Melatonin und CBD: Meladol Schlaftropfen

Irgendwie ist uns ein Fläschchen Meladol in den Testkorb gekullert. Dabei handelt es sich um ein Einschlafmittel mit CBD und Melatonin von der Schweizer Firma Cibdol. Von diesem Meladol also soll man sich ein paar Tropfen unter die Zunge genehmigen und dann haut es einen innerhalb von 15 Minuten zuverlässig in die Federn. So steht es auf der Gebrauchsanweisung und das hat auch der Kollege versprochen. Klingt doch vielversprechend, das probieren wir natürlich sofort aus, und zwar direkt erst mal eine richtig große Portion, denn viel hilft bekanntlich auch viel.

Der Test beginnt auch gleich mit einer positiven Überraschung:

Die Medizin schmeckt richtig gut. Ein deutlicher Hanfgeschmack ist da, aber die ganze krautige Schärfe, die viele CBD-Öle haben fehlt. Nur im Abgang gibt es dann die typische, sehr trockene Bitterkeit des Hanfes. Cibdol wirbt mit seiner besonderen Emulsion, also einem Flüssigkeitsgemisch aus Öl und wässriger Lösung. Das Ergebnis schmeckt insgesamt sehr rund und ausgewogen, satt, aber nicht zu fettig, ähnlich wie nicht entrahmte Milch. Das ist auch gut so, denn man soll das Mittel ja auch eine Weile im Mund behalten. Diese sogenannte sublinguale Applikation wirkt besonders schnell und ungefiltert, denn Wirkstoffe können über die Mundschleimhaut ohne Umwege direkt in die Blutbahn und dann in den gesamten Kreislauf zu ihren Zielorganen gelangen.

Und dann geht es auch ziemlich schnell.

Das Meladol wirkt praktisch sofort. Ich spüre kaum fünf Minuten nach der Einnahme ein Kribbeln um die Augen auf den Wangen. Das ist echte, bleierne Müdigkeit, im Gesicht körperlich spürbar. Es drückt mich ins Kissen, aber wirklich angenehm wird die Nacht nicht. Ich habe das Gefühl, ich falle nicht wirklich in einen Tiefschlaf, sondern bleibe stattdessen lange in der Schwere des Einschlafens gefangen, die Leichtigkeit des Traumlandes will sich nicht einstellen, obwohl ich nervöse, halbwache Traumszenen erinnere. Am nächsten Tag bleibt das Kribbeln im Gesicht unangenehm lange, aber ich spüre dabei keine körperliche Müdigkeit mehr. Denn schon kurz nach dem Aufstehen merke ich erstaunt, ich fühle mich durchaus erholt. Nicht wirklich zufrieden, aber körperlich absolut fit. Ich habe also wahrscheinlich doch ausreichend geschlafen und erinnere mich aber deutlich an Träume und Wachphasen. 

Das Erlebnis war mir zu heftig

Beim nächsten Mal nehme ich weniger. Mit der halben Portion komme ich dann besser in Tiefschlaf, aber auch hier bleibt am nächsten Tag oberflächliche Zerknautschtheit, als hätte ich mir nach dem Aufstehen nicht das Gesicht gewaschen. Damit ich mich mit Meladol halbwegs gut fühle, muss ich auf weniger als ein Viertel der empfohlenen Portion herunterdosieren. Mehr als drei Versuche unternehme ich nicht. Das eher unangenehme Emfpinden zeigt mir, dass das Mittel bei mir kontraindiziert ist, weil ich zum Glück einen recht gesunden Schlaf habe.

Das Medikament tut also was es soll, aber ein Genuß ist es nicht. Meladol ist für mich definitiv kein Rauschmittel. Das Gute-Nacht-Köpfchen kann es für mich auf gar keinen Fall ersetzen. Die totale Entspannung einer anständigen Bekifftheit ist eine ganz andere Nummer als dieses Schlaffördermittel.

Allein das CBD, kann es nicht gewesen sein. Das halte ich als Genusskiffer ohnehin nicht für großartig wirksam. Für diese bemerkenswerte Veränderung meines Schlafverhaltens  scheint mir beim Meladol allein das enthaltene Melatonin verantwortlich zu sein. Wir kommen bei diesem Produkt weg vom Hanf, unserem eigentlichen Thema.  

Was ist Melatonin?

Melatonin ist unser natürliches Schlafhormon, das immer Nachts von der sogenannten Zirbeldrüse produziert wird. Die Zirbeldrüse wird auf Wissenschaftssprech Glandula pinealis genannt, was die zirbelzapfenförmige Drüse bedeutet. Sie ist ein medizinisch eher unauffälliges, kleines Organ mit einem mystischen Ruf. Der Sitz der Seele soll sie sein. Und das Dritte Auge.

Die Zirbeldrüse ist in unserem Körper also so etwas wie Perry, das Schnabeltier bei Phineas&Ferb. Auf den ersten Blick macht sie nicht viel, ist in Wirklichkeit aber ein Geheimagent mit Superkräften.

