Top Seedcret: Der Underground Breeder aus Deutschland

Mich langweilen die großen Fast Seed Companys schon etwas. Jedes Jahr neue Sorten, die doch wieder nur eine Marketing geschwängerte Massenproduktion sind. Drittklassige Rapper, die viertklassige Sorten auf den Markt bringen. Irgendwie gibt es seit Jahren nichts, was mich im europäischen Markt begeistert. Am Ende investiert man doch wieder sein Geld bei Sensi Seeds, was ja nicht schlecht ist, aber irgendwie fehlt mir da die persönliche Leidenschaft.

Ich selbst bin ein großer Fan von „Made in Germany“, aber gibt es überhaupt Breeder, die in Deutschland nice Sorten an den Start bringen? Die Frage ist immer mal wieder aufgetaucht, aber ich habe sie dann doch nicht weiter verfolgt. Doch dann hatte ich vor kurzem eine Unterhaltung mit einem Leser von CR. Er erzählte mir von „Top Seedcret“, einem Untergrund Breeder, sein Szene Name ist „Craawl“. Seine wahre Identität kennt wohl nur er, das hoffe ich zumindest. Wie dem auch sei, ich habe „Craawl“ reichlich professionelle Fragen gestellt. Die Fragen und Antworten folgen nun.

Wann hast du angefangen deine Genetiken zu entwickeln?

Angefangen verschiedene Kreuzungen zu machen, habe ich schon sehr früh in meinem Grower-Leben!

Die ersten waren Outdoors, 2011 im Guerilla Stil mit KC Brains Mango und der TNR. Natürlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar keine wirkliche Ahnung von dem Thema.

Ein Jahr später (2012) habe ich Indoors, aber gleich auch das erste Mal gezielt Kreuzungen gemacht mit der Ballerblume 6 von Mallorca Seeds.

Welche Genetiken waren der Ausgangspunkt?

TNR x KC33

Ballerblume 6 x AK48

Was macht eine gute Genetik aus?

Eine gute Genetik ist wenn möglich stabilisiert, oder teilweise stabilisiert.

Der Kunde weiß, dass es wenige Unterschiede geben wird. Die Pflanzen wachsen sehr gleichmäßig und unterscheiden sich nur minimal im Aroma und der Wirkung.

Das macht weitere Züchtungen sehr viel einfacher, da die so genannte „Phäno-Vielfalt“ einfach geringer ist, also mit unstabilisiertem Saatgut!

Es kommt aber auch immer drauf an, welche Ziele man verfolgt. Ich persönlich habe auch großes Interesse an unstabilen Sorten, da man selbst entscheiden kann, wie sich die Sorte entwickeln kann, wenn diese per Inzucht vermehrt wird. Dies ist nicht möglich mit stabilisierten Sorten.

Zwitterfrei sollte die Genetik auf jeden Fall sein, da sonst die ganze Linie und zukünftige Kreuzungen betroffen sind.

Was hältst du von den großen Breedern, die jede Saison neue Sorten rausbringen? Ist das genetisch überhaupt möglich, eine stabile Sorte in ein paar Jahren zu züchten?

Erstens finde ich es immer sehr unpassend von „Breeder“ oder „Züchtern“ zu sprechen! Es gibt nur eine Handvoll „Züchter“, ich selbst betitle mich auch nicht als einer. Eine Person die mit Landrassen arbeitet und diese stabilisiert kann sich so nennen, aber das machen nur die wenigsten.

Um eine stabile Sorte (IBL = Inzuchtlinie) auf den Markt zu bringen, benötigt es viel Zeit und Arbeit.

Von der Selektion der passenden Eltern, bis hin zur Stabilisierung und der weiteren Selektion der Nachkommen, dauert es um die 4-5 Jahre.

Doch genau diese Arbeit machen sich nur noch die wenigsten. Die Stabilisierung kostet Geld und Zeit. Es kann auch sein, das die Linie sich ganz anders entwickelt als erhofft, durch Fehler in der Selektion zum Beispiel.

Auf dem Markt herrscht ein großer Konkurrenzkampf,  jeder will das beste und harzigste Produkt verkaufen. In den USA gibt es schon ein paar „Züchter“ die eine Sorte selektiert haben und diese mit vielen Elite Cuts kreuzen. Jährlich kommen damit sehr viele Hybride zustande, die alles andere als stabil sind. Die Qualität des Endprodukts ist gut, allerdings werden immer mehr dieser Poly-Hybride produziert.

Durch genau diese Prozedur, wird es so gut wie unmöglich das gleiche Produkt aus Samen zu ziehen. Ein Poly-Hybrid zeigt sehr viele Phänotypen mit unterschiedlichen Aromen. Der Kunde ist also schon fast gezwungen mehrere Packungen zu kaufen, um den gewünschten Phäno zu finden und zu selektieren.

Ich selbst habe auch F1 Hybride im Angebot, was nichts schlechtes ist. Mit der richtigen Grundgenetik, kann der Kunde selbst entscheiden, wie sich die Sorte entwickeln soll, ohne im Phäno-Chaos zu versinken.

Das ist mit den Poly-Hybriden allerdings schon eine Herausforderung, die dann per Backcrossing gehandhabt werden sollte! Backcrossing = Rückkreuzung auf den ausgewählten Phänotyp.

Viele Leser fragen uns nach guten Outdoor Seeds. Hast du eine nice Outdoor Sorte am Start?

