Cannabis auf Rezept: So klappt es mit dem eigenen Hausarzt

Heute schon die fünfte E-Mail bekommen, wieder lese ich die Krankheitsverläufe der Menschen, die ich nicht kenne. Ich lese aber auch ihre Verzweiflung und das sie einfach nicht weiter wissen. Über 20 Personen habe ich nun schon geholfen, dass sie Cannabis von ihrem Arzt bekommen. Den anderen hundert Menschen konnte ich nicht helfen, sie wollten meine Tipps nicht hören. Sie wollen nur eine Ärzteliste und ihren jetzigen Arzt am liebsten in der Hölle verbrennen sehen.

Verständlich, der Großteil der Ärzte in Deutschland kennt sich mit Cannabis nicht aus. Das grüne Kraut ist Neuland für sie, so wie für Deutschland die Digitalisierung. Es gibt meines Wissens nach ca. 120-200 Ärzte, die ihre Patienten mit Cannabis therapieren, ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Menschen, die von ihrem Arzt eine Absage kassieren, verstehen die Welt nicht mehr. Daher muss ein Arzt her, der es mal eben zwischen Tür und Angel verordnet, was natürlich nicht funktioniert. Das heißt auf der anderen Seite noch lange nicht, dass es solche Ärzte nicht geben würde, die ihren Rezeptblock für ein paar hundert € rausholen und ein Privatrezept ausstellen.

Aber wer eine Krankheit hat, dem reicht ein Privatrezept nicht aus. Die Kosten für eine Cannabinoid Therapie können im Monat mal schnell die 2000€ übersteigen. Das kann sich kein normal arbeitender Mensch in diesem System leisten. Alleine die richtige Dosierung zu finden ist schwer, das geht nicht beim ersten Besuch beim Arzt, und schon gar nicht wenn es ein neuer Arzt ist. Deswegen befürworte ich, dass man bei dem Arzt bleibt, bei dem man schon seit Jahren in Behandlung ist.

Dieser Artikel soll die Frage klären, wie man von seinem jetzigen Hausarzt ein Rezept bekommt.

Über die letzten 6 Monate habe ich diverse Menschen begleitet, die nun eine Kostenübernahme haben und immer noch beim selben Arzt sind (2 mussten den Arzt wechseln). Es ist kein leichter Weg, es ist wahre Pionierarbeit von den jeweiligen Patienten. Da ich ein Freund der Selbsthilfe bin, gebe ich nun die ultimative Anleitung, wie man jeden Arzt zu seinem Freund macht.

Ich habe kein Interesse daran, hier eine Anleitung für Menschen zu schreiben, die nicht wirklich krank sind, sondern nur einen Freifahrtschein zum kiffen suchen, so wie ich dies auch schon gemacht habe. Kauft euch euer Weed im Ausland und strengt euch an, geht auf die Straße, damit Cannabis in Deutschland für alle legal wird.

So klappt es mit dem Rezept für Cannabis.

Die Basics: Um ein Rezept zu bekommen, bedarf es einer stichhaltigen Taktik, die niemand umstoßen kann. Weder der behandelnde Arzt noch der MdK. Dazu gehört auch, dass man sich besser mit der jeweiligen Krankheit auskennt, als der Arzt, und genau Bescheid weiß, welche Behandlungsmethoden es gibt.

Angenommen, Patient X hat chronische Rücken- und Gelenkschmerzen. Zu diesem Leiden gibt es zum Beispiel eine Menge Studien und Fallbeispiele, wie eine Cannabinoid Therapie helfen und das Problem sogar erfolgreich auskurieren kann. Unser Autor Lorenz hat sich damit auch schon eingehend befasst [Klick mich]. Chronische Leiden können durch Cannabis verschwinden. Da Rücken- und Gelenkschmerzen sehr spezielle Fälle sind, ist es an der Stelle auch ratsam, hierfür einen Spezialisten aufzusuchen, der sich mit dem Thema Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen bestens auskennt. Dieser muss nicht unbedingt eine Vorliebe für Cannabis haben. In Deutschland hat man ein RECHT auf die freie Entscheidung, wie man medizinisch behandelt werden möchte.

Gut, es braucht immer noch einen Arzt, der dies befürwortet und unterstützt. Für den Fall, dass Arzt dies nicht gerade befürwortet, da er bisher noch keine Erfahrungen auf dem Gebiet der Cannabinoid-Therapie hat, muss man alle Studien und Fallbeispiele sammeln und diese, wenn möglich, auf ein bis zwei Seiten knackig zusammenfassen. In 80% der Fälle sind Ärzte keine Vollidioten, die nur in Klischees denken.

