Interview mit einem Grower. 11 Fragen

Das Thema Growen, sprich sich selbst Cannabis anzubauen, wird in Deutschland immer populärer. Ich selber habe auch eine Vorliebe zum Growen, kann diese Leidenschaft aber nicht so ausüben wie ich gerne würde. Das ist der Nachteil, wenn man sich öffentlich für Cannabis einsetzt. Daher habe ich auch nur eine prachtvolle, aber normale Zimmerpflanzen-Sammlung und züchte diese. Dennoch gibt es viele Grower in Deutschland und ich will mehr von ihnen erfahren. Daher habe ich mich auf die Suche begeben und habe den ersten Grower zum Interview geladen. Selbstredend ist dies ein anonymes Interview.

Also, viel Spaß beim lesen und lernen.

Erzähl uns mal etwas über deinen Bildungsstand und was du im alltäglichen Leben so treibst.

Ich habe mein Abitur an einer Privatschule gemacht, ein freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert und dann studiert, etwas in Richtung Medien. Der Studiengang ist so selten, dass es schon fast verräterisch wäre ihn hier zu nennen.
Im alltäglichen Leben arbeite ich freiberuflich in der Medienbranche.

Warum baust du Cannabis an? Und vor wie vielen Jahren hast du angefangen?

Ich hatte schon sehr früh meine erste Pflanze auf der Terrasse meiner Eltern stehen. Ich habe damals in der Schweiz gewohnt, dort war man als Jugendlicher quasi unten durch, wenn man keine eigenen Pflanzen vorweisen konnte. Stecklinge gab es da noch ganz normal im Growshop zu kaufen. Durch mehrere Schul- und Ortswechsel ist der Zeltgarten dann aber etwas auf der Strecke geblieben. In der ersten eigenen Wohnung ging es dann aber direkt wieder los.

Wie empfindest du es, dass der Cannabisanbau verboten ist?

Tatsächlich bin ich hier etwas geteilter Meinung. Natürlich ist das Verbot der Pflanze völlig bescheuert, ohne dieses Verbot wären zigtausende Grower dieser Welt aber nie auf ihre Passion gekommen! Nicht jeder Kiffer wird zum Grower! Aber jeder Grower wird früher oder später zum Pflanzenfreund, seien es Balkonpflanzen, Chilis oder einfach nur Zimmerpflanzen. Das bedeutet für mich im Umkehrschluss: Die „Liebe“ zu den Pflanzen ist nicht bei jedem vorhanden. Aber wer sie einmal entfacht hat, der kommt schwer wieder los! Ohne das Verbot wäre der Anbau nichts besonderes mehr, wahrscheinlich fast schon spießig. Aber klar, meine Grundmeinung ist natürlich für einen freien, unlizensierten Anbau. Angebot und Nachfrage regeln dann den Rest…

Hast du oft Paranoia, dass dich die Cops hochnehmen? Oder gab es schon Probleme mit den Cops?

Paranoia klingt für mich immer nach „eingebildeter Angst“ beziehungsweise einer Angst vor unrealistischen Dingen. So weit ist es bei mir wohl noch nicht. Das tolle ist ja: Eigentlich merkt man gar nicht, dass der Anbau verboten ist. Die Samen gibt’s im Urlaub an jeder Ecke, im Growshop wird man besser beraten als im Gartencenter und im Internet finden sich beispielsweise so tolle Seiten wie deine, auf der man noch ein bisschen der Szene lauschen kann. In Europa, den USA und Kanada gibt es ja einen riesigen Markt rund um das ganze Thema, da vergisst man viel zu oft, was einem mit etwas Pech so blühen kann.

Unangemessene Frage, aber sehr beliebt: Wie viel verdienst du durch das Growing? Oder rauchst du alles selber?

Auf unangemessene Fragen, gibt es eine unangemessene Antwort: Genug. Wenn ich alles selber rauchen würde, wäre ich entweder einer dieser „Ich-grow-in-einem-PC-Gehäuse“-Grower, oder würde mehr rauchen als Helmut Schmidt. Außerdem ist es in meinen Augen unterlassene Hilfeleistung, einen guten Freund gestrecktes Gras rauchen zu lassen und selbst daneben zu sitzen und feines Kush zu qualmen. Ich würde mich aber definitiv nicht als Dealer bezeichnen!

Das Ultimative Equipment zum growen?

