Diese Modelle liegen bereit, wenn die Legalisierung kommt. Nebenwirkungen inkl.

Staatlich kontrollierter Anbau von Cannabis… Mir persönlich kommt bei dieser Aussage immer etwas Kotze mit hoch. Oder noch schlimmer, staatlich lizenzierte Fachgeschäfte für den Verkauf von Cannabis. Ih, da wird mir auch immer etwas schlecht. Cannabis hat in meinen Augen etwas mit Freiheit, Liebe und Heilung zu tun, aber das passt so gar nicht mit dem Staatsapparat zusammen.

Ich frage mich da immer, wovor soll uns denn der Staat schützen, dass er diese Aufgabe der Kontrolle übernehmen soll? Aber das habe ich schon in dutzenden anderen Artikel erläutert. In diesem Artikel möchte ich die verschiedenen Legalisierungsideen vorstellen und herausfinden, welche in meinen Augen den meisten Sinn machen. Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn nicht alle Ideen bis ins Detail beschrieben werden. Dieser Artikel soll nur eine Idee davon liefern, wie es laufen könnte.

Modell Nummer 1: Staatlich kontrollierter Anbau von Cannabis & Verkauf

Wenn Deutschland für eine Sache bekannt ist, dann für unfähige Politiker und deren Handlanger, die in den Behörden arbeiten. Gerne auch mal Vetternwirtschaft. Durch dieses schwerfällige Konstrukt entwickelt sich Deutschland immer mehr zum Entwicklungsland in Sachen Drogenpolitik. In vielen anderen Bereichen ist Deutschland inzwischen auch ein Entwicklungsland. Aber egal. So richtig gute Konzepte, die für die gesamte Bevölkerung funktionieren, gibt es fast nie. Im Zuge der Legalisierung von Cannabis als Medizin, sollte auch in Deutschland Cannabis angebaut werden, um den Bedarf der Patienten zu decken. Die sogenannte „Cannabisagentur“ wurde gegründet, die gibt es wirklich.

Alleine die Ausschreibung der zuständigen Behörde war und ist ein Witz. Beispiel: Um Cannabis für die Apotheken in Deutschland herzustellen, muss man nachweisen, dass man schon in der Vergangenheit 50kg angebaut hat. Alter! Damit hat man mal alle deutschen Unternehmer aus dem Rennen geschossen. Wie soll ein deutsches Unternehmen nachweisen, dass es Cannabis angebaut hat, wenn es bisher illegal war? Facepalm… Auch sollten die ersten Ernten aus deutscher Produktion ab 2019 im Umlauf sein. Wird natürlich nicht klappen, jetzt ist 2020-25 realistisch, oder noch später. BER und co. grüßen. Startschwierigkeiten sind ja normal, keine Frage. Obwohl nein, Startschwierigkeiten sollten nicht zum Normalfall gehören. Ansonsten zeigt der Staat und die Regierung, dass sie in keinster Weise handlungsfähig sind. Und das ist bei uns in Deutschland überall der Fall, da ist die medizinische Cannabis-Versorgung nur ein minimales Problem.

Also, wie soll das dann bei einer Legalisierung für den Freizeit-Konsum aussehen?

Meiner Einschätzung nach schlecht, sehr schlecht. Selbst wenn deutsche Unternehmen sich für den Anbau lizenzieren könnten, dann würden die Hürden für den Anbau extrem hoch gelegt. Ähnlich wie beim medizinischen Cannabis. Also, Ingo, der gerne Cannabis für staatliche Coffeshops anbauen möchte, hat keine Chance. Da seine angesparten 25.000€ nicht für die geforderten Auflagen reichen werden. Auflagen wie: eine extrem gesicherte Immobilie, Personal, BTM Schränke, Laborbedingungen etc… Ingo könnte zwar Cannabis anbauen, aber das würde der Staat nicht wollen, da es hunderte, gar tausende kleine Unternehmer gibt, die Cannabis für den Freizeitkonsum anbauen. Daher werden schon im Vorfeld sehr hohe Auflagen kreiert, damit es gar nicht erst so weit kommt. Es wäre schlicht und einfach auch nicht zu kontrollieren, wenn es tausende CannabisGärtner geben würde. Und um Kontrolle geht es ja gerade beim staatlich kontrollierten Anbau.

