Start Magazin Kolumne Drogen müssen weh tun!

Drogen müssen weh tun!

Für uns Genusskonsumenten des geheiligten Krauts ist es wohl DAS Unverständnis schlechthin: Warum nur ist Cannabis verboten, obwohl das Alltagsgift Alkohol erlaubt ist? Warum eilt im Moment noch eine Marlene Mortler durch die Gänge des Bundestags und warum erzählt sie im Auftrag der Regierung immer noch Lügenmärchen?

Ich habe da eine Theorie: Drogen müssen weh tun.

Warum müssen Drogen denn bitte weh tun?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ganz vorn anfangen: Bei den Interessen des Staates und der Gesellschaft. Denn die übergeordnete Motivation einer jeden Drogenpolitik ist immer die gleiche: Einerseits möchte der Staat eine friedfertige und geeinte Gesellschaft vorfinden, andererseits ist er auch an arbeitswilligen, fleißigen Bienchen interessiert.

Gerade der letzten Forderung könnten wir Bürger nach Auffassung des Staates besser im nüchternen Zustand nachkommen. Wir sollen funktionieren, damit die Wirtschaftskraft auch im nächsten Jahr wieder um x Prozent zulegt. Und wer kann die Wirtschaft besser vorantreiben, als ein starker, nüchterner Bürger? Ein starker, nüchterner Bürger, der keinen Salat isst, damit der Bizeps nicht schrumpft. Ein starker Bürger, der früh um 7:00 Uhr fit auf der Matte steht und keine Ausfallstunden generiert.

Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Individuen einer Gesellschaft. Also das, was du und ich gerne machen möchten – und was nicht. Dazu gehört natürlich, dass wir so wenig wie möglich (und so viel wie nötig) arbeiten wollen. Denn Hand aufs Herz: Die meisten Jobs sind einfach nicht so der Traum und werden nur angenommen, damit der kleine Timmy auch morgen noch eine Stulle mit in die Schule nehmen kann oder die Finanzierung des teuren Schwarzmarkt-Dopes gesichert ist.

Wir als „Arbeiter“ wollen doch einfach nur die Kohle – dafür nehmen wir alle möglichen Jobs an, je nachdem wie weit wir mit unserem Bildungsmasterplan sind (den wir aufgestellt haben, um uns später noch mehr Schwarzmarkt-Dope leisten zu können). Wir als Masse helfen einfach nur der Zielerfüllung einer stetig wachsenden Wirtschaft. Damit der Staat auch morgen noch Renten usw. bezahlen kann.
Thema Renten: Pragmatisch betrachtet, muss der Staat doch ein großes Interesse daran haben, dass seine Bürger nicht gar so häufig die 100-Jahre-Marke überschreiten. Aber dazu später mehr.

Welchen Beitrag können Drogen zum Thema leisten?

Drogen sind definitiv in der Interessenswolke der Individuen zu finden. Du und ich bestehen auf das Recht des Rausches. Wir sehen es als Teil unseres Daseins an, unser Handeln und Tun auch mal im Rauschzustand reflektieren zu dürfen. Wir sind der Überzeugung, dass wir uns von den Strapazen des Alltags mit der Droge unserer Wahl erholen sollten.
Nach welcher Überzeugung aber handelt Vater Staat, wenn er uns den langen Finger der Verbote und Restriktionen zeigt? Er sieht die Gefahr einer von Junkies und Abhängigen dominierten Gesellschaft. Er geht vom schlechtesten einzutretenden Fall aus.

Die Lösung: Der Staat gibt eine Auswahl an Genussmitteln frei. Zwei schädliche Vertreter davon sind Alkohol und Tabak. Denn diese Drogen tun richtig weh! Fast jeder siebte Todesfall in Deutschland lässt sich auf das Tabakrauchen zurückführen, 74.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen von Alkohol.

Diese zwei Drogen „generieren“ zusammen jährlich knapp 200.000 Tote im Land der Dichter und Denker. Wenn das mal keine Hausnummer ist! Außerdem sind die Risiken von Alkohol- und Tabakkonsum nicht zu verachten. Der mündige Bürger, der sich heute Abend betrinkt, hat schon den Kater von morgen im Sinn. Oder den Leberschaden von übermorgen. Der Raucher hingegen weiß genau, wie seine Lunge nach der 10.000 Zigarette aussehen wird. Mit diesen Überlegungen möchte ich verdeutlichen: Der Bürger hat zwar das Recht auf Rausch, weiß aber auch, dass der Rausch Gefahren mit sich bringt.

Zu viel des Rausches kann eine unangenehme Zukunft mit Lungenkrebs, chronischem Husten oder Alkoholsucht mit sich bringen. Und da recht vielen Menschen diese Gefahren bewusst sind, schränken sie ihren Konsum von berauschenden Genussmitteln auf ein tragbares Level ein. Heißt: Die meisten Menschen sind morgens 7:00 Uhr fit und können ihren Teil zum unendlichen Wirtschaftswachstum beitragen.
Davon profitiert natürlich in erster Linie Vater Staat und in zweiter Linie die Gesellschaft. Denn unendliches Wirtschaftswachstum ist auch sehr gut für die Steuern. Der Staat kann mit einem stetigen Wachstum einfach besser seinen Finanzhaushalt planen. So können neben ausreichenden Sozialabgaben nämlich auch elitäre Projekte wie Schäubles schwarze Null finanziert werden.