Meistens sind es eher die Empfangsdamen- und Herren, die in ihrer Beschränktheit für den Arzt sprechen und euch schon an der Rezeption abblitzen lassen. Deswegen sagt dem Empfangspersonal nicht, das ihr euch ein Cannabis Rezept gönnen wollt. Bei den 20 Fällen, in denen ich den Patienten helfen konnte, gab es jedoch auch noch andere Probleme. Das Häufigste war leider, dass der Arzt Angst vor einem Regress der Krankenkasse hatte, was aber vollkommen unbegründet ist. Auch in diesem Fall sollte man knallhart argumentieren, also sich die Faktenlage zusammensuchen und darlegen und dem Arzt aufzeigen, wieso es keinen Regress geben wird.

Keine Frage, es bedarf immer eines Arztes, der auch Eier in der Hose hat. Metaphorisch, schließlich sind Frauen auch ganz tolle Ärztinnen.

Wenn der jeweilige Arzt trotzdem keine Bemühungen zeigt, dich mit Cannabis zu behandeln, dann wechsel den Arzt! Zwei der von mir beratenden Personen mussten dies tun, da noch nicht mal ein Privatrezept ausgestellt werden wollte. Wer auf dem Land wohnt, hat definitiv die Arschkarte gezogen, da es auf dem Land ja nicht so eine große Auswahl an Ärzten gibt. Sorry dafür. Nichts desto trotz sollte der Wechsel des Arztes erst als letztes Mittel in Erwägung gezogen werden, da euer Hausarzt eure Krankheitsbilder einfach am besten kennt.

Es gibt die verschiedensten Cannabinoid-Behandlungen. Sei es das hippe Mundspray mit THC oder die verschiedensten Cannabisblüten. Es ist unfassbar wichtig, dass du dich mit den jeweiligen Unterschieden auskennst. Dein behandelnder Arzt wird die breite Vielfalt nicht kennen, davon sollte man erstmal ausgehen.

Also, guck, welche Präparate in Deutschland verfügbar sind. Brauchst du einen hohen CBD Anteil? Oder eine starke Indica mit 25% THC und kaum CBD Anteil? Vielleicht aber doch eine ausgewogene Hybrid Mischung mit 10% THC und 8% CBD, weil du ja auch noch Auto fahren musst? Oder doch eine 27% Sativa? Und wo liegen dort die jeweiligen Vorteile für dein Leiden?

Nur wenn man sich mit der Materie bestens auskennt, wird man einen Erfolg bei der Kostenübernahme und dem Arzt haben. Aber wenn du wirklich krank bist, wirst du diesen harten Weg auf dich nehmen. Es gibt auch dutzende Anlaufstellen, wir haben schon diverse Artikel zu verschiedenen Leiden geschrieben, inkl. Studien und Fallbeispielen. Auch auf Leafly.de, die sich vollkommen dem medizinischen Aspekt von Cannabis verschrieben haben, wirst du sicherlich alles finden. In unserer Kategorie Medizin haben wir einige Basisartikel zu dem Thema verfasst, aber uns auch speziellen Themen gewidmet: Wie Cannabis gegen Krebs, Neurodermitis, Gelenkschmerzen, Migräne, ADHS oder auch in der Schwangerschaft helfen kann. Einfach hier drücken und schon geht es los.

Fazit:

Wer es drauf anlegt, bekommt das Rezept inkl. Kostenübernahmet. Es ist wie überall im Leben. Es ist schade, dass Cannabis zur Zeit nicht komplett legal ist. Okay, dann muss man sich eben den Begebenheiten anpassen und selbst Verantwortung übernehmen und tun, was zu tun ist.

Die Ärzte sind nicht böse, der MdK ist nicht böse und die Krankenkassen auch nicht. Aber Cannabis ist eben auch NICHT für jeden gedacht. Es gibt sehr häufig auch alternative Therapien, die besser wirken als Cannabis, das darf man nicht vergessen. Die Cannabis-Behandlung bietet unfassbar viele Vorteile für einen Großteil der Menschen, es gibt aber auch Nebenwirkungen und diese sollten niemals vernachlässigt werden.

