Erfahrungsbericht: Deutscher Coffeeshop

Ich hasse es, auf dem Schwarzmarkt Drogen zu kaufen. Dabei geht es mir nicht um die Illegalität, damit habe ich mich nach über 15 Jahren Konsum halbwegs arrangiert. Nein, es geht mir um die Begleitumstände, die der Kontakt mit „Dealern“ nach sich zieht. Versteht mich nicht falsch, ich habe eine Hochachtung vor Menschen, die diesen Job machen. Ein Job, der auf starkes gegenseitiges Vertrauen setzt, bis dass der Richter uns scheidet. Jedoch ist der Weed-Kauf fast immer extrem nervig und läuft so gut wie nie so ab, wie man es will.

Dealer kommen unpünktlich, halten sich oft nicht an Absprachen, vertrösten einem auf den nächsten Tag, wenn sie überhaupt erreichbar sind, haben doch weniger dabei als bestellt und von sachgemäßer Verpackung scheinen sie oft nichts zu halten. Und auf ihr Urteil („das beste Gras seit langem“) kann man sich sowieso nicht verlassen. Der Verkaufsvorgang findet oft rasch in irgendeinem Hinterhof statt, die vorgepackten Tütchen erhalten oft nur 0,9g statt eines Ganzen.
Alles in allem leider ein allzu oft viel zu nerviger Vorgang. Und wenn man keine 20 mehr ist, hat man sowieso keine Lust mehr auf Gangstergehabe.

Ein deutscher Coffeeshop wäre ein Traum.

Aus diesem Grunde fahre ich gerne nach Holland. Coffeeshops haben Öffnungszeiten, man kann unangekündigt einfach vorbei kommen, sucht sich was aus und verschwindet wieder. So weit, so gut, wäre da nicht der Grenzübertritt oder die weite Anfahrt… Klar, man hat schonmal gehört, dass es auch sowas wie Coffeeshops in Deutschland gibt, aber bislang hat mich noch niemand in einen eingeladen. Und bei Google Maps findet man die Shops logischerweise auch nicht.
Doch das Schicksal hat es wohl gut mit mir gemeint und so kam ich jetzt in den Genuss, meinen ersten Coffeeshopbesuch in Deutschland unternehmen zu können. Eine Bekannte aus der Nachbarstadt hat mir davon erzählt und ich wurde gleich hellhörig. Schon am nächsten Tag sind wir dorthin gefahren…

Der Shop befand sich in einer Altbau-Wohngegend. Keine Luxusgegend, aber auch nicht heruntergekommen.

Sicherheitshalber haben wir in einer Nebenstraße geparkt und sind die letzten Meter zu Fuß gegangen. Man weiß ja nie.
Vor einem vermeintlich leer stehendem Ladenlokal mit zugeklebter Scheibe blieben wir stehen. Sonderlich auffällig war das Geschäft nicht. Leerstand ist keine Seltenheit und vor allem in Wohngebieten haben es Einzelhändler ja heutzutage schwer und gehen lieber direkt in die Innenstädte. Wir klopften an und warteten kurz. Ein wenig mulmig wird einem da schon. Die Tür wurde aufgeschlossen und schon wurde man sehr freundlich mit einem Lächeln willkommen geheißen und hereingebeten. Definitiv nicht das, was man erwartet hat. Im Ursprünglichen Verkaufsraum des Ladens hing nur ein Fernseher an der Wand. Wir wurden in den nächsten Raum geführt, wo schon drei andere Kunden waren, die gerade eine Cola tranken und lachten.

Der Verkäufer stellte sich hinter dem Verkaufstresen, holte die beiden aktuell vorrätigen Grassorten hervor, ließ mich schnuppern und erklärte mir den Shop:

Öffnungszeiten täglich von 12 bis 22 Uhr, das Gras kostet 10€/Gramm. Viel mehr gabs eigentlich nicht zu erzählen. Man machte ein paar Witzchen, alle anwesenden waren sich durchaus der Skurrilität der ganzen Sache bewusst und doch war hier alles so normal, wie man sich den Verkauf von ein paar Hanfblüten eigentlich wünschen würde.
Die bestellte Ware wurde vor den Augen abgewogen. Genauso geht vertrauenserweckendes Verkaufen, liebe Kleinstadtgangster! Hättet ihr Eure Einzelhandelslehre nicht abgebrochen, wüsstet Ihr das vielleicht…

Nach dem Verkauf hat uns der Verkäufer noch zur Tür begleitet und sie wieder hinter uns verschlossen. Das ganze hat vielleicht 5 Minuten gedauert. Genau so wünsche ich mir den Drogenkauf! Dass die Preise vielleicht etwas höher sind als bei einem 0815-Ticker ist mir dabei egal. Die Jungs, die den Shop zu dritt in Schichtarbeit betreiben haben die Kosten für den Laden und ein enorm hohes Risiko. Da bin ich bereit diesen Preis zu zahlen. Und wie im Coffeeshop in Holland kann man ja sogar mal ein Trinkgeld geben. Wenn der Laden beim nächsten Mal noch existiert…

Gastautor

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