Vielmehr werden wieder die Cannabis-Pharmaunternehmen gebeten den Anbau zu regeln. No Joke, für Bayer & Monsanto wäre die staatliche Nummer perfekt. Immerhin haben sie schon einige Patente auf Cannabis angemeldet. Es gibt aber noch abseits von Bayer/Monsanto wirklich widerliche Unternehmen aus den USA & Kanada, die Cannabis in sehr großem Stil anbauen, und die wollen alle auf den deutschen Markt. 1 zu 1 die selben Flachwichser wie Bayer und Co..

Der deutsche Markt ist doppelt so groß wie zum Beispiel in Kalifornien.

Deutschland hat nämlich doppelt so viele Einwohner. Viele Großinvestoren haben Deutschland im Auge, und klar diese können die Regierung relativ einfach beeinflussen. Wenn diese Option der Legalisierung wirklich eintreffen sollte, dann verdienen hauptsächlich ausländische Unternehmen ihr Geld hier in Deutschland. Ein paar kleine, deutsche Player wird es sicherlich auch geben, aber da die Deutschen keine Expertise in diesem Bereich haben (war ja 60 Jahre verboten), werden die ausländischen Unternehmen sich die Marktanteile unter den Nagel reißen, der komplette Horror für mich. Solche Entwicklungen kann man in diversen Ländern beobachten, anderen Industrien, in den selben Turbo-Wirtschaftssystemen. Ich wünsche mir, dass ausschließlich deutsche Unternehmen in diesen Genuss kommen. Ist aber leider extrem unwahrscheinlich.

Die Regierung sollte wenn dann einen Investitionsstop für alle ausländischen Unternehmen einführen. Deutschland muss sich in diesem Szenario selber entwickeln und selbst Geld investieren. Nur durch geregelte Abschottung kann ein fairer Markt entstehen und nur so können auch deutsche Innovationen in der Cannabisindustrie entstehen. Kleines Einmaleins der Wirtschaft.

Wer staatlich lizenziert anbaut, wird es auch an lizenzierte Geschäfte verkaufen müssen.

Der größte abfuck. Nehmen wir mal an, ich will 10g Super Lemon Haze kaufen und fahre dazu nach Hamburg, wo es einen staatlich kontrollierten Cannabisladen gibt. Höchstwahrscheinlich muss ich mich dort registrieren, auch werden meine Daten dann an den Staat weitergeleitet, beziehungsweise an die verantwortliche Behörde. Dann wird erstmal geprüft, ob ich überhaupt Cannabis konsumieren darf, könnte ja sein, dass mir ein Gericht verboten hat, Cannabis zu konsumieren. Aber alles okay bei mir. Ich darf dann Cannabis kaufen: 10 Gramm Super Lemon Haze könnten dann, sehr gutmütig an aktuellen Apothekenpreisen angelehnt, ca. 140-180€ kosten. Was fatal wäre. Aber selber anbauen darf ich ja zuhause nicht, dies würde nicht in dieses Modell der Legalisierung passen. Immerhin gibt es ja die tollen, staatlichen Läden. Diese Läden kennen dann auch unsere Konsumgewohnheiten und, und, und…

Ein sehr großes Problem würde dieses Modell ebenfalls für andere deutsche Traditionsunternehmen bedeuten.

Nämlich die Alkoholindustrie. Ja, das schreibe ich jetzt wirklich. Die Bevölkerung wird sehr sicher nicht mehr Geld verdienen, und würde statt Alkohol z.B. dann Cannabis kaufen. Das würde bedeuten, dass sehr, sehr viel weniger Geld zum Beispiel für Bier und Schnaps ausgegeben wird. Was zur Folge hätte, dass sehr viele Brauereien schließen würden und im Gegenzug keine neuen Arbeitsplätze durch die Cannabisindustrie entstehen würden (über die Jahrzehnte gerechnet). Ich persönlich bin ein Fan der deutschen Bierkultur und wäre echt traurig, wenn diese durch Cannabis aussterben würde . Cannabis und Hopfen gehören immerhin zur selben Pflanzenfamilie. Dies wäre ein sehr großes Problem, was auch zu Spannungen in der Gesellschaft führen würde. Hätte, könnte, wäre, Konjunktiv vier – alles rein spekulativ natürlich.

