Der Reverend und die Zeugen Sativas.

Der Reverend und die Zeugen Sativas.

Es ist einer dieser heißen Sommertage in Berlin. Ich sollte am Strand liegen, oder am See und mir meine haarige Brust sonnen lassen. Aber ich fahre nach Marzahn, um ein Interview zu machen. Was tut man nicht alles.

Ich treffe mich mit Pierre aka. dem „Reverend“, wie ihn Wegbegleiter und er sich selbst nennt, eine leichte Ironie steckt dahinter.

Warum überhaupt? Der Reverend hat eine Bewegung ins Leben gerufen, die sich die „Zeugen Sativas“ nennen. Hier wird mit Klischees gespielt. Aber es handelt sich um eine Organisation, die aufklären und berichten will. Und zwar direkt aus dem geschehen der Cannabisbewegung.

Klar, das ich mit ihm ein Interview machen muss, dieser leichte Trash und vielen Klischees. Und dennoch setzt er sich mit harten Fakten auseinander und kämpft für die Legalisierung von Cannabis.

 

Wo kommst du her? Was machst du beruflich? Und überhaupt.. Wer bist du?

Ich bin (diese Stelle musste leider zensiert werden) Jahre alt und wohne seit 12 Jahren in Berlin und lasse mich auch neben Harald Junke begraben. Ursprünglich komme ich aus Wuppertal.

Beruflich übe ich einen ganz seriösen Job aus. Ich bin Dozent für Kynologie (ist die Lehre von Rassen, Zucht, Pflege, Verhalten, Erziehung, Krankheiten) und Ausgebildeter Hundeführer im Sicherheitsdienst/Schutzdienst, in dem Bereich arbeite ich auch. Zudem bilde ich Sprengstoff-/Drogen-/Such- Hunde aus.

 

Wann war dein erster Kontakt mit Cannabis?

Mit 15 habe ich meinen ersten Joint geraucht, so wie viele andere Jugendliche auch. Leider, war es nicht das beste Alter, um mit Cannabis in Kontakt zu kommen. Viele meiner Freunde haben auch gekifft. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte, habe ich mich immer mehr mit der Thematik befasst. In den letzten 8-10 Jahren, beschäftige ich mich sehr intensiv mit Cannabis. Seit knapp 6 Jahren engagiere ich mich auch politisch für die Cannabis Legalisierung. Allerdings auch für die Legalisierung von allen „Drogen“. Ich selbst konsumiere nur Cannabis. Dennoch denke ich, dass es ein grundsätzliches Freiheitsrecht ist, das der Staat uns nicht vorzuschreiben hat, welche Art von „Drogen“ wir konsumieren dürfen und welche nicht.

Wie siehst du die Entwicklung von Cannabis in Deutschland? Vor ein paar Monaten wurde Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert und kann nun vom Arzt verschrieben werden und die Krankenkasse muss zahlen (falls sie es denn wirklich tut).

In den letzten 10 Jahren hat sich sehr viel getan. Wenn man es vergleicht, wie es in der Zeit war, als ich meinen ersten Joint rauchte. Gerade in den letzten Jahren, wo jetzt die ganzen ausländischen Firmen nach Deutschland kommen, insbesondere die amerikanischen Firmen. Die sich in Deutschland und ganz Europa breit machen. Dies spricht eigentlich für die Tendenz, dass früher oder später die Legalisierung in Deutschland  kommen wird.

Das Ganze ist natürlich zu begrüßen, dass Cannabis seit dem 10. März 2017 auf Rezept verschrieben wird. Allerdings gibt es unfassbar viele Probleme. Zum Beispiel das Menschen die vorher eine Ausnahmegenehmigung  von der BfArM hatten, jetzt keine Kostenübernahme von ihren Krankenkassen bekommen. Und der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) teilweise mit abstrusen Begründungen die Anträge ablehnt!

