. Kurzum: In vertrauter Runde (oder auch mit dem Partner) fühlt man sich richtig schön frei und kann den Trip in vollen Zügen genießen.

Doch während ein zu gemütliches Setting auch fix zu unangenehmen Einschlaf-Momenten mit nachhaltig unangenehmen Edding-Erlebnissen führen kann (analog zu hohem Alkoholkonsum), gibt es auch noch andere supertolle Settings, die man ab und zu in sein Leben mit Cannabis einfließen lassen kann. Oder sollte? Jeder wie er möchte. Jedenfalls ist solch ein schönes Setting ein Zoobesuch.

Zoo – der Ort, an den du immer wolltest, ohne es zu wissen.

Während die Peta und andere NGOs sich gegen das Einsperren von Tieren stellen und die BBC sich mal wieder mit einer neuen hammergeilen Naturdoku selbst übertrifft, gibt es sie immer noch in großer Zahl: Zoos. In Deutschland gibt es je nach Kategorisierung bis zu 1000 Parkanlagen mit Tieren als Hauptattraktion. Von Montag bis Freitag werden sie von Schulklassen und Rentnern mir Enkelkindern besucht, aber natürlich auch von Verhaltensforschern und anderen Tierfreunden. Ach ja: Und dann gibt es da noch die Männer in der Midlife-Crisis, die ihre sündhaft teuren, weißen Tele-Objektive endlich mal ausfahren können.

Und dann gibt es noch mich. Mit vier Freunden im Gepäck und etwas genüsslichem Legalyptus im gerollten Papier habe ich mich zum Dresdner Zoo aufgemacht. Tristesse meiner Kindheit, der Leipziger Zoo war schon immer das attraktivere Ausflugsziel. Der Dresdner Zoo kam mir immer wie ein einziger Betonbunker für Tiere vor – mal sehen was ich nach langer Zeit für einen Eindruck bekomme.

Fragestunde am Ticketschalter

Das erste Highlight der Ticketverkauf: Ich habe gerade mein Studium abgebrochen und besitze dementsprechend keinen Studentenausweis und ein Kumpel hatte auch nichts da. Aber wir wollten unbedingt für 8€ statt 12€ in den Zoo! Also haben wir uns gedacht, wir gehen aufs Berufsschulzentrum. Der Ticketverkäufer war allerdings gründlich und fragte uns, was man denn da lerne – Wirtschaft. Nach minutenlangen weiteren Ausführungen hatten wir sie dann endlich – unsere Tickets zum ermäßigten Tarif.

Los ging es dann gleich mit den Giraffen. An diesem Frühlingsgefühle-weckenden Februartag waren sie zum Glück draußen und haben… gegrast. Naja, sie haben auf dem erdigen Boden rumgestanden und Löcher in die Luft gestarrt. Was sollte eine Giraffe auch sonst in Deutschland und dann noch einem Zoo tun?
Überhaupt: Was nützt es der Giraffe, dass die Evolution ihr so einen langen Hals verpasst hat, wenn die Giraffe eigentlich 24/7 vom Tierpfleger verwöhnt wird? Die langen Stelzen würden mich irgendwann nerven – und dann noch der lange Hals :D. Da kann man sich nicht mal schnell hinlegen, um mal das Leben zu genießen. Und zum Trinken müssen sich die Tiere die ganze Zeit bücken. So jedenfalls meine Gedanken während dem Konsum psychoaktiver Drogen. Aus nüchterner Sicht kann ich den Tieren da nur einen guten Orthopäden wünschen. Und Verzicht auf Drogen, so eine Giraffe sollte nicht aus dem Gleichgewicht kommen, das gibt ein Schweinerei.

Wir fünf waren auf einem perfekten High. Und das mit einem halben Gramm Stanni. Ich sag ja: Setting, Setting, Setting – Unter diesen Umständen waren die Giraffen einfach nur sehr lustig anzusehen und haben zum Nachdenken angeregt. Mitleid haben in dem Kontext nur die an der Seite stehenden Zebras erregt, denen im Schatten der schlaksigen Giganten wohl nicht so wohl war, wie die Tierpfleger das eigentlich gerne hätten.

Weiter ging es dann entlang der Nahrungskette zu den Löwen. Drei Weibchen mit verlockend kuschligen Tatzen haben im Innengehege im Delirium ihren Tag verpennt. Unzählige Kratzspuren verraten allerdings, dass die Tiere ab und zu auch mal ihrer Natur freien Lauf lassen. Frei drehen. Wer weiß, vielleicht hätten wir die armen Tiere ja auch mal am Joint ziehen lassen sollen?