Diese ganze Thematik um rein staatlichen Anbau und Verkauf ist Mist. Für mich die schlimmste Lösung, auch wenn es für den Staat die beste Lösung wäre. Für den Freizeitkonsumenten ein No-Go. Alle Experten aus der Legalisierungsszene, die soetwas fordern, werden in der Regel auch von Unternehmen bezahlt, die genau diese Lösung wollen. Also, immer aufpassen, wen oder was man unterstützt oder befürwortet.

Modell Nummer 2: Der Social Club

Nicht meine persönliche Lieblingsvorstellung, dennoch die sinnvollste Lösung für Deutschland. Die deutsche Kultur hat es einfach drauf, wenn es um Vereine geht. Ein Social Club, wie wir ihn beispielsweise aus Spanien kennen, hat viele Vorteile, insbesondere für die gesellschaftliche Entwicklung. Im Vordergrund solcher Cannabis Clubs steht der gemeinschaftliche Austausch mit der Pflanze. Ein regionaler Zusammenschluss aus Cannabis Enthusiasten, die anbauen und rauchen wollen. Diese Form entsteht meist organisch, Freunde treffen sich, planen und setzen um. Hier steht KEIN finanzieller Fokus im Mittelpunkt, da die Voraussetzung ein Verein wäre und kein Unternehmen. Vielmehr geht es hier um die Versorgung der Gemeinde/Mitglieder mit erstklassigem Cannabis. In der Regel werden nur die Eigenkosten des Social Clubs auf das Cannabis umgewälzt.

Sprich: Die Miete, das Equipment vom Anbau bis zur Extraktion, Verpackung, Laborproben und diese ganzen kleinen Dinge eben, um Cannabis richtig anzubauen und zum Konsum weiterzuverarbeiten. Dies kostet natürlich alles Geld. Social Clubs finanzieren sich durch einen monatlichen oder jährlichen Mitgliedsbeitrag. Für den Mitgliedsbeitrag bekommt man beispielsweise 30 Gramm Cannabis im Monat und kann diese dann entspannt zuhause rauchen. Mitglied kann jeder werden, der volljährig ist und seinen Wohnsitz im Umkreis von zum Beispiel 100km hat.

Die Social Clubs gefallen mir deswegen ganz gut, da diese einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung über Cannabis in der Gesellschaft leisten werden.

Auch den Aspekt, dass man in einem Social Club nur arbeitet, weil man sich dazu berufen fühlt, da es keinen wirklichen finaziellen Anreiz gibt, finde ich toll. Diese Möglichkeit ist in der Regel auch sehr schnell umgesetzt. Innerhalb von einem Jahr hätte man ganz Deutschland mit Cannabis versorgt, inkl. der Menschen, die es als Medizin benötigen. Da die Cannabisagentur ja eh kein Cannabis produzieren will, wäre wohl ein Social Club die schönste Variante auch für Patienten. Ich kann euch zum Thema Social Clubs den Artikel von unserem Autor Philip zu den Social Clubs in Spanien empfehlen. Oder Julia`s Artikel über die Briten.

Durch die günstigen Preise von Cannabis aus Social Clubs würden anderen Industriezweigen, wie zum Beispiel den Bierbrauereien, keine großen Umsatzeinbußen bevorstehen. Es ist sehr wichtig, dass sich durch eine mögliche Legalisierung keine andere Branche bedroht fühlt . Denn eines ist sicher: Die Alkoholindustrie kann mit verschiedenen Maßnahmen die Legalisierung von Cannabis einschränken. Durch Social Clubs kann man dem Konkurrenzdruck entgegenwirken.