Ich bekomme Cannabis auch verschrieben (seit Anfang des Jahres), aber hänge zurzeit im Widerspruchsverfahren mit meiner Krankenkasse. Ich habe schon den ersten Ablehnungsbescheid bekommen. Bei der Begründung wurde ganz klar gelogen und Fakten ignoriert. Zum Beispiel wird in meinem Fall behauptet, dass ich nur mit 2 Medikamenten behandelt wurde in den letzten 25 Jahren. Was aber einfach nicht stimmt und was mir meine Ärztin auch bestätigt. Alleine meine aktuelle Ärztin hat mir 6 Medikamente verschrieben. Und nun bin ich einfach austherapiert.

So schön dieses neue Gesetz auch ist. Aber die Krankenkassen sperren sich, die Kosten zu übernehmen.

Innerhalb der Szene nennt man das Gesetz auch „Anbauverhinderungs“ –Gesetz. Ich glaube, dass die Bundesregierung das auch so wollte. Insbesondere nach dem Urteil von Günter Weigler und anderen Patienten. Dabei ging es um Eigenanbau von Cannabis. Dort haben sie vom Kölner Verwaltungsgericht Recht bekommen für den Eigenanbau. Aber er hat es nicht weiter verfolgt, wegen dem neuen Gesetz für medizinisches Cannabis. Nun hat er aber eine Absage von der Krankenkasse bekommen für die Kostenübernahme. Er „freut“ sich natürlich darüber, weil  er sagt für mich ist das okay, also baue ich wieder Cannabis an. Und werde das dann halt wieder erstreiten und einklagen.

Ich werde nun abwarten und gucken was ich mache. Aber ich werde vor dem Sozialgericht klagen! Einige Patienten haben schon Recht bekommen. In diesen Fällen MUSS die Krankenkasse zahlen.

Also das Gesetz hat noch viele Fehler und viele Hürden zu überwinden.

Aber dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Wie findest du die Organisationen, die sich für die Cannabis Legalisierung einsetzen, wie zum Beispiel den DHV (Deutscher Hanf Verband)? Du betreibst ja immerhin auch eine Organisation, die für die Legalisierung kämpft!

Grundsätzlich ist es super, dass wir in Deutschland so viele Vereine und Firmen haben, die sich für die Legalisierung einsetzen. Auch den DHV, der als einzige Lobbyvereinigung in Deutschland tätig ist. Der DHV ist halt eine Firma, aber es ist gut, dass es sie gibt. Der DHV macht sehr viel gute Arbeit, weil sie auch die finanziellen Möglichkeiten haben. Es gibt so viele Vereine, die nicht solche finanziellen Mittel haben.

In jeder größeren Stadt und auch in den kleinen, gibt es Vereine/Organisationen, die für die Legalisierung kämpfen und sich einsetzen. Auch wenn diese manchmal nur aus 1-3 Personen bestehen. Das ist Grundsätzlich immer zu befürworten.

Das Problem ist leider, dass es sehr viel Streit und Auseinandersetzungen innerhalb der Cannabisbewegung gibt. Ich selbst bin davon leider auch betroffen. Diese Probleme gibt es natürlich in jedem Bereich, aber gerade in dieser Bewegung kämpfen wir für das Selbe. Daher sollten Persönliche Interessen hinten angestellt werden. Da diese nie zum Ziel führen werden und diverse Probleme entstehen können. Und jeder dieser Organisationen schreit nach Solidarität.

Ich unterstütze zum Beispiel gerne den DHV, die Hanfparade und diverse andere Organisationen. In dem ich Flyer verteile oder eigene Aktionen umsetze. Gerade hat der DHV eine sehr wichtige Aktion „Klarer Kopf. Klare Regeln.“ (Unterstützt von Sens Media). Dort geht es um das Führerscheinrecht, die Ungerechtigkeiten und Unverhältnismäßigkeiten im Zusammenhang mit Cannabis und dem Führerschein. Da ich wie immer selbst Betroffener bin (war heute noch bei der MPU). Diese Aktion „Klarer Kopf. Klare Regeln.“ unterstütze ich daher sehr gerne.

