So schwer haben es Kiffer auf Jobsuche

Dass ein Kiffer nicht der feuchte Traum eines Arbeitgebers ist, war mir schon klar, hat mich selber aber nie betroffen. So lange man nicht während der Arbeit Cannabis konsumiert, geht das auch niemanden was an, dachte ich… Wie sehr man sich doch täuschen kann.  Lasst mich meine Situation erklären.

Vor über einem halben Jahr habe ich Cannabis Rausch gestartet, als Hobby, um mich aktiv für die Legalisierung von Cannabis einzusetzen. Eben um einen kleinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Nun bringt mir dieser Aktivismus aber Probleme, da Arbeitgeber in Deutschland es nicht angebracht finden, wenn man Cannabis in seiner Freizeit konsumiert. Weil mir die Seite aber nicht mein Leben finanzieren kann, muss ein normaler Job her.

Bisher habe ich immer selbstständig gearbeitet und musste mich nie für das erklären, was ich so in meiner Freizeit treibe. Das hat sich aber geändert. In meinem Lebenslauf ist der Fakt, dass ich die Seite Cannabis-Rausch.de betreibe, nicht stillzuschweigen. Warum auch? Ich stehe dazu und feiere es. Wenn ich in einem Vorstellungsgespräch bin, ist es immer wieder ein riesen Problem, das ich kiffe und die Website betreibe, dumm gelaufen für mich. Meine Qualifikationen sind immer noch dieselben und ich arbeite immer noch sehr effizient und produktiv, obwohl ich gerne kiffe. Wow, wie mache ich das bloß? *Ironie.

Kiffende Arbeitnehmer

In Deutschland gibt es Millionen von Cannabiskonsumenten und der größte Teil sagt es seinem Arbeitgeber nicht. Und das wohl aus gutem Grund. Denn man kann dafür gekündigt werden, wenn man Cannabis in seiner Freizeit konsumiert. Das hat das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg bestätigt (Aktenzeichen 19 Sa 306/12). Die ganze Story könnt ihr beim Spiegel nachlesen.

Der Arbeitgeber kann den zukünftigen Arbeitnehmer auch explizit fragen, ob dieser in seiner Freizeit zum Beispiel Cannabis konsumiert. Und wer hier nicht wahrheitsgemäß antwortet, kann schon bald wieder gekündigt werden. Wer sich noch genauer in die Materie reinlesen will, sollte diesen Artikel von Strafverteidiger Schueller lesen.

Und wieder merke ich, das Deutschland ein konservatives und hinterwäldlerisches Land ist. In Deutschland lebt man nun mal, um zu arbeiten und dem System zu dienen. Da ist der Cannabiskonsum ein dicker Dorn im Auge.

Denn im Ernst: Für Probleme sind doch meist andere Lebensumstände als der tägliche Feierabendjoint schuld. Klassisches Beispiel: das Feierabend Bier in der Firma. Ich behaupte mal, jeder hat in seiner Firma schon mal Alkohol getrunken. Sei es bei der Weihnachtsfeier oder nach der Arbeit zusammen mit Kollegen. Aber beeinflussen die paar Bier mich nun am nächsten Tag während meiner Arbeit? Wohl kaum. Alles in Maßen und es gibt keine Probleme. Alkohol ist eben die beliebtere und aufgeklärtere Droge, damit kann der Arbeitgeber in seiner beschränkten Denkweise nun mal besser umgehen, als mit Cannabis. Ist ja immerhin legal. Ich will Alkohol nicht haten, nur veranschaulichen, dass es keine Probleme mit einem geregelten Konsum geben muss. Dass dies auch bei Cannabis der Fall ist, möchte man wohl als Arbeitgeber nicht verstehen.

Kiffer auf Jobsuche

Da ich in meinem Leben auch schon diverse Menschen eingestellt habe, kann ich natürlich aus der Sicht des Arbeitgebers auch was dazu sagen. Für mich persönlich ist es immer ein gutes Anzeichen gewesen, wenn Bewerber mir offen mitgeteilt haben, das sie in ihrem Leben schon Drogen konsumiert haben. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen gewesen, immerhin sind Menschen, die sich mit dem Thema bewusstseinsverändernde Drogen auseinandersetzen, fast immer etwas fitter im Kopf und können dadurch auch aus anderen Blickwinkeln mitdenken. Ein Kiffer ist zum Beispiel auch viel entspannter drauf und bleibt auch in hektischen Situationen immer Herr der Dinge. ABER. Kiffen während der Arbeit geht gar nicht, meiner Meinung nach. Kommt ganz auf den Job an, aber in den meisten Fällen, ist es nicht sonderlich förderlich. Unser Autor Lorenz hat darüber einen sehr interessanten Artikel geschrieben: Hier nachlesen.

Wie dem auch sei: Cannabiskonsum kann meiner Meinung nach kein Grund sein, jemanden nicht einzustellen. Mit dieser Einstellung gehöre ich allerdings zur absoluten Minderheit.

Nun muss ich darunter leiden, dass unsere Regierung in den vergangen Jahrzehnten keine Aufklärung  für Cannabis geleistet hat und ich deswegen diskriminiert werde. Ich will hier jetzt nicht rumheulen, ist aber irgendwie komisch, das ich mich dafür einsetzen muss, dass Cannabis ins rechte Licht gerückt wird. Und so vielleicht die nächste Generation nicht mehr dieselben Probleme mit Arbeitgebern hat, die ich nun durch Cannabis habe.

Es gibt da draußen sicher genug Arbeitgeber, denen es Lachs ist, ob der Arbeitnehmer nun in seiner Freizeit kifft oder nicht. Gut, ich muss noch den richtigen Arbeitgeber finden, aber okay. Bis dahin kann ich ja noch weiter texten und kiffen.

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

3 Gedanken zu „So schwer haben es Kiffer auf Jobsuche

  • Januar 3, 2018 um 2:54 pm
    Permalink

    Interessanter Artikel

    Antwort
  • Januar 3, 2018 um 3:23 pm
    Permalink

    wieso musstest du denn die Tätigkeit mit der Seite hier angeben? Verstehe ich nicht

    Antwort
    • Januar 3, 2018 um 3:25 pm
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      Da es zu meinen Lebenslauf gehört und wenn man meinen Namen bei Google eingibt findet man sofort die Verbindung.

      Antwort

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