Rausch und Saufgeschichten: Wenn der Kiffer zum Trinker wird

Diese lyrische Komposition zum nachdenken und weitererzählen wurde vom unglaublichen „Mr. Haze Amaze“ höchst persönlich in diese 4 Dimensionale Welt materialisiert. 

“Also ich nehm auf jeden Fall noch einen! Immer her damit!” Alle lachten, denn jeder wusste, dass Steven gerne mal über seine Grenzen hinaus ging und der Abend dann ganz schnell ein Ende finden konnte.

“Denk diesmal vielleicht auch einfach daran zwischendrin mal Wasser zu trinken. Dann schlägt es dir nicht direkt auf die Birne.” sagte Jeanette und klopfte Steve auf die Schulter. Dieser wiederum nickte nur genervt und verdrehte dabei die Augen, dann setzte er das Glas an den Mund.

“Ohne Worte der Kerl.” Jeanette schüttelte den Kopf, “Letztens im Urlaub hat er es mal wieder übertrieben. Die Pfannkuchen vom Frühstück, die Reste vom Mittagessen und auch noch zwei Packungen Eis. Alles zum Vorschein gekommen, ich bin gerade heimgekommen als ich die Sauerei gesehen hab.”

Erik prustete und lachte dann lauthals los. “Fett, Bro! Starke Leistung, Alter du musst ja mehr als dicht gewesen sein!” Steve lachte beherzt mit ihm: “Ja man, das war echt heftig, ich war an dem Abend so fertig mit der Welt, mega lustig. Das muss ich definitiv wiederholen!”

“Wie wärs denn mit nem Party-Spiel? Kennt ihr diese Dingens Runde?” Kevin fuchtelte mit den Händen in der Luft herum, da er einfach nicht auf den Namen des Spiels kommen wollte.

“Achso ja ich weiß was du meinst, aber von solchen Spielen bin ich immer so schnell am Ende.” Jeanette seuftze. “Aber genau darum geht es doch oder? Möglichst viel und möglichst schnell und ballern muss es! Genau dafür sind diese Spiele doch da. Komm schon das macht Laune!” Kevin wühlte in seiner Tasche herum bis er fand wonach er suchte.

Er warf einen kleinen Beutel mit Gras auf den runden Holztisch. Plötzlich herrschte Stille, alle schauten wortlos auf den kleinen Beutel in der Mitte des Tisches.


“Kevin, wo hast du das her?! Ist das dein Ernst?” Therese war plötzlich wie von den Toten erwacht hochgeschossen und betrachtete das Mitbringsel sehr genau.

“Ist es das wofür ich es halte, Kevin?” Erik hatte aufgehört zu lachen. Auch er musterte den kleinen Beutel gründlich. Vorne drauf war ein weißer Aufkleber zu sehen, darauf stand in dicken schwarzen Buchstaben die Worte “Gorilla-Glue x Girl Scout Cookies ferm. 4 M.”

“Und ob das mein Ernst ist. Die beste Sorte die ich weit und breit aufstöbern konnte. Der extreme Couchlock-Effekt der Gorilla und das euphorische High der Girl Scout, ein harziger Geruch mit einer Note von Diesel. Vier Monate lang bei perfekten Bedingungen fermentiert und das ganze für stolze 20€ das Gramm. Ich sage euch Leute, etwas besseres werdet ihr in einem Umkreis von 300km nicht finden.”

Therese und Erik sahen sich schweigend an und dann wieder hinüber zu Kevin und dem Tütchen. “Kevin, das ist … einfach nur …” stammelte Erik.

“Saumäßig geil , Alter! Wo hast du die geile Scheiße denn aufgetrieben?” platzte Steve heraus.

Kevin grinste hämisch. “Das ist und bleibt mein kleines Geheimnis. Sonst würde ja jeder da sein Gras kaufen und es wäre nicht mehr genug für mich da.”

“Ich geh schnell rein und hol mal den Vaporizer, wer will alles einen Ballon?” Alle meldeten sich eifrig, alle bis auf Derek.