Leider vermisse ich die Unterstützung von anderen Organisationen, das fehlt noch in der Bewegung (zu viele Einzelkämpfer). Ich selbst bin auch oftmals nicht viel besser, es gibt oft zu viele verschiedene Meinungen und zu große Ego´s. Man kann nicht jeden Mögen, mich mag auch nicht jeder. Aber wir müssen uns zusammen tun, um die Bewegung effizienter nach vorne zu bringen.

So, nun will ich aber mal was über die Zeugen Sativas erfahren!

Die Zeugen Sativas (Zur Fanpage) gibt es eigentlich schon seit meiner Jugendzeit. Entstanden ist das Ganze aus einem Witz. Ich hatte ja erwähnt, dass wir früher schon selbst Cannabis angebaut haben und auch richtige Kiffer waren. So ist das Ganze dann langsam, aber sicher entstanden über die Jahre hinweg.

Die Satire zwischen den Zeugen Jehovas und den Zeugen Sativas  ist natürlich offensichtlich. Aber wir distanzieren uns von jeglichen religiösen Ansätzen! Ich spiele aber gerne mit diesem Klischee, da mir die echten Zeugen auch genug Futter geben. Ich gebe dir ein kleines Beispiel. Die Zeugen Jehovas haben in jeder Stadt ihren „Wachturm“ und bei uns würde das Ganze dann „Hanfturm“ heißen, der natürlich Sativas Königreich verkündet. Oder wir müssten auch an jeder Tür klopfen, um die Menschen über Hanf zu informieren. Durch diese spaßigen Ansätze zu den Zeugen Jehovas sind dann die Zeugen Sativas entstanden.

Natürlich versteht nicht jeder die Satire dahinter. Aber das ist mir auch nicht wichtig, nicht mehr.

Die Menschen, die sich mit meinem Projekt beschäftigen, werden sehr schnell merken, das was ich mache Hand und Fuß hat. Und es ganz sachliche, informative und politische Arbeit ist! Leider habe ich noch keine Website, aber das wird in den nächsten Wochen und Monaten realisiert. Meine ganze Arbeit kann man bei Facebook verfolgen. (Link)

Wir bezeugen das Cannabis in sehr vielen Bereichen nützlich ist. Und wollen diese Informationen an die Menschen bringen.

 

Wie findest du die Behandlung mit Cannabis bei Jugendlichen und Kindern?

Also ich kenne viele Berichte/Videos, wo Kinder zum Beispiel an schwerer Epilepsie leiden und anderen schweren Krankheiten. Und wo Cannabis eben geholfen hat! Es gibt natürlich auch die Schwache Version von Cannabis mit hohen CBD-Gehalt und wenig THC, die sehr viel Sinn macht bei Krankheiten auch für Jugendliche und Kinder. Natürlich ist das Thema sehr emotional, wenn man das Wort Cannabis und Kinder in einem Satz erwähnt! Klar schreien viele Menschen da auf und sagen „Wie kann man Kindern nur Drogen geben?“

Aber schauen wir uns doch mal Kinder an, die ADHS haben. Die bekommen ganz legal Ritalin verschrieben, das ein sehr heftiges Amphetamin ist. Und das nur mit mäßigem Erfolg wirkt! Also, warum sollte man Kinder und Jugendliche nicht mit Cannabis behandeln?

 

So, kommen wir mal zum Schluss. Wie sieht die Cannabis Zukunft in Deutschland aus? Und wie animierst du die Menschen da draußen, sich für die Legalisierung einzusetzen?

Ich nehme oft das Beispiel der Menschen, die Cannabis nicht als „Rauschmittel“ nutzen:  „Man muss kein Baum sein, um sich für den Umweltschutz einzusetzen.“ Aus Hanf können über 50.000 Produkte hergestellt werden, die nichts mit einem Rausch zu tun haben! Man kann sich also für die Legalisierung einsetzen, ohne dass man selbst „kifft“.