Warum ist das noch keinem Arzt aufgefallen?

Weil die Zirbeldrüse praktisch keine Probleme macht. So schwerwiegende Erkrankungen wie senile Bettflucht werden von der Schulmedizin auf Zirbeldrüsenunterfunktion zurückgeführt.

Die Superkräfte sind jetzt aber schon real. So irgendwie. Die Zirbeldrüse macht, das wir schlafen können. Zuerst mal aber sieht die Zirbedrüse und ihr Drumherum ziemlich schräg aus. Sie ist eine einzige Kapsel mitten im Gehirn, auch ohne Mikroskop erkennbar. Die Zirbeldrüse ist also wirklich das Zentrum unseres Gehirns, in dem sonst jede Struktur doppelt vorhanden ist. Hier muss also die Seele ihren Ruhepunkt haben, dachten schon die alten.

Wenn sie Leichen aufgeschnitten haben

Für die alten Mediziner waren Leichensektionen sowas wie Kiffen für uns. Total illegal, aber sie haben es trotzdem alle gemacht. Illegal war es, weil sowas ja Leichenschändung ist. Und natürlich, weil die Kirche nicht wollte, das Medizinstudenten den Leuten nach der Seele rumpopeln und am Ende irgendwas unerwünschtes finden.

Dabei hat die Zirbeldrüse ihren Ruf weg bekommen. Zu ihrer besonderen Form im grauen Hirneinheitsmatsch kommen nämlich noch deutlich erkennbare Punkte in ihr vor, sogenannter Hirnsand. Das sind Ablagerungen, die mt dem Alter zunehmen und tatsächlich für schwächere Funktion verantwortlich sein sollen. Klar, dass da schon lange alle möglichen Kuren und Heilverfahren auf dem Markt sind, welche die Zirbeldrüse reinigen oder gleich sauberhalten sollen. Wenn sich da schon Sand drin ablagert, muss der schädlich sein und für ein besseres Selbst mit komplizierten Kuren ausgespült werden. 

Die Zirbeldrüse ist weiterhin auch wirklich das dritte Auge. Das hat die Wissenschaft ziemlich bald vor hundert Jahren oder so festgestellt. Bei manchen Tieren mit einem lichtdurchlässigen, papierdünnen Schädel wie Fischen oder Vögeln guckt die Zirbeldrüse oben aus dem Kopf raus und kann wirklich Hell und Dunkel wahrnehmen. Unsere kann das auch irgendwie. Sie kriegt nämlich Signale vom Sehnerv, hell und dunkel. Nicht wirklich komplex, aber für ihre Funktion ausreichend.

Kann man einfach so ein Schlafhormon nehmen und ist das auch Bio?

Melatonin kann man anscheinend wirklich ziemlich bedenkenlos einnehmen. Der Stoff ist wasserlöslich und kann sich nicht großartig im Körper einlagern. Das Melatonin wird darüber hinaus schnell und problemlos von der Leber abgebaut. Das erklärt, warum das Medikament unter der Zunge bleiben muss. Denn wenn es über den Darm zuerst in die Leber aufgenommen wird, bleibt nicht mehr viel Wirkstoff übrig.

Es wirkt im Gehirn in unmittelbarer Umgebung der Zirbeldrüse und zerfällt dann schnell. Das reicht, denn dort sitzt die Schaltzentrale. Die moderne Neuroanatomie sieht den Sitz der Seele – wir sagen heutzutage lieber Persönlichkeit – eben nicht in einer einzigen Erbsenkapsel, sondern eher in einer schwer fassbaren, vielfach verzahnten Organisationsstruktur. In der Mitte des Hirns mit Thalamus, Hippocampus und Basalganglien verorten wir heutzutage das Gedächtnis und die motorische Schaltzentrale, sozusagen die Verwaltungsetage der Hirnsignale.  Die Zirbeldrüse und ihr Schlafhormon Melatonin also, die früher die einzige, heilige Seele waren, machen heutzutage abends die Türen zu in der Vosrtstandsetage und das Melatonin schleicht dann nachts als Putzfrau durch die leeren Büros. Immerhin hat die Zirbeldrüse in der heutigen Medizin noch einen Job, worum sie etwa der Blinddarm beneiden muss. 

Bio ist Melatonin wahrscheinlich nicht. Kein Hersteller gibt an, wo er es her hat. Der Körper synthetisiert es aus Serotonin, welches wiederum aus der Aminosäure Tryptophan gewonnen wird. Aminosäuren und ihre Produkte wiederum kaufen moderne Kräuterhexen auf Flaschen gezogen aus den Molekülfabriken dieser Welt.

Darf man in Deutschland Melatonin nehmen?