“Hey Derek willst du nicht auch das geile Gras mal probieren?” Derek winkte dankend ab. Kifft ihr euch nur die Birne zu, ich hab darauf keinen Bock, dachte er bei sich. Irgendwann werdet ihr schon merken wie es nach und nach Gehirnzellen abtötet.
Derek hatte früher viel gekifft. Oftmals auch mehr als er vertragen konnte. Auf der ein oder anderen Party war er einfach eingepennt und hatte komatös auf der Couch oder einfach auf dem Boden gelegen. Und dann immer dieses verpeilt sein am nächsten Tag.

Wie nahezu jeder in diesem Land hatte er mit dem kiffen im zarten Alter von 14 angefangen. Ein Joint von einem älteren Mitschüler, auf den Familienfeiern schnell an der Bong ziehen während der total bekiffte Onkel seine neusten Witze zum besten gab. Andere wiederum haben ihren ersten Joint mit dem eigenen Vater zusammen geraucht, während dieser einem auf die Schulter klopfte “Jetzt wird aus dir auch bald ein richtiger Mann.”

In den ländlicheren Umgebung war kiffen so oder so an der Tagesordnung, es gehörte zum Teenager Leben einfach dazu. Wer nichts vertragen konnte war direkt als Looser abgestempelt und wenn man sich direkt dagegen aussprach wurde man angeschaut, als hätte man einen makaberen Spruch gerissen – ein Gesichtsausdruck wie “Ist das dein Ernst, was bist du denn für einer?”

Wer dazugehören wollte musste mitkiffen und dafür wurde jedes Wochenende, jede Party und teilweise sogar der Sonntag morgen mit dem sogenannten “Frühdübeln” genutzt.
Aus diesem Grund und einer Krankheit die es ihm untersagte hatte er sich an einem gewissen Zeitpunkt dafür entschieden, es komplett bleiben zu lassen.
Anfangs war es ihm schwer gefallen, das Kiffen auf jeder Party zu verweigern. Doch da er mittlerweile nach einigen Jahren der Abstinenz jegliches Verlangen danach verloren hatte, fiel es ihm sehr einfach und ihm wurden die Vorteile des Nicht-Kiffens immer mehr bewusst.

Er hatte sich unterdessen einer anderen Passion gewidmet.


“Also ich finde das Lemon Haze von Fruitnation ist ja schon echt super lecker.” “Findest du? Also mir gefällt immer noch das gute alte Afghaan Kush am besten. Schöner harziger Geschmack und klebrig wie sau. So muss guter Stoff sein.” “Hast du letztens die neue Werbung von Paradise Garden gesehen? Da gibts ne neue Sorte mit Mango.”

Solche und andere Gespräche wurden in der geselligen Runde geführt bis es dann langsam dunkel wurde. Ein paar kleine Teelichter erhellten noch den Tisch doch ringsherum konnte man schon nicht mehr die Hand vor Augen sehen. Therese drehte sich zu Derek um: “Kannst du bitte noch mal ein paar große Kerzen und die Leuchten von drinnen bringen?” Derek sah zu ihr herüber und er nickte ihr zu. Als er an ihr vorbei ging, flüsterte er ihr ins Ohr: “Ich geh dann auch nochmal kurz in mein Zimmer, okay?” Therese verdrehte die Augen aber nickte dann leicht widerwillig. “Aber bring bitte erst die Lampen, sonst sehen wir hier bald gar nix mehr.”
Nachdem Derek die Lampen nach draußen gebracht und dort auf die lauthals lachende Bande aus Kiffern traf, drehte er sich gleich wieder herum und ging zurück ins Haus mit den grummelnden Worten “Bin kurz mal drin.”

