Warum Cannabis für den demografischen Wandel gefährlich ist

Im Jahr 2015 sind in Deutschland 925.000 Menschen gestorben.[1] Dem gegenüber stehen 792.000 Kinder, die 2015 das Licht der Welt erblicken durften. Es sind also über 100.000 Menschen mehr gestorben, als Kinder geboren wurden. Auf 100 Todesfälle kommen nur 86 Neugeborene. Heißt: Für deine und meine Rente arbeiten später mal viel weniger Menschen, als Menschen unserer Generation für die Rente unsere Elterngeneration. Um die Sache besser verstehen zu können, drückt einfach bei folgender Grafik auf Play und staunt. Alternativ könnt ihr auch einfach mit dem Cursor auf die Grafik zeigen und scrollen.

Die Animation zeigt: Der demografische Wandel hat unser Land im Griff, und das nicht erst seit gestern. Auf viele Alte kommen wenige Junge. Dieser Trend ist schon lange ein Problem, von Zeit zu Zeit skandieren auch die großen Medien diesen Missstand. Und das ist auch gut so, denn eine zum Großteil aus Rentnern bestehende Gesellschaft wird viele Probleme mit sich bringen. Okay, aber was hat Cannabis damit zu tun? Ich komme in ein paar Zeilen darauf zurück.

Davor noch ein Faktencheck: Wie hat die Politik bisher auf die fortschreitende Überalterung reagiert?

Kaum bis gar nicht? Nein, das wäre gelogen, denn die Bundesregierung hat eine 96-seitige Demografie-Strategie ausgearbeitet. Jedoch sind vorläufige Ergebnisse wie höhere Bildungsabschlüsse oder der Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften keine wasserfesten Argumente. Denn in Zeiten von minimal 50-Stunden-Wochen für Führungskräfte ist es für die Mutter von Welt sehr wohl ein Kriterium, ob sie ein Kind hat oder nicht. Gleiches gilt für die Mutter, die sich mit drei Minijobs über Wasser hält. Karriere UND genügend Zeit mit dem Kind ist heute einfach nicht machbar. Holen wir das zweite Argument der Regierung auf den Prüfstand: Sich auf den Zuzug von qualifizierten Fachkräften zu verlassen, sehe ich auch als sehr riskant. Denn Deutschland ist dafür bekannt, nicht die allerbesten Bedingungen für Start-Ups und andere Unternehmungen zu bieten – wie lange wird „made in Germany“ noch ausreichend viele Spezialisten aus dem Ausland anlocken? Wie sollen diese hier Familien gründen, wenn in Zeiten von AfD und Populismus wieder mehr Hass gegen Ausländer geschürt wird? Warum sollen in Zukunft Fachkräfte zu uns ziehen, wenn Tesla und chinesische Elektroautohersteller unser größtes wirtschaftliches Standbein ins Wanken bringen?

Wie man es auch dreht und wendet: Deutschland kann mit seiner momentanen Politik den demografischen Wandel nicht aufhalten. Zu träge ist unsere Demokratie, zu wenige gute Einfälle werden konstruktiv diskutiert.

Jetzt mal kurz Luft anhalten, ich stelle eine steile These auf:

Der Staat kann mit den Mitteln Alkohol und Tabak bezüglich des demografischen Wandels Schadensbegrenzung betreiben.
Momentan kann man davon ausgehen, dass die Regierung und somit auch die Gesellschaft noch deutlich von den jährlichen Todesfällen durch Alkohol und Tabak profitiert. Denn schaut man sich die Zahlen an, so sind im Jahr 2016 fast 200.000 – in Worten zweihunderttausend! – Menschen durch die Folgen des Alkohol- oder Tabakkonsums gestorben. 200.000 Menschen, die von emotional aufgeladener Werbung und nie überdachten Traditionen in den Tod getrieben wurden. Mehr als jeder fünfte Tod ist damit durch Alkohol oder Tabak verursacht. Mehr als jeder fünfte Tod hätte THEORETISCH verhindert werden können. Wie? Ganz einfach, indem Alkohol und Tabak verboten wären. Weil zu ungesund und zu viele Tote. Aber warum hat der Staat die beiden Substanzen nicht einfach strenger reguliert? Profitiert er am Ende noch vom Ist-Zustand?

Ein Alkoholiker stirbt im Schnitt zwanzig Jahre früher als ein Nicht-Alkoholiker. Bei einer Lebenserwartung von 81 Jahren (2015) kann man also davon ausgehen, dass der mittelmäßige Alkoholiker pünktlich zum Renteneintrittsalter verstirbt. Bestenfalls hat er sein gesamtes Leben in die Rentenkassen eingezahlt, im schlechtesten Fall kostet er den Staat keine Renten mehr. Beides Optionen, die für unsere überalternde Gesellschaft durchaus vorteilhaft sein können.