Unsere Menschheitsgeschichte wäre nicht so verlaufen, hätte es keine Hanfprodukte gegeben. Das beste Beispiel hierfür ist wohl der gute Christopher Kolumbus, mit Baumwollsegeln und Baumwollseilen, hätte er nicht die Weltmeere erkunden können. Ein sehr plakatives Beispiel, aber es veranschaulicht sehr gut, in wie vielen Bereichen Cannabis für die Menschheit wichtig war und heute noch ist!

Ich sehe die Zukunft sehr positiv, obwohl die Strafverfolgung in Deutschland deutlich angezogen hat. Trotz der Offenheit der Gesellschaft. Ich verstehe nicht, warum die Strafverfolgung in den letzten Jahren nochmal so angezogen hat. Was auch insbesondere für den Führerschein gilt. Zum Beispiel können Menschen nicht strafrechtlich belangt werden, aber über die Behörden können Menschen dennoch ihren Führerschein verlieren, wenn sie ein paar Gramm Cannabis bei sich geführt haben. Diese Tatsache ist nicht zu begrüßen und stellt Deutschland in kein gutes Licht.

Dennoch sehe ich die Zukunft sehr rosig, was die Legalisierung angeht. Die Legalisierung wird kommen, am liebsten natürlich Gestern. Es wird nicht in den nächsten Monaten passieren, aber in den nächsten 5-10 Jahren!

Wir bekommen nach und nach eine neue Generation von Entscheidern, die offen für das Thema Cannabis sind. Und durch die neue Generation, werden die richtigen Schritte gemacht.

Auch die einzelnen Organisationen weltweit, haben schon einiges erreicht. In fast 25 Bundesstaaten der USA ist Cannabis legalisiert. Und auch in Europa ist schon einiges passiert. Das beste Beispiel ist Spanien, wo jeder 3 Cannabispflanzen anbauen darf und es Social Clubs für Cannabis gibt. Oder Portugal, Schweden, Holland, die Schweiz, Tschechien und so weiter. Es geht alles gerade sehr viel schneller, als man denken würde. Nur ist das noch nicht so richtig bei der Bundesregierung angekommen.

Die Legalisierung wird aus der Wirtschaft kommen. In den USA wurden letztes Jahr 3 Mrd. Dollar Umsatz mit Cannabis gemacht. Und alleine dieser Fakt ist gigantisch.

Die Regierung wird diesen Fakt nicht außer Acht lassen, denn so können unzählige Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen werden und es würde ein Boom entstehen, der jetzt auch schon erkennbar ist.

So wird die Wirtschaft vermehrt Druck ausüben und die deutsche Regierung wird sich diesem auch beugen.

Leider wird es so sein. In unserer Welt hat Geld immer einen höheren Stellenwert, als moralische Vorstellungen, Ideologien oder einzelne Organisationen.

Wie dem auch sei. Das soll mir auch recht sein, Hauptsache die Legalisierung kommt. Auch wenn ich vielleicht meine eigenen Wunschvorstellungen habe. Am Ende kämpfen wir alle für die Legalisierung und das verbindet uns!

 

Das Interview hat mir sehr viel Spaß gemacht! Schaut doch mal bei den Zeugen Sativas vorbei. Es lohnt sich sehr.

Daniel

In erster Linie bin ich ein Mensch, der das Spiel "Leben" mit voller Punktzahl abschließen möchte. Ich bin eine Mischung aus Hippie und Outlaw. 2017 habe ich Cannabis Rausch gegründet, um aus der Sicht des Cannabiskonsumenten zu berichten. Ich liebe Mode, Autos, Reisen und natürlich meine grüne Göttin. Ich lasse mich vom Leben treiben und schaue was es mir zu bieten hat. PS: Folgt mir bei Instagram. Einfach auf den ICON drücken.

4 Gedanken zu „Der Reverend und die Zeugen Sativas.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.