Warum sind Drogen, die weh tun, besser für den Staat?

Der Staat kann damit zum einen sagen: „Leute, wir sind so großzügig und haben für euch ein paar legale Drogen im Programm, damit ihr euer verdammtes Recht auf Rausch wahrnehmen könnt“. Andererseits kann er auch sagen: „Die erlaubten Rauschmittel haben ein paar Risiken, übertreibt es also bitte nicht“.
Wer diesen Rat befolgt, lebt gesund und ist nicht so oft berauscht, was ja bekanntermaßen ganz gut für die Wirtschaft ist. Wer das nicht tut, stirbt etwas früher als der Durchschnitt. Ganz makaber ausgedrückt: Diese Menschen, die an Folgekrankheiten ihres Tabak- oder Alkoholkonsums sterben, kosten den Staat keine Renten mehr. Und bis zu 200.000 Menschen, die frühzeitig an den Folgen der Volksdrogen sterben, sind sicher ein sehr relevanter Wert bei der Berechnung unserer Rentenzukunft.

Cannabis ist aber (leider) (zum Glück) anders. Denn Cannabis tut nicht weh! Cannabis zieht keinen Kater nach sich, Cannabis macht deine Organe nicht kaputt – und Cannabis verkürzt dein Leben nicht. Cannabis ließe die Menschen wahrscheinlich weniger darüber nachdenken, ob der für diesen Abend angedachte Rausch jetzt wirklich sein müsse. Denn es wäre schlicht egal – was hat man zu befürchten?
Cannabis ließe die Menschen vielleicht auch mehr über den Sinn ihres Lebens nachdenken. Müssen die drei Mini-Jobs im Einzelhandel wirklich sein, oder sollte ich jetzt mal das machen, was mich wirklich weiterbringt, etwas, das mir mehr Spaß macht, was meine Stärken widerspiegelt?

Cannabis würde die Menschen vielleicht auch dazu bringen, ihren Konsum zu reflektieren.

Brauche ich den neuen Flat-Screen wirklich so sehr, dass ich dafür ätzende Überstunden schiebe und mein soziales Umfeld vernachlässige? Oder: Machen mich die 4000€ Brutto im Monat wirklich so glücklich, dass ich ohne zu zögern die 60-Stunden-Woche unterschreibe? Oder sollte ich beruflich etwas kürzertreten, dafür aber auch weniger zum Leben brauchen?

Ich weiß nicht, ob eine Legalisierung von Cannabis die Menschen wirklich zu solchen Fragen bringt. Aber wenn, wäre das natürlich radikal! Wer wenig braucht, kauft wenig. Und wer wenig kauft, schwächt die Wirtschaft. Und hinkt das Wirtschaftswachstum, kann der Staat seine Schwarze-Null-Spielchen in Zukunft vergessen. Außerdem möchte doch kein Arbeitgeber, dass seine Mitarbeiter früh um 7:00 noch halb benebelt ihren Gang ins Büro antreten – es könnte ja ein „unproduktiver“ Tag werden!

Zum Schluss noch ein Gedanke dazu: Immer mehr Arbeitsplätze werden in Zukunft durch Roboter und Algorithmen ersetzt. Viele Menschen werden keiner Arbeit mehr nachgehen können. In Zukunft werden Busfahrer oder Bandarbeiter einfach nicht mehr benötigt – was ja auch nicht schlimm ist. Aber wäre es dann nicht endlich mal an der Zeit, der Gesellschaft, die dann z.B. mit einem bedingungslosen Grundeinkommen versorgt ist, ein bisschen mehr Raum für die Gestaltung ihrer Freizeit zu geben?

Dazu noch eine wirklich letzte, gewagte These meinerseits: Eine durch Cannabis berauschte Gesellschaft würde das Konfliktpotential einer gelangweilten Masse stark senken.

 

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Lorenz
1997 in Dresden geboren, habe ich mich 2017 der Hanf-Pflanze verschrieben. Neben Studien der Wirtschaftsinformatik und Gartenbau-Wissenschaften bin ich kurz nach Gründung von Cannabis-Rausch.de als Autor und Online-Mensch mit eingestiegen und habe im Thema eine Leidenschaft gefunden, die meine folgenden Lebens-Entscheidungen maßgeblich beeinflusst hat. Durch Messe-Besuche, über 125 geschriebene Fach-Artikel, Reisen in legalisierte Länder und die Mitgründung eines Cannabis Social Clubs in Spanien, zahlreichen gehaltenen Vorträgen und der zwischenzeitigen Mitarbeit an WeedUp TV, bin ich 2020 endlich in einem halbwegs statischen Lebensumfeld in der Schweiz gelandet. Mein Job ist die Betreuung verschiedener CBD-Projekte als Gärtner und Marketing-Mensch bei der Glas-Galerie Vapes'n'Dabs in Rapperswil SG, Schweiz.

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