Taschenspieler-Tony

Nachdem wir uns noch ein paar unspektakuläre Fische und fröstelnde Präriehunde reingezogen haben, kamen wir schon zum absoluten Highlight: Den Orang-Utans. Und gleich zu Beginn: Der Zoo der Wahl braucht unbedingt Orang-Utans! Nichts ist interessanter anzusehen, als diese höchst emotional intelligenten Tiere. Das ist auch ganz lustig, weil das Orang-Utan-Männchen Tony uns die ganze Zeit über systematisch gepranked hat. Ich wollte ein nices Foto von ihm machen, wie er gerade gähnt. Er hatte ein schönes Gebiss, auf seine eigene Weise. Doch während ich mit der Kamera auf ihn hielt, gähnte und gähnte er nicht, worauf ich die Kamera wieder unnütz über meiner Schulter hängen ließ. Und natürlich hat der Schlingel sich in dem Moment meiner Kapitulation vor dem Foto vor den aufgedrehten Kindern und gelangweilten Großeltern präsentiert und kräftig gegähnt! Das willste nicht glauben :D. Er hat das solange ausgenutzt, bis ich die Kamera wieder angeschaltet habe. Ab dem Moment war natürlich wieder Ruhe bei dem Zottel.

Und so ging das in einem Lauf. Der völlig fürs Leben traumatisierte Orang-Utan versuchte, das beste aus seiner Situation herauszuholen. Schön mit der Pappe chillen und den Kindern hinter der Scheibe die wenigen, übrig gebliebenen Zähne zeigen. Lächeln! Ich fand das richtig super, selten wird man so gut vorgeführt von einem Lebeweisen, welches man eigentlich für ein ganzes Stückchen unterlegener hält. In dem Moment wurde mir auch erstmals klar, warum sich Menschen dafür einsetzen, dass auch Tiere Rechte bekommen, die unseren ähneln. Aber wenn für die Awereness dieses Themas ein Fotograf von der Peta für ein im wahrsten Sinne des Wortes affengeiles Foto (Selfie eines Affen) über eine Million verklagt wird, macht sich die Szene natürlich auch ein ganzes Stück lächerlich.

Sei’s drum, wir erfreuen uns weiter an den Tieren. Tut den Tieren doch auch mal gut, Menschen in einem anderen Alter als unter 15 und über 60 zu sehen. Beweis: Das Känguru posiert zum Gruß im Sonnenlicht, während es uns einen gönnerhaften Blick zuwirft. Ehrenmann!

Am Valentinstag im Zoo

Da wir am Valentinstag im Zoo waren, haben wir natürlich auch Ausschau nach Liebe im Tierreich gehalten. Wir sollten in der Dunkelgrotte Glück haben, denn dort haben sich zwei Käfer nicht von unseren starrenden Blicken abhalten lassen, ihren Trieben zu folgen. Finde ich klasse, so viel Selbstvertrauen hat nicht jeder!

Apropos Poppen: Wenn wir schon bei dem Teil sind, der erst ab 21:oo lesbar ist, noch meine Theorie zum ansonsten eher trostlosen Sexleben der Zootiere am Valentinstag: Während die kleinen Mistkäfer ein super ausgestattetes Gehege zum Essen, Trinken, Schlafen und Spielen haben, müssen die Löwen zum Beispiel auf engstem Raum Mittagsschlaf machen. Da gibt es keinerlei Herausforderung, da nagt nicht der Hunger und Wasserknappheit herrscht im Zoo auch nicht vor. Der Körper von Löwen im Zoo wird ähnlich heruntergefahren, wie der Körper des Menschen im Büro. Schätze ich mal. Da kommt kein Adrenalin ins Blut, da ist chronischer Testosteron-Mangel!

Die Tiere haben dann einfach gar keinen Bock mehr aufs poppen. Und außerdem sind sie wahrscheinlich sterilisiert oder dürfen nur mit Kondom, wer weiß das schon. Falls du Tierpfleger bist, kannst du ja gerne mal kommentieren, ob es Verhütung oder überhaupt Geschlechtskrankheiten bei Tieren gibt. Ich könnte das natürlich jetzt auch einfach googeln, aber ist ja auch mal interessant, ob unser Blog auch von Tierpfleger(n) gelesen wird. Gibt da ja einige Schnittmengen.

Nachdem wir aus dem Dunkelkammer-Zoo wieder ans Tageslicht gekommen sind, hatte die Sonne leider schon hämisch ihren Abgang angekündigt. Perfekt für ein paar letzte Paul-Ripke-Gegenlichtfotos, aber auch irgendwie als cooler Indikator dafür, dass wir es den ganzen Tag im Zoo ausgehalten haben. Ganz ohne den geringsten Drang, jetzt auch mal wieder zu gehen.

Der Zoobesuch war echt eine lohnenswerte Angelegenheit. Super Setting für einen schönen Tag im High. Und als Nebeneffekt wird man super für die Bedürfnisse der Tiere sensibilisiert und kann sich gut in ihre Gedanken reinversetzen. Klingt strange, oder? Deswegen: Probier es unbedingt mal aus.

In seiner Grasgeflüster-Kolumne stellt euch unser Autor Lorenz regelmäßig Anekdoten und Geschichten aus dem oft unterhaltsamen Leben eines modernen Kiffers vor. Ihr findet alle Grasgeflüster-Beiträge gesammelt auf dieser Seite: [Klick mich].

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