Modell Nummer 3: Die leichte Legalisierung

In diesem Modell geht es vorrangig um die Entkriminalisierung und den reinen, kleinen Eigenbedarf für den Freizeitkonsum. In diesem Szenario würde die medizinische Versorgung weiterhin von der Cannabisagentur gedeckt werden. Bei einer Entkriminalisierung würden Strafen für den Besitz und den Eigenanbau mit beispielsweise maximal 6 Pflanzen wegfallen . Auch die Anpassung der Gesetze, vom Fahren mit Auto, Moped und Co., spielt bei diesem Modell eine große Rolle. Wenn man jetzt vor 2 Tagen einen Joint geraucht hat und dann von der Polizei angehalten wird und eine Blutprobe abgeben muss, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass man eine Geldstrafe bezahlen muss, den Führerschein entzogen bekommt und natürlich zur MPU muss. In diesem Modell werden die Grenzwerte angehoben, womit man Abends einen Joint rauchen darf und am nächsten Morgen Auto fahren kann, ohne dafür belangt zu werden. So wie es eben auch beim Alkohol der Fall ist.

Zudem werden die Grenzwerte für den Eigenbedarf angehoben. Zum Beispiel kann man dann 30 Gramm bei sich haben, 30 Gramm im Kühlschrank lagern, ohne Angst zu haben, dass um 6 Uhr morgens das SEK zu einem nach Hause kommt und man in Untersuchungshaft muss. Für mich persönlich ist die Entkriminalisierung eine sehr schöne Lösung. Auch der Eigenanbau von 6 Pflanzen ist hier eine sehr schöne Idee. Gut, nicht jeder kann und will Cannabis selber anbauen, keine Frage. Bei diesem Modell ist zudem der Austausch von Cannabis möglich, ähnlich wie beim Social Club.

Ich persönlich bin ein absoluter Befürworter dieser Variante, da man hier nicht mehr für das Menschenrecht des Konsums und den Besitz von Cannabis belangt werden kann. Es wäre ein sanfter Einstieg, der für die nächsten 20 Jahre gut funktionieren würde, und mehr als Sinn macht. Natürlich würde dabei der Schwarzmarkt nicht eingedämmt werden, weshalb viele Probleme der Prohibition nach wie vor bestünden.

Modell Nummer 4: Der Mix macht es

Dies ist wohl die perfekte Lösung für alle. Medizinische Cannabis Versorgung über Apotheken. Entkriminalisierung. Social Clubs für die ländlichen Gegenden. Eigenanbau. Und lizenzierte Fachgeschäfte mit überteuertem Cannabis in den Städten. Ein Mix, den auch Frank Tempel schon in unserem Interview im November 2017 vorgeschlagen hat.

Fazit:

Cannabis wird legalisiert, das steht fest. Aber nur wie ist die Frage. Alle Zeichen stehen momentan darauf, dass zuerst eine Entkriminalisierung erfolgt und im Zuge dessen das Führerscheinrecht angepasst wird. Eventuell kommt noch eine Freigrenze von 30 Gramm und es dürfen 3 Pflanzen zu Hause angebaut werden. Kurz darauf wird ziemlich sicher das Modell des staatlich kontrollierten Anbaus & Verkauf folgen. Eine ziemlich schlechte Idee, da die deutsche Gesellschaft und die Wirtschaft auf lange Sicht darunter leiden werden, so deute ich jedoch die Zeichen.

Die Wirtschaft und die Politik sind kaum bis gar nicht daran interessiert, wie sich eine Gesellschaft entwickelt. Es wird ihnen etwas vorgesetzt und dann wird es so propagiert, dass es das Beste sei. Meiner Meinung nach darf die Politik in Sachen Cannabis eventuell die Gesetze regeln, aber darf nicht kontrollieren was angebaut wird, oder von wem es verkauft oder gar konsumiert wird. Das ist eine sehr extreme Haltung, die sicherlich nicht jeder gut heißen wird. Aber hey, auch ich täusche mich alle Jubeljahre mal wieder.

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

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