Nur wer informiert ist, wird über lange Zeit Erfolge erzielen. Wenn es noch offene Fragen geben sollte, einfach in die Kommentare hauen. Aber bitte zuerst Google fragen, denn viele Fragen wurden in den letzten Jahren schon von sehr viel kompetenteren Menschen als uns beantwortet. Peace.

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

4 Gedanken zu „Cannabis auf Rezept: So klappt es mit dem eigenen Hausarzt

  • April 18, 2018 um 12:00 pm
    Permalink

    Hi Daniel, du hattest den artzt aus Berlin erwähnt der Cannabis auf Rezept verschreibt. Kannst du mir seine kontaktdaten geben. Danke dir im voraus.

    Antwort
    • April 18, 2018 um 12:12 pm
      Permalink

      Leider nicht. Der arbeitet nun woanders, und zwar bei Hapa Medical.

      Antwort
  • August 29, 2018 um 1:26 pm
    Permalink

    Hallo Daniel,
    vielen Dank für diesen Blog und nun die Frage: Wie hast Du den Patienten helfen können?
    Es geht darum, dass meine Mutter mehr oder weniger neben dem vollen Topf zu verhungern droht.
    Sie ist 79 Jahre alt und wurde monatelang falsch behandelt. Die Ärzte glaubten, dass es sich bei ihren Beschwerden um Verstopfung handelt, dabei war es ein bösartiger Darmkrebs. Im April haben wir sie dann in die Notaufnahme gebracht, zwei Tage später wurde eine Not-OP durchgeführt, bei der sie beinahe gestorben wäre (Sepsis durch Darmbakterien). Es wurde ein vorübergehender künstlicher Darmausgang gelegt. Sie lag über 5 Wochen in der Intensivstation, weil es noch weitere Komplikationen gab, wie z.B. Probleme mit der nässenden OP-Wunde, weswegen sie insgesamt 6 weitere Male operiert werden musste. Ich müsste hier Romane schreiben, wenn ich erklären wollte, was noch so alles schief gelaufen ist. Anfang Juni kam sie dann in Akutgeriatrie und ist seit dem 26. Juni zu Hause. Die für September angedachte Rückverlegung des künstlichen Darmausgangs und auch der Beginn der Chemotherapie sind laut dem Onkologen nicht möglich, weil meine Mutter zu schwach ist. Sie hat erst wieder im Januar einen neuen Termin bei ihm. Allerdings bezweifle ich, dass sie bis dahin stark genug sein wird, denn sie kann so gut wie nichts essen.
    Vor der OP war sie eine gute Esserin, seit sie aber nicht mehr künstlich ernährt wird (also seit Ende Mai) stimmt irgendwas mit ihren Geschmacksnerven nicht. Alles ist zu süß, zu salzig oder zu bitter. Wenn sie mehr als zwei Bissen zu sich nimmt, wird ihr schlecht. Sie hat massiv abgenommen (über 20 Kilo in vier Monaten) und wirkt sehr schwach. Ich weiß, dass Cannabis sowohl appetitanregend ist als auch das Gefühl von Übelkeit verringern kann. Ich wollte wissen, ob es eine Chance gibt, bei Mama eine CBD-Therapie durchzuführen. Ich denke, dass das auch eine sinnvolle Ergänzung zu bevorstehenden Chemotherapie wäre. Sie selber steht einer Behandlung mit Cannabisprodukten sehr offen gegenüber. Ich würde mich freuen, wenn ich eine Nachricht von Dir bekäme. Die Ärzte, mit denen ich bislang gesprochen habe, blocken alle ab. Liebe Grüße, Selma

    Antwort
    • September 19, 2018 um 8:23 am
      Permalink

      Hallo Selma, CBD ist legal und somit frei verkäuflich. Es wird als Lebensmittelergänzungsmittel verkauft. Bei CBD-Welt im Internet bekommt man eine sehr gute Beratung, da kann man anrufen und die Produkte dort sind auch sehr gut. Leider ist CBD-Öl 10%ig sehr teuer (10ml für ca. 50€) aber es hilft ungemein! Mein Vater hat starke Schmerzen wegen einer Atritis und er kann ganz viele Medikament weglassen, wenn er das CBD Öl nimmt. Ich selber habe Morbus Bechterew und nehme es gegen Schmerzen. Damit Deine Mutter Appetit bekommt muss sicherlich auch THC drin sein, damit kenn ich mich nicht so aus, aber CBD- Öl könntet Ihr ja mal ausprobieren, hat übrigens keine Nebenwirkungen und keinen Rausch. Gruß Katrin

      Antwort

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