Horrortrip dank Cannabis – eine wahre Erfahrung.

Horrortrip dank Cannabis – eine wahre Erfahrung.

Ich kenne mich zugegeben mit Cannabis nicht genügend aus. Diese Erkenntnis musste ich nach einem wahren Horrortrip ziehen. Ich konsumiere für gewöhnlich auch kein Gras. Klar, ich hatte es schon mal probiert, aber dabei war es ansonsten auch geblieben. Ich habe einfach kein Verlangen nach Drogen. Weder nach Alkohol, Tabak oder sonst etwas. Ohne all das komme ich nämlich prima klar. Ich dachte jedoch bisher immer, das Gras nicht so schlimm wäre, keine ernst zu nehmende Droge. Nur etwas, das einen ein bisschen high, also hauptsächlich entspannt macht. Bis zu diesem Abend.

Mein Freund kam an einem harmlosen Mittwoch nach der Arbeit mit etwas Gras nach Hause. Er wollte entspannen und meinte er würde das super gerne mit mir zusammen machen. Ich war zwar nicht scharf darauf, dachte mir aber auch nichts Wildes dabei und war einverstanden, dass er uns einen Nachtisch daraus machte. Um das THC zu aktivieren, steckte er das Gras eine ganze Stunde in den heißen Backofen und krümelte es dann über unseren Joghurt mit Obst.

Wir teilten uns die Portion, ich glaube es war kurz nach 20 Uhr.

Irgendwie ging ich davon aus, dass ich absolut nichts von dem high an diesem Abend spüren würde. Ich war nicht vorbereitet. Und ich wusste nicht, dass man durch Cannabis überhaupt so etwas Schlimmes erleben kann. Aber nach etwa einer Stunde begann bereits die Wirkung einzusetzen.

Mir wurde etwas schwummerig und seltsame Wellen bereiteten sich in meinem Körper aus. Plötzlich fiel mir auf, wie viel wir da eigentlich gegessen hatten! In etwa dieselbe Menge, die man normalerweise auf ein gesamtes Blech beim Brownie backen verteilt. Und davon isst man dann nur ein, zwei, maximal 3 kleine Stückchen an einem Tag. Das heißt, bisher hatte ich nie mehr als einen winzigen Bruchteil von der Menge, die ich an diesem Abend auf einmal zu mir genommen hatte gegessen. Und so viel wusste ich: wenn man Cannabis isst, wirkt es viel stärker, als wenn man es raucht.

Ich war am Arsch.

Es ging rapide bergab mit mir. Unglaubliche Wellen von Schmerzen überrollten mich in kurzen, regelmäßigen, Abständen. Es tat mir alles weh, wie in krampfartigen Schüben. Genauer konnte ich es nicht lokalisieren oder jetzt beschreiben. Dann folgte ein Blackout. Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht wann, aber irgendwie hatte ich mich ins Bett geschleppt. Mein Freund war die ganze Zeit bei mir und versuchte mir zu helfen. Denn was als nächstes kam, auch wenn ich mich an die Reihenfolge der Ereignisse absolut nicht mehr erinnern kann, war wirklich nicht schön.

Mir wurde schlecht. Ich glaube ich sagte es etwa 50-mal hintereinander… „Mir ist so schlecht“, bevor ich ins Badezimmer bugsiert wurde und einfach nur noch kotzte. In Mengen. Waschbecken, Toilette, alles voll. Ich erspare euch mit Absicht diese Details nicht. Ich wäre an diesem Abend froh gewesen, hätte ich vorher Bescheid gewusst, was passieren kann, dann hätte ich mir diesen Trip erspart.

Mein Freund tat mir Leid, weil er alles sauber machen musste.

Allerdings in dem Moment nur sehr kurz, da ich kaum verstand was da gerade überhaupt passierte. Ich war nicht wirklich anwesend. Er schickte mich wieder ins Bett, während er putzte.

Ich hatte mein Gefühl für Zeit und Realität komplett verloren. Ich wusste nicht mehr wer oder wo ich war. Ich sah mir unser Schlafzimmer an. Es kam mir so winzig und dunkel vor, dass mir meine Umgebung Angst machte. Zugegeben unser Schlafzimmer ist in Wirklichkeit nicht gerade das Größte, aber meine Wahrnehmung während meines Trips war definitiv extrem übertrieben. Ich hatte Angst dass es nie wieder hell werden würde. Ich war davon überzeugt, dass es für immer dunkel sein würde und ich konnte mich nicht mehr entsinnen, ob es jemals anders, also hell gewesen war. (Anmerkung: Es war bereits dunkel draußen und wir hatten nur eine kleine Lampe im Nebenzimmer an).