Oldschool! Erde, Mineraldünger, NDL-Lampen und die guten alten Growzelte. Als Anfänger braucht man definitiv keine Booster, Hormontropfen, Vitaminpräparate oder Vollspektrumlampen. Hier wären wir wieder beim Thema Illegalität: Grower in Europa wollen immer so wenig wie möglich investieren und dabei so viel wie möglich rausbekommen. Was ich völlig nachvollziehen kann! Wenn die Polizei alles mitnimmt, soll ja kein Growequipment für tausende von Euros mitgenommen werden. Und das kann eben auch schon vor der ersten Ernte passieren. Daher würde ich sagen: Billig und effektiv einkaufen. Man sollte sich auf jeden Fall beraten lassen und vor dem Einkauf gut informieren, am besten im Growshop.

Und bitte verrate deine Lieblings-Seedbank plus Sorte. Ach, und ein Geheimtipp wäre auch klasse!

Serious Seeds. Jedenfalls wenn es um den Anbau geht. Die Sorten halten was versprochen wird, die Genetiken sind teilweise über 20 Jahre alt und fast jede hat mehrere Cannabis-Cups gewonnen. Riesen Vorteil: Hier werden nicht alle zwei Wochen neue Sorten rausgekreuzt, sondern viel Wert auf stabile und beständige Genetik gelegt. Es sind zwar nur 15 Sorten im Angebot, dafür hat es jede ordentlich in sich! Wer auf viel Ertrag aus ist: White Russian, SOG, nicht toppen, lollipoppen und go!

Lieblingssorte ist extrem schwer zu sagen und eigentlich Stimmungsabhängig. Es gibt diese „Vorfreude-Sorten“ bei denen dich der Geruch beim drehen schon dicht macht, beispielsweise die Blue Cheese oder Brainstorm. Beides extrem geile Sorten für gesellige Abende mit vielen ooohs und aaahs. Dann natürlich Lemon Haze, einfach für den Geschmack und die Wirkung, nice Sorte für tagsüber. Mein absoluter und unumstrittener Favorit ist aber OG Kush.

Outdoor oder Indoor?

Outdoor wer will, indoor wer kann! Für mich ist ein guter Indoorgrow die Königsdisziplin, Outdoor in Europa ist meistens so na ja… Outdoor unter Glas ist definitiv auch eine feine Sache und wenn die Sonne hier scheinen würde wie in Marokko, wäre ich auch großer Freilandfreund. Tut sie aber nicht! Und da ich mir nicht vom miesen Herbstwetter vorschreiben lassen will, wann der letztmögliche Erntezeitpunkt gekommen ist, bleibe ich beim Indoorgarten.

Wie bleibt man am besten Undercover? Hast du da bestimmte Tricks?

Bezahlt eure Rechnungen, schleppt keine Erde durch den Hausflur und investiert regelmäßig in neue Aktivkohlefilter. Seid nett zu euren Nachbarn und zeigt eure Box nicht jedem Trottel!
Mein kleiner Trick zum Thema Erde: Benutzt einen Koffer oder Umzugskisten für den Transport! Diese erwecken deutlich weniger Verdacht, als Säcke mit „GROW-MIX“-Aufdruck! Wenn ihr dann noch etwas von „Urlaub kann losgehen“ oder „und ab zur Altkleidersammlung“ faselt, seid ihr wenigstens von dem Tratsch in der Nachbarschaft befreit…

Was hältst du von Autoflower Seeds?

Für Outdoorgärtner definitiv eine geile Sache, für Indoorgrower der blanke Horror! Als Zeltgärtner will ich die Kontrolle über meine Pflanzen haben, will ihnen sagen wie groß sie werden und ab wann sie mit der Blütephase beginnen sollen und welche Äste mehr Energie bekommen als andere. Autoflower Seeds machen dir in all diesen Punkten einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommt noch der Stromverbrauch! Autoflower Pflanzen gedeihen am besten unter dauerhaft 20h Licht/Tag, das sind 8h zusätzliche Stromkosten pro Tag. Da diese Sorten meistens einen ziemlich niedrigen THC-Gehalt besitzen, habe ich absolut kein Verständnis für Indoorgrower, die auf selbstblühende Genetik setzen.

Kommen wir zum letzten Punkt: Was willst du den Lesern noch mit auf den Weg geben?

Leute, achtet darauf was ihr so raucht! Gestrecktes Gras schmeckt nicht nur scheisse und wirkt mies, es ist außerdem extrem schädlich und kann eure Lunge deftig zerlegen. Und raucht kein Haze, da habt ihr in Deutschland wirklich zu 99% die Sicherheit das es gestreckt ist!

Ende

 

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

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