Er ging durch den Hausflur, die Treppe hinauf in sein Zimmer. Er schaute sich um, ob ihm jemand gefolgt war. Dann verschloss er die Tür hinter sich und ließ sich in seinen Sessel sinken. Er schnaufte erschöpft, denn er hasste es immer diese Scharade spielen zu müssen.
Er richtete sich auf und ging zu dem kleinen Holzschrank in der Ecke seines Zimmer. Als er die Türen öffnete kam dahinter ein kleiner Kühlschrank zum Vorschein. Er war in den Schrank integriert und hinter verschlossener Tür weder zu sehen noch zu hören. Mit einem Zischen klappte er die Tür zur Seite, ein eiskalter Windstoß und ein würzig-süßlicher Geruch kam ihm entgegen. Im Kühlschrank standen fünf Plastikflaschen gefüllt mit einer hellen bräunlichen, prickelnden Flüssigkeit. Etwas weiter hinten standen noch zwei kleine Glasfläschchen, ein rotes mit der Aufschrift Strawberry und eines mit einer klaren Flüssigkeit und der Aufschrift Russian Winter.

Derek öffnete eine Schublade über dem Kühlschrank und holte zwei leicht verschmutzte Gläser hervor, ein großes, langes, das zweite so klein, dass es komplett in seine Handfläche passte. Tief atmete er den Geruch ein und ein zufriedenes Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Abwägend schaute er zwischen den zwei Gläsern hin und her. Schließlich entschied er sich für das größere Glas. Er nahm eine der braunen Flasche aus dem Kühlschrank und ließ sich wieder in seinen Sessel fallen. Er schraubte den Deckel von der Flasche und ein lautes Zischen durchschnitt die Stille in seinem Zimmer. Für ihn klang dieses Zischen wie Musik in den Ohren. Er setzte den Flaschenhals an das Glas und hob die Flasche vorsichtig an. Langsam schwappte die Flüssigkeit nach vorne durch die Öffnung hinaus und flutete sprudelnden an der durchsichtigen Oberfläche entlang.

Ungefähr die Hälfte des Flascheninhalts war nun in das Glas gelaufen, als Derek die Flasche wieder schloß. Er hielt sich das Glas unter die Nase und sog den süßlich-würzigen Geruch tief ein. Dann nahm er einen genüsslichen Schluck der herb-süßlichen, hellbraunen, prickelnden Flüssigkeit und spürte wie es seine Kehle hinab lief.
Bereits nach wenigen Minuten machte sich ein warmes Gefühl in seinem Magen und ein euphorisches in seinem Kopf breit.
Zufrieden schnaufte Derek und ließ sich noch etwas mehr in den Sessel sinken. Er nahm einen weiteren Schluck und schwenkte das Glas vor sich hin und her. Die Flüssigkeit schwappte gegen die Glaswände und kleine Bläschen stiegen vom Boden an die Oberfläche, wo sie eine weiße Schaumkrone bildeten.

“Alkohol. Warum machen alle nur so einen riesen Aufriss wegen diesem Getränk ”,

dachte er bei sich, “es ist doch gar nicht so gefährlich wie diese Idioten alle behaupten. In Maßen genossen schadet es doch niemanden und was ich mit meinem Körper anstelle ist doch meine Sache.” Tatsächlich konnte er sich nicht daran erinnern mit Alkohol jemals derartige Abstürze wie mit Gras gehabt zu haben. “Du wirst gewalttätig und musst die ganze Nacht kotzen” haben sie einem immer eingetrichtert, doch er hatte sich noch nie betrunken geschlagen und auch noch nie so viel getrunken bis er sich übergeben musste.

“Natürlich sollte man generell einfach nicht übertreiben, wie diese Youtuber, die teilweise ganze Flaschen auf Ex trinken. Denn die kotzen danach oft wirklich alles voll. Und das wirft natürlich ein schlechtes Bild auf die Trinker im Allgemeinen.” philosophierte Derek vor sich hin.

Als er die Flasche ausgetrunken hatte, schnaufte er noch einmal. Dann erhob er sich aus dem Sessel und ging ins Badezimmer. Er wusch sich die Hände gründlich mit Seife und spülte seinen Mund mit Mundspülung aus. Von unten rief ihn Therese “Lebst du noch?”