Nicht wirklich. Eigentlich ist Melatonin in Deutschland ein verschreibungspflichtiges Medikament, das nur für die schon erwähnte senile Bettflucht zugelassen ist. Wer dennoch legal melatoninhaltige Nahrungsergänzung verkaufen will, muss sich das einzeln erklagen. Bei Drogeriediscounter dm gibt es zur Zeit vier melatoninhaltige Produkte frei verkäuflich im Angebot, von denen nur ein Hersteller gerichtlich wirklich die Erlaubnis besitzt, die andereren lassen es drauf ankommen. Ein befreundeter CBD-Händler sagte uns, er würde Meladol gern verkaufen, hat aber mit legalem Hanf schon genug Ärger. Um jetzt auch noch ein Melatonin-Produkt durch die Instanzen zu Klagen, fehlt das Geld, die Zeit und die Lust. Wer Meladol nach Deutschland bestellt, muss damit rechnen, dass der Zoll es behält. Ermittlungen wegen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz sind in einem solchen Fall möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

In den USA ist Melatonin unterdes ein legales Nahrungsergänzungsmittel und wird entsprechend gehypt. Allein der ausführliche Wikipedia-Artikel auch auf Deutsch zeigt, dass da mal wieder eine recht aktive Szene hintersteht.

Denn Melatonin und die Zirbeldrüse haben das Zeug zu echten Stars der Alternativmedizin: Von der Schulmedizin vernachlässigt, gesundheitlich unbedenklich und mit allumfasend systemischer also wortwörtlich ganzheitlicher Wirkung und einer mystischen Vorgeschichte. Dann, wie könnte es anders sein, ist Melatonin natürlich auch noch gut gegen Krebs. Es ist nämlich ein Antioxidants und damit genau so gesund und allumfassend systemisch heilend wie Vitamin C. Wer informiert ist, weiß, das größte und beständigste Krebsrisiko, dem wir alle ausgesetzt sind, sind freie Radikale, also der Sauerstoff, den fast alle Lebewesen dringend brauchen. Und gegen den vom Sauerstoff hervorgerufenen oxidativen Stress helfen natürlich Antioxidantien.

Ist das deswegen Hokuspokus?

Zuerst einmal sollte man sich über Hokuspokus nicht leichtfertig lustig machen. Der Placeboeffekt ist bedeutsam, das gibt die Schulmedizin nicht gern zu, ich zitiere wieder einen beliebten Propheten und Wunderheiler: Nicht ich, sondern Dein Glauben hat Dich geheilt. Aber auch Pflegekräfte können bestätigen, die Heilung wird ganz wesentlich von der menschlichen Zuwendung beeinflusst. Was statusbewusste und besserbezahlte Klinikärzte natürlich niemals öffentlich zugeben würden.

Wer’s braucht

Die meisten wissen aber aus eigener Erfahrung, dass grade Stress den Schlafrhythmus leicht aus dem Takt bringen kann. Und es gibt eben auch genug Menschen, die den Stress nicht so einfach reduzieren können, weil die Arbeit eher bescheiden, aber die Hypothek noch 15 Jahre läuft oder die Kinder dreimal im Jahr in Urlaub fahren müssen. Viele Krankheiten haben sozialen Stress als Ursache, wirtschaftliche Not und Existenzängste. Nicht der Kif macht verrückt, sondern die Armut.  Bei solcherart Störung fühlt sich oft weder die Schulmedizin noch die Politik zuständig. Und da gibt es dann viele Leute, für die es sinnvoll sein kann, privat an ihrer Schlafregulation herumzuschrauben. Und dafür ist mit Meladol ein hochwertiges und leckeres Zeug auf dem Markt.

Denn sichere Tatsache ist: Melatonin ist der Hüter Schlafs, das Zeug ist der echte und wahrhaftige Schlafsand aus dem Beutel des Sandmanns. Und guter Schlaf ist für die gesamte Gesundheit wichtig und zuträglich. Das ist kein großes Mysterium.

Alice Wunder

Ich bin gebürtiger Rheinländer, Journalist und Lebenskünstler. Als Alice Wunder (männlich, verheiratet) schreibe ich eigentlich nur für meinen Blog meinedrogenpolitik.wordpress.com Dort versuche ich, seit Anfang 2015 Geisteszustände zu erforschen. Und natürlich soll das verehrte Publikum gut unterhalten werden. Eigentlich wollte ich mal einen Artikel über Cannabis-Rausch schreiben und habe Daniel kontaktiert. Daraus wurde aber nichts, denn er hat mich gleich angeheuert, ab und zu bei Cannabis-Rausch mitzumachen. Denn ich verfüge über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung mit Cannabiskonsum. In meiner Jugend, in den 1990er Jahren bei Köln hat mir das Kraut mein Abitur gerettet. Denn oft war eine Kaffeefahrt ins nahe Maastricht während einer Freistunde die einzige Motivation, überhaupt in der Schule zu erscheinen. Dann aber war ich sehr angepasst, friedlich und entspannt im Unterricht körperlich anwesend und wurde für dieses Engagement mit guten Noten belohnt. Die Kehrseite der Medaille sind wenig lebenspraktische Fähigkeiten, dafür viel Liebe zur Literatur, welche ich gern in eigenen Texten auslebe.

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