Ich war psychisch fix und fertig.

Und so war ich mir nicht ganz einig was los war. Meine Schlüsse die ich während meines Trips zog waren, das ich:

A: gerade im Sterben lag, wegen den Schmerzen, der Dunkelheit, Angst und Beklemmung, sowie dem Verlust meiner Realität und Erinnerung. Ich war sicher dass meine Welt mal anders ausgesehen hatte und ich konnte es nicht fassen, dass sie nun so schrecklich war.

B: ich die ganze Zeit geschlafen hatte (also das mein gesamtes Leben ein Traum war) und nun war meine Seele aufgewacht und ich erfuhr wie ich als Seele in diesem physischen Körper gefangen war und die Schmerzen kamen daher, dass ich nicht aus dieser engen physischen Erfahrung raus konnte.

Oder

C: ich war bereits Tod und gerade in einer Art Hölle. Auch wenn ich nicht daran glaube und ich nicht religiös bin. In dem Moment war das meine Option Nummer 3.

Ich durchlief innerlich alle schlimmen Dinge, die mir jemals im Leben zugestoßen oder schief gelaufen waren. Ausschließlich die schrecklichen und negativen Erinnerungen kamen hoch und machten mich fassungslos, dass sie die Realität sein sollten. Ich verstand nicht dass das alles wirklich passiert sein sollte. Das Problem war, das sie eben auch alle auf einmal hoch kamen. Nicht wie im wahren Leben, wo man Zeit hat eine unschöne Situation zu verarbeiten. Alles strömte hintereinander weg auf mich ein.

Wenn jemand von euch mal den Film „Hinter dem Horizont“ gesehen hat, dann erinnert euch bitte an die Szene, wo sich die Frau umgebracht hat und dafür in der Hölle gelandet ist, anstatt im Himmel bei ihrem Mann. In etwa so habe ich mich gefühlt. Panisch, ängstlich, verwirrt, ohne Erinnerung. Mein Freund war zwar die ganze Zeit da und auch wenn ich wusste dass ich ihn kenne, hätte ich mich niemals an seinen Namen oder sonst irgendetwas erinnern können. Ich wusste nur dass ich ihn kenne und ich war jedes Mal froh, wenn er in meinem extrem eingeschränkten Gesichtsfeld auftauchte.

Welche der oben aufgeführten Optionen es auch war, ich wollte unbedingt dass es aufhört.

Ich wollte am liebsten loslassen und falls ich noch nicht Tod war, war meine Überzeugung dass der einzige Weg aus dieser Tortur mein Ableben war. Glücklicherweise war ich körperlich nicht dazu in der Lage mir etwas anzutun. Der Gedanke kam mir auch nicht. Ich dachte nur, dass ich das definitiv nicht überleben würde.

Zwischendurch erinnere ich mich, dass ich unter höchster Anstrengung versuchte das Konzept von Zeit zu verstehen. Ich starrte mehrmals hintereinander auf die Uhr und trat den Versuch an auszurechnen, wie viele Minuten vergangen waren. Einmal kam ich auf das Ergebnis, das genau 7 Minuten vergangen waren. Es kostete mich allerdings gefühlte 10 Minuten das auszurechnen. Zeit existierte nicht dort wo ich war.

Ich befand mich plötzlich außerhalb von mir, außerhalb von allem. Als schwebte ich irgendwo im Universum und ich konnte den gesamten Zeitstrahl der Erde überblicken. Alles war da, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wie eine Bildergalerie die vor mir ausgebreitet war und auf der ich beliebig hin und her reisen konnte. Ich sah Dinosaurier und die alten Ägypter. Es existiert alles gleichzeitig. Zeit ist eine Illusion war meine Erkenntnis. Aber es war viel zu viel für mich. Ich wurde wieder zurück in mein begrenztes Bewusstsein gesaugt und mein Kopf explodierte fast, auf Grund dessen das ich versuchte diese Erfahrung zu verstehen und zu verarbeiten.

Mir kam die Idee dass ich vergiftet sein könnte, oder das vielleicht LSD im Gras gewesen war.

Ich weiß noch, dass ich mich mit meinem Freund darüber unterhielt. Ich fragte ihn ob es das sein könnte, was mit mir los war. Nachdem er mir versicherte dass es kein LSD war, flehte ich ihn an, mir bitte ein Gegenmittel zu besorgen. Leider meinte er, dass es dafür kein Gegenmittel geben würde, was mich in meinem begrenzten Verständnis unglaublich unglücklich machte. Ich konnte nicht glauben, dass kein Arzt und kein Gegenmittel mir helfen könnten.