Etwas bemüht wieder die Rolle des normalen, nüchternen Typen einzunehmen, der Kiffen nicht im geringsten schlimm fand, schwankte er die Treppe hinunter und wieder hinaus in den Garten zu den anderen.
Etwas verpeilt setzte er sich auf den Stuhl neben Therese und nahm ein Glas Wasser in die Hand. “Riecht ihr das auch? Irgendwie riecht es hier plötzlich total nach Alkohol.” Derek begann leicht mit den Fingern auf dem Tisch zu trommeln, denn er wurde etwas nervös. Zu seinem Glück unterbrach Therese das unangenehme Schweigen und Schnüffeln. “Ach laber nicht du hast wahrscheinlich nur zu viel gekifft und bildest dir das ein.”

Steve kratzte sich verwirrt am Kopf. “Naja okay, dass kann natürlich auch sein.” Dann lachte er wieder.
Unterdessen war Erik einen Platz weiter nach oben gerückt. “Hey Derek, stimmt es, dass du nicht kiffst? Nicht mal ein bisschen?” Derek schüttelte den Kopf. “Nein, nicht einen Krümel seit ca. 6 Jahren schon.” Erik machte ein ernstes Gesicht. “Wow, das ist wirklich krass. Komplett nüchtern auf ner Party rum zu hängen klingt echt hart. Ich glaube ich könnte das gar nicht. Das respektiere ich echt, krasse Leistung.”

Derek knirschte mit den Zähnen und presste die Lippen aufeinander. Er musste sich zurückhalten um nichts Dummes zu sagen. Respekt? Krasse Leistung? Er fand es einfach nur grauenvoll wie die Menschen über dieses angeblich so harmlose Kiffen sprachen, als wäre es ein Volkssport und man selbst ein Aussätziger, wenn man das grüne Kraut nicht genau so feierte wie alle anderen. Aber wehe jemand trinkt Alkohol, dachte er bei sich, ja dann ist er gleich ein Freak, ein Idiot oder ein gefährlicher Mensch der Rauschgift konsumiert.

“Habt ihr es auch schon gehört? Thomas Matczek hat man gestern wohl im Park verhaftet, er hat da Bier getrunken. Es heißt es wär ein ganzes Sixpack gewesen und eins davon hat einem Jugendlichen in die Hand gedrückt. Unverantwortlich, geschieht ihm ganz recht, dass er jetzt vors Gericht muss. Diese Säufer sind doch eh alle faule Idioten, die mit ihrem fetten Bierbauch aufm Sofa vor der Glotze hängen. Einfach armselig solche Menschen.” Steve begann laut zu lachen und die anderen stimmten mit ein. “Wer säuft bringt es zu nichts. Wenn du erstmal abhängig bist geht’s dann nur noch den Bach runter.”

Mit einem lauten Knall schlug Derek mit der Faust auf den Tisch:


“Wenn ihr wüsstet, wenn ihr euch doch einfach mal mit dem Thema beschäftigen würdet. Wir haben dem Alkohol auch vieles zu verdanken. Man nutzt ihn zum Desinfizieren von Wunden, um Kräuterauszüge für Medikamente herzustellen, aber auch für simple Alltagsgegenstände wie Glasreiniger und Frostschutzmittel. Doch ihr wollt immer nur die klischeehafte Seite an dem ganzen Thema sehen. Beschäftigt euch doch einfach mal mit diesem Thema ohne jegliche Vorwürfe! Ich bin ein Säufer, okay?! Ich trinke Alkohol und ich schäme mich nicht dafür! Haltet ihr mich jetzt auch für einen Junkie?”
Eine unangenehme Stille entstand in der kleinen Gruppe.

Gastautor

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Ein Gedanke zu „Rausch und Saufgeschichten: Wenn der Kiffer zum Trinker wird

  • Februar 7, 2019 um 8:37 am
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    Sehr sehr geil geschrieben!!!

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