Und welche Rolle spielt Cannabis in dem Zusammenhang?

Cannabis gilt faktisch nicht als eine harte Droge wie Alkohol oder Tabak. Im Gegenteil: Cannabis dreht das Altern des Gehirns im höheren Alter um und verschafft älteren Menschen mehr Lebensglück und Lebensmut – Faktoren, die unweigerlich zu höherem Alter führen. Höheres Alter bedeutet jedoch höhere Kosten für den Sozialstaat, weil Renten länger bezahlt werden müssen.

Mit diesen Erkenntnissen möchte ich nicht aussagen, dass bei einer möglichen Legalisierung keine Menschen mehr durch ihren Tabak- oder Alkoholkonsum sterben. Jedoch würden durch den sogenannten Spill-Over-Effekt höchst wahrscheinlich viele Menschen auf das harmlosere Cannabis umsteigen und dadurch weniger Menschen an besagten Drogen sterben.

Kleine Volkswirtschaftsstunde dazu: Die Gesellschaft ist interessiert an einem bestimmten Effekt, in dem betrachteten Fall ist das der Rausch. Es besteht also eine gewisse Nachfrage. Diese Nachfrage wird im Moment auf dem legalen Markt durch das Angebot an Alkohol und Tabak bedient, auf dem illegalen Markt durch die vielen anderen Drogen wie Cannabis. Die meisten Menschen greifen jedoch, um ihr Bedürfnis auf Rausch befriedigen zu können, zu den legalen, etablierten Drogen. Dabei handeln sie rational, denn der Konsum bzw. der Nachweis von Abbauprodukten illegaler Substanzen kann ohne weiteres für mehrere Jahre den Führerschein kosten. Außerdem scheuen sich viele Menschen vor der Illegalität und wollen nicht als Kriminelle gesehen werden.

Die Überlegungen, die zum Konsum der legalen, aber gefährlichen Drogen führen, sind natürlich legitim. Gerade wenn man sich die aktuelle Gesetzeslage anschaut. Denn die Alkoholiker-Leber ist im Gegensatz zur THC-Carbonsäure für die Führerscheinstellen kein Indiz dafür, dass man wohl besser nicht am Straßenverkehr teilhaben sollte. Auch mit 0,5 Promille im Blut könne man noch unbeschwert im CL 500 mit 260 Sachen über die Autobahn brettern, bei Cannabis reicht schon ein weit in der Vergangenheit liegender Konsum, um für fahrunfähig erklärt zu werden. Willkommen in Deutschland.

Jetzt kommen wir aber zum Spill-Over-Effekt zurück: Mit einer Legalisierung von Cannabis würden auch die Führerschein-Grenzwerte angepasst werden und der Tatbestand der Illegalität wäre aus dem Weg geräumt. Zudem findet bereits jetzt schon ein Umdenken in der Gesellschaft statt, welches Cannabis als die harmlosere Droge im Vergleich zu Alkohol und Tabak darstellt. Diese Faktoren werden in Zukunft dazu führen, dass immer mehr Menschen sich von Alkohol und Tabak lösen und vermehrt Cannabis konsumieren, um ihr Bedürfnis nach Rausch zu befriedigen. Denn Cannabis hat auch die Kraft, Menschen von der Alkoholsucht zu befreien. Spill-Over-Effekt heißt also nichts anderes, als dass Cannabis in den Markt der Rauschmittel eindringt und die anderen verfügbaren Substanzen Alkohol und Tabak in Teilen verdrängt.

Fazit:

Cannabis hat die Macht, die Lebenserwartung einer Gesellschaft zu erhöhen. Nicht nur durch die mit dem Konsum von Cannabis erhöhte Lebenslust im Alter, sondern auch durch tendenziell weniger frühzeitige Tote durch den Substitutionseffekt, welcher die Verbreitung von Alkohol und Tabak eindämmen wird.

 

 

[1] Da das statistische Bundesamt mit der Veröffentlichung der Zahlen von 2016 etwas hinter dem Zeitplan liegt, kann im November 2017 leider kein aktuellerer Zeitraum betrachtet werden, weshalb im Folgenden stets Zahlen aus 2015 betrachtet werden.

Lorenz

Lieblingsfarbe Grün – Farbe der Hoffnung, Farbe meiner politischen Heimat und Farbe meines Lieblingskrauts. Weitere buzzwords meines Lebens sind Fotografie, gelebte Musik und die Liebe zum geschriebenen Wort. Ich bin 1997 im tiefsten Osten geboren und trotzdem ein linksgrünversiffter Gutmensch. Im Moment stolpere ich im Ländle durch meine Studienzeit und suche nach dem Sinn des Lebens.

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