Mein Freund tat alles Mögliche, um mich zu beruhigen und mir zu helfen. Leider gibt es in einem solchen Fall einer heftigen Nebenwirkung nicht wirklich viel das man tun kann. Er versuchte es z.B. indem er mir beruhigend zuredete, das alles wieder gut wird. An einem ruhigen Ort war ich ja bereits, nämlich im Bett. Man sollte als Außenstehender einfach aufpassen das sich die Person, die gerade auf einem schlechten Trip ist, sich nicht wehtun kann oder sonst irgendwie verletzt.

Was mir am Ende half, war ein Gegenstand an den ich mich klammern konnte und der mir, wann immer ich ihn wahrnahm zeigte, dass ich im Diesseits – in der Realität war. In meinem Fall war es eine kleine, fast leere Plastik Wasserflasche. Wir nannten sie Realitätsflasche. Seltsamerweise konnte ich mich gegen Ende des Trips sehr gut damit anfreunden, dass ich wohl gerade eine Inception Erfahrung durch machte.

Mir fiel es schwer einzuschlafen, die Schmerzen machten es mir lange Zeit unmöglich, auch wenn für mich Zeit nicht mehr existierte. Was während meiner Blackouts war, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht döste ich ja doch zwischendurch.  Ich wusste zu diesem Zeitpunkt dann aber, das einschlafen meine Heilung sein würde. Ich musste aus diesem Albtraum artigen Wachzustand, sozusagen eine Stufe weiter runter in einen richtigen, entspannenden Traum, um danach dann heil und mental wieder auf der richtigen Ebene aufzuwachen.

Und genau das gelang mir irgendwann.

Ich weiß nicht wann, oder wie, aber ich schlief ein. Als ich gegen 4 Uhr morgens das erste Mal aufwachte, war es vorbei. Nach 7 Stunden. Ich weinte vor Erleichterung, weckte meinen inzwischen ebenfalls schlafenden Freund neben mir und wir umarmten uns. Auch er war froh dass ich wieder da war. Gemeinsam schliefen wir wieder ein.

Der nächste Tag war mit mir nichts anzufangen. Ich war high. Also normal high inzwischen. Hauptsächlich aber müde und erschöpft. Und ich war glücklich am Leben zu sein.

Das ist mein persönliches Fazit: Cannabis? Nie wieder. Jedenfalls für mich nicht. In keiner Form. Ich habe nichts dagegen, wenn andere es konsumieren, aber ich bin durch damit auf dem Gebiet Erfahrungen zu machen.

Gastautor

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5 Gedanken zu „Horrortrip dank Cannabis – eine wahre Erfahrung.

  • September 21, 2017 um 11:21 pm
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    Oh mein Gott das klingt ja grauenhaft, ich wusste bisher auch nicht das Cannabis solche Wirkungen haben kann und ich kiffe seit 15 Jahren. Krass was du da für Visionen hattest echt heftig.

    Antwort
  • September 22, 2017 um 4:27 pm
    Permalink

    solche Erfahrungen sind WERTVOLL.
    Klar fühlt es sich grausam an, aber Du lernst so viel dadurch…
    Bitte versuch es positiv zu sehen und es als aussergewöhnliche Reise in die Anderswelten anzunehmen, ich hatte sowas auch schon und habe gelernt, dass LOSLASSEN die einzig wirkende und sinnvolle Sache ist, dann verliert es die bedrohliche Kraft, einfach sich immer sagen, dass es bald wieder alles ok ist und in die dunklen Seiten Deiner Selbst reinfühlen, erkennen…

    Antwort
  • Oktober 5, 2017 um 10:40 am
    Permalink

    Oh nein.. das klingt absolut nicht nachdem, was Gras eigentlich bewirken sollte..
    Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass ich es nur rauchen kann.
    An meinem 19. Geburtstag hatte ich nämlich einmal Brownies gebacken und kann mich auch an kaum was erinnern. Ich war zwar zwischenzeitlich auch draußen, bin sogar Bus gefahren, aber immer wieder weggenickt und kann mich an den größten Teil des Tages nicht erinnern.. meinem Freund ging es ähnlich und es war für uns beide leider in keinster Weise angenehm..

    Liebste Grüße
    Lu

    https://oceanhippieblog.wordpress.com/

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