Als passionierter Outdoorgrower habe ich natürlich gut Strains am Start, aber diese sind nicht von mir ;). In 2015 hatte ich mal mit 3 verschiedenen Kreuzungen begonnen, diese waren aber nicht wie ich mir das gewünscht habe. Also wurde dieses Projekt eingestellt. Dieses Jahr sieht es aber anders aus, denn ich habe eine tolle Kreuzung in meinen Gedanken. Eine sehr fruchtige Sorte, basierend auf der MOB (Maine’s own Blueberry) und der Nepali von Bluehemp. Diese wird dann 2019 auf den Markt kommen, wenn es gut läuft.

Du sagst selbst, das du absolut rare Seeds am Start hast. Magst du mal welche vorstellen?

An der Spitze steht ganz klar bei mir die Deep Chunk von Tom Hill. Eine Afghani IBL, die sehr dominant in Kreuzungen durch kommt. Sie ist wirklich eine außergewöhnliche Linie mit niedrigem Ertrag, aber einem extremen Harzbesatz. Die Pflanzen sind eher von kleiner Statur, entwickeln aber sehr große und vor allem breite, fleischige Blätter.

Nach sehr langem Suchen, habe ich diese seltene Linie von einem befreundeten Grower bekommen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nie damit gerechnet diese Linie mal zu besitzen.

Weitere rare Sorten (besonders für den europäischen Raum) sind, meine Lieblinge Yeti OG von Loompa Farms und die Fire Alien Kush von OG Raskal. Beide Strains habe ich vereint in der „Krampus OG“, die sich noch in der Stabilisierung befindet!

Als neusten Zuwachs der raren Sorten, wären Chocolate Thai, Uzbekistan Landrasse und Black Lime Reverse, letztere von Aficionado Seed Bank, die für 900$ pro 10er Packung versteigert wird.

Wie Potent sind deine Sorten? Kannst du mal ein paar Eckdaten deiner stärksten Sorten nennen?

Sie spielen schon in der oberen Liga mit, genaue Daten habe ich noch keine. Viele Sorten habe ich ja noch nicht für den Markt fertig. Die ersten Tests kommen sehr wahrscheinlich dieses Jahr 😉

Was fasziniert dich an Cannabis?

Ich finde alles rund um Cannabis faszinierend! Am meisten aber die Zucht an sich. Ich liebe es mit den Pflanzen zu arbeiten, sie zu selektieren und die Aromen zu bestimmen. Auch wenn es sich seltsam anhört, ich mag es sogar sie jeden Tag zu kontrollieren, ob sich irgendwo ein Zwittermerkmal versteckt.

Das schönste aber ist, wenn jemand dir sagt, dass du gute Arbeit geleistet hast und sie deine Kreuzungen mögen. Der Hauptgrund warum ich Saatgut verkaufe 🙂

Ich habe immer mal wieder gehört, dass es angeblich deutsche Landrassen geben soll. Weißt du mehr darüber?

Es gibt tatsächlich ein Gebiet an dem wild Cannabis wächst. Es ist zwar angeblich eine marokkanische Landrasse, aber diese hat sich an das deutsche Klima angepasst und vermehrt sich selbständig jedes Jahr. So gesehen ist es nur eine angesiedelte Landrasse.

Eine richtige deutsche Landrasse gibt es so nicht, meines Wissens nach.

Welche Anbaumethode bevorzugst du?

Ich bevorzuge die alt bewährte auf Erde. Kleine Töpfe, viele Pflanzen und im SoG Stil, aber aus überwiegend Samenpflanzen.

Willst du weiterhin im Untergrund bleiben, oder kann man deine Seeds auch bald auf den Cannabis Messen der Welt entdecken?

Ich war schon in Kontakt mit mehreren Resellern, allerdings sind diese nur noch auf feminisiertes Saatgut fixiert, da der Großteil der Kunden keine männlichen Pflanzen will. Traurig, aber so ist das. Ein weiterer Grund ist der Wohnort, die Samenbanken brauchen Rechnungen und diese kann ich nicht schreiben, ohne Probleme zu bekommen. Bin so gesehen gezwungen im „Untergrund“ zu bleiben.

Mal sehen was die Zukunft bringt, auf Messen wird man sich sehr wahrscheinlich über den Weg laufen. Allein schon wegen den Cups an denen ich zukünftig teilnehmen möchte. 😉

Ende

Cooler Junge! Wer wirklich Interesse an außergewöhnlichen Sorten hat, ist bei Top Seedcret richtig, ein Leser von uns startet einen Outdoor Grow mit seinen Seeds, das werden wir auch im Laufe des Jahres hier veröffentlichen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr ihm die Bude leer kauft. Top Seedcret produziert allerdings nur kleine Batches, also müsst ihr schnell sein um Seeds zu bekommen. Wenn ich dieses Jahr noch einen guten Platz finden sollte für einen Outdoorgrow, werde ich mir auch ein paar Seeds ordern. Aber spätestes 2019 werde ich einen Lauf im Ausland starten.

Falls ihr nun Seeds von ihm haben möchtet, könnt ihr ihm ganz altmodisch eine E-Mail schreiben: Top-Seedcret@protonmail.com oder seine Instagramseite besuchen: https://www.instagram.com/top_seedcret/?hl=de

Daniel

Ich bin im Jahr 1987 im Norden von Deutschland geboren und kann daher eine Heidschnucke von einem normalen Schaf unterscheiden. Den größten Teil meines noch kurzem Lebens habe ich in Berlin verbracht. Seit 2018 bin ich ein digitaler Nomade. Ich liebe Mode, ohne schnelle Autos kann ich nicht leben, bin ein Serien Junkie und Cannabis ist für mich mehr als nur ein Hobby.

3 Gedanken zu „Top Seedcret: Der Underground Breeder aus Deutschland

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